Theologe: Europäische Christen können von anderen lernen
Christen in Europa können nach Meinung des evangelischen Theologen Jörg Lauster viel von Christen anderer Kontinente lernen. Es sei "schon der Inbegriff europäischer Arroganz" zu glauben, dass sich in Europa noch "der Glutkern des Christlichen" befinde, sagte der Theologe am Montag im Deutschlandfunk. Die Form des volkskirchlich-insitutionellen Christentums in Europa sei im Rückbau, habe aber dennoch Selbsterneuerungskräfte.
Auch in anderen Erdteilen sei das Christentum fest verwurzelt, insbesondere in Afrika und Asien wüchsen die Gemeinden sogar noch. Hier lohne sich für Europäer der Blick über den Tellerrand, erklärte Lauster. "Das hilft einerseits etwas den Blick wegzulenken von der europäischen Depression und zum anderen weitet es auch unseren Blick. Wir können lernen, wenn wir schauen, was die anderen machen."
Vor diesem Hintergrund lobt der evangelische Theologe auch das Lehrschreiben "Fratelli Tutti" von Papst Franziskus. In der Enzyklika von 2020 habe das Kirchenoberhaupt mit der Betonung der Geschwisterlichkeit formuliert, "dass ich in jedem menschlichen Wesen so etwas wie einen Bruder oder eine Schwester sehen kann, das ist eine der tragenden Grundüberzeugungen, mit denen das Christentum in die Welt getreten ist", so Lauster. Dieses Bewusstsein von Geschwisterlichkeit könne den "immensen Ungleichheiten, denen wir entgegenrasen, doch etwas gegensteuern". (KNA)