Wiener Erzbischof ist "sehr dankbar" für Priester aus anderen Ländern
Josef Grünwidl, Erzbischof von Wien, ist sehr froh, dass Priester aus anderen Ländern zum Arbeiten nach Österreich kommen. "Jahrhundertelang hat Europa Missionare in die Weltkirche hinausgeschickt, jetzt kommen Priester aus Afrika, Asien und Lateinamerika zu uns, die ein großes Inkulturationsprogramm absolvieren müssen", sagte der 63-Jährige am Samstag im Ö1-Mittagsjournal des Senders ORF. Es sei eine umgekehrte Entwicklung.
Wichtig seien allerdings gute Sprachkenntnisse. Ausländische Priester müssten im Erzbistum das Sprachniveau C1 vorweisen, sich also spontan, fließend und präzise ausdrücken und gut strukturierte Texte über komplexe Themen verfassen können. Denn: "Ohne Sprache kann Seelsorge nicht funktionieren." Nationalität und Herkunft sagen nach Grünwidls Worten hingegen nichts darüber aus, ob jemand ein guter Priester ist.
Aktuell wenig Hoffnung für Weihe von Frauen
Auch über weitere Änderungen innerhalb der Kirche würde sich der Wiener Erzbischof freuen, etwa die Weihe von Frauen. Das wäre aber eine Entscheidung, die auf weltkirchlicher Ebene mit einem Konzil getroffen werden müsste, so Grünwidl. Im Moment sehe er für eine diesbezügliche Entscheidung aber keine realistische Möglichkeit. Mehr Chancen gibt es nach Worten Grünwidls bei der Änderung des Pflichtzölibats für Weltpriester. Das habe er bei vielen Gesprächen mit Bischöfen feststellen können. Grund dafür sei, dass der Pflichtzölibat lediglich eine kirchenrechtliche Bestimmung sei, "die mit unserem Glauben, mit Glaubenswahrheiten und Dogmen, nichts zu tun hat". "Ich hoffe sehr, dass sich jene besser vernetzen, die hier etwas verändern wollen, um mehr Gehör im Vatikan zu finden", so der Wiener Erzbischof.