Suizid eines Ex-Priesters wirft Fragen der Missbrauchsaufarbeitung auf
Der Suizid eines ehemaligen Priesters im französischen Straßburg hat Fragen des Umgangs mit Missbrauchsfällen aufgeworfen. Der 50-Jährige hatte sich laut unterschiedlichen Medienberichten gemeinsam mit seiner 83-jährigen Mutter am Neujahrstag das Leben genommen. Gegen den Mann lag seit dem vergangenen Sommer eine Anzeige wegen Vergewaltigung einer damals 15-jährigen Schülerin im Jahr 2008 vor.
Der Mann aus Lothringen war zwischen 2003 und 2009 Seelsorger am bischöflichen Gymnasium Saint-Étienne in Straßburg, danach wurde er Dechant im Departement Haut-Rhin.
Bewährungsstrafe und Entlassung aus Klerikerstand
Bereits 2009 hatte es Hinweise gegeben, dass der Mann online mit Minderjährigen chattete, berichtet "Franceinfo" am Sonntag. 2013 wurde er vom Strafgericht in Colmar zu einer Bewährungsstrafe von sechs Monaten wegen Besitzes von Bildern sexuellen Missbrauchs an Kindern verurteilt. 2014 wurde der Mann aus dem Klerikerstand entlassen.
Nun hat sich laut Angaben des Senders auch der Erzbischof von Straßburg, Luc Ravel, zu dem Fall geäußert. Er sei erstaunt "über die plötzliche Versetzung" des Pfarrers 2009 "und seine Ernennung und Beförderung zum Dekan, der im Rahmen seiner Aufgaben für Jugendliche zuständig ist". Er frage sich, warum die Vorkommnisse aus den Jahren 2009 und 2010 beim Prozess in Colmar keine Rolle gespielt hätten, sondern lediglich Fälle aus späteren Jahren. Hier hätten trotz des Todes des Mannes und dem damit verbundenen Ende der staatlichen Strafverfolgung die französische Justiz und die Kirche noch "bestimmte strafrechtliche Verantwortlichkeiten". Er wolle nun unangenehme Fragen stellen. (cph)
Katholisch.de berichtet in der Regel nicht über Selbsttötungen, um Nachahmer zu vermeiden. Sollten Sie selbst oder Menschen in Ihrem Umfeld Suizidgedanken haben, wenden Sie sich unter 0800-1110111 oder 0800-1110222 umgehend an die kostenlose Telefonseelsorge. Dort erhalten Sie Hilfe.