Theologe: Evangelische Kirche ist zu politisch geworden
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Kritik an politischen Vorgaben und Wellness-Orientierung

Theologe: Evangelische Kirche ist zu politisch geworden

Deutliche Kritik an der evangelischen Kirche: Der Theologe Jörg Lauster hat den Protestanten eine "starke Politisierung" sowie eine Wellness-Orientierung vorgeworfen. Die Kirche sei für andere Fragen zuständig.

Köln - 01.11.2018

Der evangelische Theologe Jörg Lauster hat eine "starke Politisierung" der evangelischen Kirchen kritisiert. "Wir bekommen von Kirchenoberen vorgeschrieben, wie wir politisch zu wählen haben, dass wir 'Veggie Days' und lauter so Dinge einzuhalten haben", sagte Lauster am Donnerstag im Deutschlandfunk. Es sei jedoch nicht Aufgabe der Kirche, den Menschen zu sagen, wie sie sich politisch zu orientieren und ihr Alltagleben zu gestalten hätten. "Das schaffen die Menschen auch ohne uns", so der Theologe.

Darüber hinaus warf Lauster der Kirche eine Wellness-Orientierung vor: "Man versucht natürlich, um Menschen zu gewinnen, alle möglichen Mittel. Und dann gibt es eine bestimmte Strömung, die auf Wellness, Yoga und all dieses Zeugs aufspringt." Auch dies sei jedoch nicht Aufgabe der Kirche. "Wir sind nicht zuständig für Wellness, sondern für die großen Fragen des Daseins", betonte der Theologe.

Kritik an Fokussierung auf Luther

In dem Interview kritisierte Lauster zudem die starke Fokussierung der evangelischen Kirche auf Martin Luther. Der Reformator sei eine große Gestalt in der Geschichte des Christentums, aber "wir sollten keine Personen verehren. Und meines Wissens ist die lutherische Kirche eine der ganz wenigen christlichen Konfessionen, die überhaupt so einen Personenbezug im Namen hat".

Lauster ist Professor für Systematische Theologie in München. In seinem 2017 erschienenen Essay "Der ewige Protest" nahm er das Reformationsjubiläum zum Anlass für eine protestantische Selbstbesinnung. Grundlegende Merkmale der reformatorischen Bewegung sieht er in der Bereitschaft zum Aufbruch und in der Nachdenklichkeit. In seinem 2014 erschienenen Werk "Die Verzauberung der Welt. Eine Kulturgeschichte des Christentums" zeigte er die Wandlungsfähigkeit des Christentums. (stz/KNA)