Suche
"Keine mildernden Umstände"

Staatsanwaltschaft fordert Bewährungsstrafe für Bischof in Polen

Dieser Inhalt ist nur erlaubt, wenn Sie Cookies vom Typ "readspeaker" zulassen.

[no alt text]
Tarnow - Erstmals wird einem Bischof in Polen wegen mutmaßlichen Nichtanzeigens von sexuellem Kindesmissbrauch der Prozess gemacht.

Weil ein katholischer Bischof in Polen sexuelle Gewalt gegen Kinder nicht sofort angezeigt haben soll, fordert die Staatsanwaltschaft für ihn eine Bewährungs- und eine Geldstrafe. Sie beantragte am Donnerstag laut örtlichen Medien vor dem Bezirksgericht Tarnow für den Bischof der südpolnischen Stadt, Andrzej Jez, zehn Monate Freiheitsstrafe, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird. Zudem soll er umgerechnet knapp 4.600 Euro zahlen. Die Verteidiger des Geistlichen plädierten dagegen auf Freispruch.

Jez ist der erste polnische Bischof, dem wegen eines solchen Vorwurfs der Prozess gemacht wird. Er soll die Behörden nicht unverzüglich über glaubhafte Anschuldigungen des Kindesmissbrauchs gegen zwei Priester seines Bistums informiert haben. Der 63-jährige Geistliche wies dies bereits vor Monaten zurück und erklärte sich für unschuldig. Sein Anwalt sagte in seinem Schlussplädoyer, Jez habe beide Priester angezeigt, sobald er erfahren habe, dass die Opfer möglicherweise jünger als 15 Jahre gewesen seien.

"Keine mildernden Umstände"

Der Staatsanwalt betonte indes laut Medienberichten: "Es gibt keine Gründe, die die Verheimlichung von Pädophilie rechtfertigen könnten." Er sehe auch keine strafmildernden Umstände für den Bischof, denn er habe seinen Fehler nicht gestanden.

Wer in Polen glaubhafte Informationen über schwere Straftaten wie sexuellen Kindesmissbrauch erhält, muss unverzüglich Polizei oder Staatsanwaltschaft benachrichtigen; andernfalls drohen bis zu drei Jahre Gefängnis. Im Fall von sexuell motivierten Gewaltdelikten gegen Kinder unter 15 Jahren besteht die Meldepflicht seit 2017. Von ihr ausgenommen sind die Opfer dieser Verbrechen.

Einer der beiden Missbrauchspriester wurde von der Kirche inzwischen aus dem Klerikerstand entlassen. Laut Presseberichten soll er 77 Kinder sexuell missbraucht haben. Wegen Verjährung kam es aber zu keinem Strafprozess gegen ihn. Auch den anderen Priester sanktionierte die Kirche.

Unser Netzwerk

kna-katholisch-swarm-node3 (0.002s)