Suche
Jeremias Schröder über Verhandlungen zwischen China und dem Vatikan

Zeit für ein Arrangement

Dieser Inhalt ist nur erlaubt, wenn Sie Cookies vom Typ "readspeaker" zulassen.

Schachfigur
Bonn - Jeremias Schröder über Verhandlungen zwischen China und dem Vatikan

Seit rund vier Jahren verhandelt der Vatikan mit Peking: die wichtigste und sperrigste Frage ist, wie Bischöfe ernannt werden sollen. Eine Ernennung per Dekret aus Rom will die Volksrepublik nicht hinnehmen; eine Wahl durch chinesische Kirchengremien, die sich dem Einfluss der Partei kaum erwehren können, ist aus weltkirchlicher Sicht nicht hinnehmbar. Akzeptable Kompromissvorschläge liegen mittlerweile auf dem Tisch.

Dass die Regierung in irgendeiner Form mitwirkt, ist nicht ganz so unerhört, wie manche meinen. Lange war es eher die Regel als die Ausnahme. In Venezuela wurden die Bischöfe bis ins 20. Jahrhundert hinein vom Parlament gewählt. Und in Bayern darf die Staatsregierung noch heute Einwände vorbringen - was wohl auch geschieht, nicht immer zum Schaden der Kirche.

Eine Lösung für China scheint in Sicht. An den Ernennungen der letzten Jahre, die zum Teil schon im beiderseitigen Einverständnis stattfanden, kann man sehen, dass es da recht katholisch gemischt zugeht. Einige sehr gut, andere mittelmäßig, ein paar, bei denen man sich wirklich fragen kann. So wie überall sonst auch, mit anderen Worten, allerdings mit chinesischen Charakteristika.

Richtig knifflig ist die Frage, wie mit den langjährigen Bischöfen umgegangen werden soll, deren Anerkennung auf der einen oder anderen Seite sehr schwierig ist. Hier sind ein paar Rücktritte angedacht, Auf- und Abstufungen. Der Hongkonger Emeritus Kardinal Zen warnt allenthalben, dass der Papst im Begriff stehe, aus Unwissenheit die chinesischen Katholiken den Kommunisten auszuliefern. Gegen diese ungerufene Anwaltschaft wehren sich inzwischen auch schon Christen der Untergrundkirche. Der persönliche Mut Zens steht außer Zweifel, aber seine Aufforderung an die Festlandskatholiken, den lähmenden Status Quo wie ein Martyrium auf ewig zu ertragen, hat man dort inzwischen satt. Chinesische Katholiken aller Couleurs hoffen auf einen Brückenschlag zum Vatikan. Man sollte Papst Franziskus und Kardinal Parolin dabei unterstützen.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von katholisch.de wider.

kna-katholisch-swarm-node2 (0.014s)