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"An was haben wir uns gewöhnt?"

Patriarch Bartholomaios: Christen haben zu wenig für Frieden getan

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Der ökumenische Patriarch Bartholomaios I. von Konstantinopel
Assisi - Am 40. Jahrestag des ersten Weltgebetstreffens für den Frieden haben sich in Assisi Vertreter von Kirchen und Religionen getroffen. Einer von ihnen fand selbstkritische Worte

Der ranghöchste Vertreter der orthodoxen Kirchen, Patriarch Bartholomaios I., hat die in Assisi versammelten Religionsführer zu selbstkritischem Nachdenken aufgerufen. Sie hätten es in den Jahrzehnten nach dem Ende des Kalten Krieges nicht geschafft, die Logik der Gewalt und der Abkehr von Gott zu überwinden.

"An was haben wir uns gewöhnt?", fragte der 86-jährige Patriarch am Dienstagnachmittag bei seiner Ansprache in der Franziskus-Basilika von Assisi. "Wir haben uns weiterhin getroffen, aber wir haben nichts Entscheidendes bewirkt. Wir werden heute von einem ununterbrochenen Strom dramatischer Bilder überrollt, von Ruinen, Tränen, verletzten Rechten und Fundamentalismen - auch christlichen -, von menschlichen Tragödien und zerstörter Umwelt. Warum ist das so? Wie konnte das geschehen?"

Weiter führte das Ehrenoberhaupt der Orthodoxie aus: "Wir glaubten damals nach dem Fall der totalitären Systeme, in eine neue Welt einzutreten. Aber wir haben uns nicht ausreichend dafür eingesetzt, zu verhindern, dass neue Nationalismen entstehen und neue Götzen, die den menschgewordenen Gott hinter sich lassen für eine Technologie, die alles kontrolliert und die Würde des Menschen entwertet."

"Schlamm des Konflikts durchqueren"

Die einzige Macht, die Gewalt und Krieg überwinden könne, sei die Botschaft Jesu, so der Patriarch weiter. Nur wer den Sanftmut und die Opferbereitschaft der Märtyrer übernehme und sich selbst frei von Vorurteilen gegenüber dem anderen mache, könne der Liebe zum Sieg verhelfen. Es gelte, "den Schlamm des Konflikts zu durchqueren, ohne sich vom Virus des Hasses anstecken zu lassen".

Die Christen rief Bartholomaios auf, die Anfechtungen der Gegenwart nicht passiv und resigniert zu ertragen, sondern mit der Kraft der Sanftmütigen anzugehen. Entscheidend sei, ob sie "die Kette des Bösen durchbrechen können, indem sie ihre Angreifer segnen und in allen Menschen nicht Feinde, sondern Geschwister sehen". Dies sei weder naives Gutmenschentum noch Schwäche, sondern die stärkste Kraft der Welt, erklärte der Patriarch von Konstantinopel. Es sei keine Einladung zur Passivität und keine Vertröstung aufs Jenseits, sondern "die Antriebskraft für unseren geistlichen Widerstand". Wer wisse, dass am Ende der Zeiten die Liebe siegt, könne sich niemals "damit abfinden, dass die Kanäle der Geschichte mit dem Blut der Unschuldigen gefüllt werden".

Wegen der Abwesenheit des Papstes war das Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie der höchstrangige anwesende Kirchenführer bei der Feier in Assisi. Neben ihm nahmen mehrere römisch-katholische Kardinäle, die anglikanische Erzbischöfin von Canterbury sowie zahlreiche Würdenträger orthodoxer, orientalischer und protestantischer Gemeinschaften an der Feier in der Basilika von Assisi teil. An 13 weiteren Orten in der mittelitalienischen Stadt hielten andere Weltreligionen Gebete gemäß ihrem je eigenen Ritus ab.

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