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Der Papst, der Präsident - und ihr Bezug zu Sankt Martin

Macron trifft Franziskus - Symbolträchtige Geschenke

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Emmanuel Macron und Papst Franziskus
Vatikanstadt - Was passiert, wenn Papst Franziskus den französischen Präsidenten Emmanuel Macron empfängt? Genau: Dann steht weder der eine noch der andere im Mittelpunkt - sondern ein dritter: Sankt Martin.

Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron ist am Dienstag von Papst Franziskus im Vatikan zu einer Privataudienz empfangen worden. Der Papst empfing Macron mit einem langen, herzlichen Händedruck vor der Privatbibliothek des Apostolischen Palastes. Die beiden führten ihre Unterredung mit Hilfe eines Dolmetschers. Das private Gespräch dauerte knapp eine Stunde. Eine ähnliche Länge hatte zuvor nur das Gespräch zwischen dem amtierenden Papst und US-Präsident Barack Obama im März 2014.

Im Mittelpunkt standen die Themen Umweltschutz und Migration, wie aus einer vom vatikanischen Presseamt verbreiteten Pressemitteilung hervorgeht. Demnach drehten sich die Gespräche auch um multilaterale Bemühungen zur Prävention und Lösung von Konflikten, besonders mit Blick auf die Abrüstung. Weiter habe man die Lage in Konfliktgebieten des Nahen Ostens und Afrikas sowie die Zukunft Europas erörtert.

Dabei übergaben sich Macron und Franziskus auch symbolträchtige Geschenke: Das Kirchenoberhaupt schenkte dem Präsidenten ein Bronze-Medaillon des heiligen Martin von Tours (um 316/317-397), der seinen Mantel für einen Bettler teilt. Beobachter sahen darin eine sozial- und flüchtlingspolitische Anspielung. Frankreichs Präsident brachte Franziskus eine seltene antiquarische Ausgabe des Romans "Tagebuch eines Landpfarrers" von Georges Bernanos (1888-1948) mit. Das Werk erschien 1936, im Geburtsjahr des Papstes.

Diverse Bezüge zu Sankt Martin

Franziskus wie Macron haben diverse Bezüge zu Sankt Martin, dem Heiligen des Teilens. Der Präsident und auch seine Ehefrau Brigitte stammen aus Amiens, wo der damalige Soldat Martin laut der Überlieferung seinen Mantel teilte. Die Schule, an der Brigitte Macron unterrichtete, liegt unweit der dortigen Pfarrei St. Martin. Auch Franziskus stammt aus einem Martinsort: Seine Geburtsstadt Buenos Aires, die er bis zu seiner Papstwahl als Erzbischof leitete, hat seit 1580 den heiligen Martin als Schutzpatron.

In Franziskus' Bischofskirche, der römischen Lateranbasilika, ist auch dessen Vorgänger Martin V. (1417-1431) beigesetzt. Der Papst des Konstanzer Konzils wurde am Martinstag gewählt und gab sich diesen Namen in Erinnerung an den heiligen Bischof von Tours. Macron wiederum ist als Frankreichs Staatspräsident geborener Ehrenkanoniker der Lateranbasilika. Er hat den angebotenen Ehrentitel kurz nach seiner Wahl im Mai 2017 angenommen.

Macron wirkte unmittelbar vor der Begrüßung durch Franziskus noch verunsichert. Zum Abschied umarmten sich der 40-jährige Präsident und der 81-jährige Papst jedoch und tauschten einen zweifachen Wangenkuss aus. Diese protokollarisch unübliche Geste deutet auf einen herzlichen und persönlichen Gesprächsverlauf. Die Inhalte der Unterredung wurden zunächst nicht bekannt. Es wird aber angenommen, dass es unter anderem um die europäische Flüchtlingspolitik ging.

Am Morgen hatte Macron den Gründer der katholischen Gemeinschaft Sant'Egidio, Andrea Riccardi, getroffen. Die Begegnung fand im Rahmen eines Frühstücks am Sitz der französischen Botschaft im Palazzo Farnese statt. Sant'Egidio ist unter anderem in der Flüchtlingshilfe und im interreligiösen Dialog engagiert.

Macron mit umfangreicher Delegation im Vatikan

Weiter stand Vormittag ein Austausch mit Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin und dem päpstlichen Außenbeauftragten Erzbischof Paul Gallagher auf dem Programm. Parolin sagte im Vorfeld, bei dem Besuch werde auch das Thema Migration eine Rolle spielen.

Macron reiste mit seiner Ehefrau Brigitte und einer umfangreichen Delegation in den Vatikan. Neben Außenminister Jean-Yves Le Drian, Innenminister Gerard Collomb und weiteren Politikern gehörten dazu die Präsidentin des katholischen Hilfswerks Secours catholique, Veronique Fayet, der Soziologe Dominique Wolton und weitere Akademiker und Intellektuelle. (bod/KNA)

26.06.2018, 14.55 Uhr: ergänzt um Inhalte des Gesprächs

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