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Wiener Erzbischof über Wortmeldungen bei Amazonas-Synode

Kardinal Schönborn: Unter Bischöfen fehlt es an Gesprächskultur

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Kardinal Christoph Schönborn.
Berlin/Wien - Kardinal Christoph Schönborn hat sich nach eigener Aussage schon oft gefragt, warum Bischöfe ungern über "wirklich Gelebtes" sprechen. Auch bei der Amazonas-Synode habe sich das wieder gezeigt.

Kardinal Christoph Schönborn bemängelt eine fehlende Gesprächskultur unter den Bischöfen. "Mich hat schon immer gewundert, wie ungern wir Bischöfe über wirklich Gelebtes, über Erlebtes sprechen", sagte der Erzbischof von Wien im Interview mit der "Herder Korrespondenz" (Dezember). Schönborn äußerte sich zu den Wortmeldungen während der Amazonas-Synode, die im Oktober in Rom stattfand. "Die Gesättigtheit der Wortmeldungen mit ausgesprochenen, konkreten Erfahrungen war eher gering", so Schönborn weiter. Stattdessen sei es oft nur bei allgemein gehaltenen Formulierungen geblieben.

Er selbst habe bei seinen Redebeiträgen nur Fragen gestellt, da er als Europäer "den Bischöfen aus Amazonien ja keine Lektion erteilen" könne, betonte Schönborn. Beispielsweise habe er gefragt, wie seine Mitbrüder die pastorale Situation angesichts der Landflucht oder das Erstarken evangelikaler Freikirchen in der Region erlebten. "Darauf gab es wenig Antwort. Das hat mich gewundert", sagte der Wiener Kardinal.

"Viri probati" keine "globale Lösung" für den Priestermangel

Mit Blick auf die bei der Synode diskutierte Priesterweihe von "viri probati" sagte Schönborn, er rechne damit, dass Papst Franziskus das Thema in seinem nachsynodalen Schreiben ansprechen werde. Die Orientierung, die der Pontifex dabei gebe, werde allerdings "ein Echo auch der abweichenden Stimmen" sein. Laut dem Wiener Erzbischof sind "viri probati" nicht die globale Lösung für den Priestermangel. Die Grundgestalt des römisch-katholischen Priesters werde weiterhin der ehelose Priester sein. "Das ist einfach zu tief in der DNA der katholischen Kirche verankert, als dass es dort eine grundlegende Veränderung geben und etwa eine Gesetzgebung wie in der Ostkirche gefunden wird", betonte Schönborn. Die Synodalen hatten sich für die Weihe bewährter verheirateter Männer zu Priestern ausgesprochen – als Ausnahme in der pastoral unterversorgten Region Amazonien. Auch Schönborn stimmte für diesen Vorschlag im Schlussdokument.

Zur Forderung nach einem Stimmrecht für Frauen bei der nächsten Synode sagte der Kardinal, dass dies nur möglich sei, wen man die Definition der Synode ändere. "Die Synode als Instrument gibt es auf universalkirchlicher Ebene nur als Bischofssynode." Das habe das Zweite Vatikanische Konzil so gewünscht und Papst Paul VI. so eingerichtet. "Sie besteht also aus Bischöfen, und das sind bekanntlich Männer."

Christoph Schönborn wurde am 22. Januar 1945 im böhmischen Skalka (Skalken bei Leitmeritz) geboren. Nach der Vertreibung der Familie wuchs er in Vorarlberg auf. 1995 wurde er zum Erzbischof von Wien ernannt, 1998 zum Kardinal kreiert. Bei den Papstwahlen von 2005 und 2013 wurde er als möglicher Kandidat gehandelt. Im vergangenen Frühjahr musste sich Schönborn einer Krebsoperation unterziehen, von der er sich eigenen Angaben zufolge gut erholt hat. Kürzlich gab er zudem bekannt, dass er mit Blick auf seinen bevorstehenden 75. Geburtstag Papst Franziskus um Entbindung von seiner Aufgabe als Wiener Erzbischof ersucht habe. (mal)

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