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Nach Fund hunderter Kinderleichen in kanadischen Heimen

Käßmann: "Arroganz" des Christentums hat Leid in die Welt gebracht

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Margot Käßmann im Porträt
Berlin - Die Vorfälle in einstigen kanadischen Kinderheimen zeigten es erneut: In der Geschichte des Christentums habe es ein "abstoßendes Überlegenheitsgefühl" gegenüber anderen Kulturen gegeben, kritisiert Margot Käßmann. Das habe zu viel Leid geführt.

Die evangelische Theologin Margot Käßmann hat eine arrogante Haltung und ein Überlegenheitsgefühl in der Geschichte des Christentums gegenüber anderen Kulturen kritisiert. "Was für eine unfassbare Arroganz zu meinen, Christentum und europäische Kultur seien allen anderen Religionen und Völkern überlegen", schrieb Käßmann in ihrer wöchentlichen Kolumne in der "Bild am Sonntag".

Sie bezog sich auf den Skandal in kirchlichen Internaten in Kanada, in denen indigene Kinder vor allem in den 1970er Jahren misshandelt und gestorben waren. Ende Mai waren in der Provinz British Columbia Hunderte Kinderleichen auf dem Gelände früherer katholischer Internate entdeckt worden. "Leider ist die Kirchengeschichte voll von solch unfassbaren Beispielen eines abstoßenden Überlegenheitsgefühls. Dadurch wurde nicht christliche Nächstenliebe, sondern unsägliches Leid in alle Welt gebracht", schrieb die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland und hannoversche Landesbischöfin.

Zu lange mitgegangen

Die Kirchen Europas seien zu lange mitgegangen mit den Kolonialherren – in Afrika, Nord- und Südamerika und Australien. "Als Christin schockiert es mich, was im Namen meines Glaubens an Gewalt gerechtfertigt wurde", so Käßmann.

Seit dem Fund der Kinderleichen wird in Kanada intensiv über die Rolle der katholischen Kirche bei den sogenannten "Residential Schools" diskutiert. Dabei handelte es sich um Umerziehungsheime für Kinder aus indigenen Familien, die bis ins späte 20. Jahrhundert hinein und zeitweise auch von katholischen Trägern betrieben wurden. Mehrere Politiker und Vertreter indigener Stämme forderten eine offizielle Entschuldigung seitens der katholischen Kirche. Zuletzt gab es in Kanada mehrere Anschläge auf Kirchengebäude. Im Dezember ist ein Treffen von Vertretern der indigenen Bevölkerung Kanadas und Bischöfen des Landes mit Papst Franziskus im Vatikan geplant. (mal/epd)

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