Ausverkauf der katholischen Kirche in China?
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Kardinal Zen kritisiert China-Politik des Vatikan scharf

Ausverkauf der katholischen Kirche in China?

Mit scharfen Worten kritisiert der emeritierte Bischof von Hongkong die China-Politik des Vatikan. Kardinal Zen berichtet über ein Gespräch mit dem Papst - und blickt pessimistisch in die Zukunft.

Hongkong - 29.01.2018

Kardinal Joseph Zen Ze-kiun, emeritierter Bischof von Hongkong, wirft dem Vatikan einen "Ausverkauf" der katholischen Kirche in China vor. In einem ausführlichen Eintrag auf seiner Website (Montag) berichtet der 86-Jährige zunächst von einer Reise nach Rom und einem Gespräch mit Papst Franziskus. Der Kardinal war Mitte Januar nach Rom gekommen, um dem Papst bei der wöchentlichen Generalaudienz einen Brief von Untergrundbischof Peter Zhuang Jianjian aus der südchinesischen Provinz Guangdong zu übergeben. Der 88-jährige Zhuang war laut Medienberichten von einer vatikanischen Delegation aufgefordert worden, Platz für einen Bischof der regierungstreuen chinesischen Staatskirche zu machen.

Zhuangs Nachfolger soll demnach Huang Bingzhang sein. Er war 2011 exkommuniziert worden, nachdem ihn die Staatskirche ohne Einverständnis Roms zum Bischof geweiht hatte. Kardinal Zen berichtet, er habe am Nachmittag nach der Generalaudienz einen Anruf erhalten, dass ihn der Papst zwei Tage später sprechen wolle. In diesem Gespräch, so Zen, habe Franziskus erklärt: "Ich habe (meinen Mitarbeitern) gesagt, sie sollen keinen zweiten Mindszenty-Fall schaffen."

Kardinal Jozsef Mindszenty (1892-1975) war eine Symbolfigur des Widerstands gegen den Kommunismus in Ungarn. Er wurde mehrfach inhaftiert, verbrachte 15 Jahre in der US-Botschaft in Budapest. Die Ostpolitik Papst Pauls VI. (1963-1978) kritisierte er als zu nachgiebig. Im Februar 1974 entband der Papst Mindszenty "aus pastoralen Erwägungen" von seinem Amt als Erzbischof von Esztergom, ohne einen Nachfolger zu ernennen.

"Pessimist, was die derzeitige Lage der Kirche in China betrifft"

Zwar wertet Hongkongs Kardinal den Verweis des Papstes auf Mindszenty als Trost und Zuspruch für "meine leidenden Brüder" in China. Dennoch zeigt er sich pessimistisch und verweist auf verschärfte Gesetze, die im Februar in Kraft treten und die Religionsfreiheit weiter einschränken könnten. "Ich bin ein Pessimist, was die derzeitige Lage der Kirche in China betrifft", so der Geistliche. "Ob ich glaube, dass der Vatikan einen Ausverkauf der katholischen Kirche in China betreibt? Ja, definitiv."

Linktipp: Vatikan will staatstreue Bischöfe anerkennen

In China werden staatstreue Bischöfe ohne Einverständnis des Heiligen Stuhls eingesetzt. Bislang hat der Vatikan sie nicht anerkannt. Das soll sich jetzt angeblich ändern – unter bestimmten Bedingungen.

Die diplomatischen Beziehungen zwischen Rom und Peking gelten seit Jahrzehnten als festgefahren; zuletzt gab es aber erneute Annäherungsbemühungen. Die Frage der Bischofsernennungen ist ein Kernproblem zwischen dem Heiligen Stuhl und Chinas kommunistischer Regierung. Zen hatte wiederholt die Haltung des Vatikan als zu nachgiebig kritisiert. Sein Nachfolger als Erzbischof von Hongkong, Kardinal John Tong, bezeichnet hingegen die Bischofsernennungen-Frage als eine Schlüsselstelle auf dem Weg zu einer Normalisierung der Beziehungen zwischen dem Vatikan und Peking.

Laut vatikannahen und chinesischen Medienberichten will der Vatikan mehrere regimetreue und ohne Einverständnis des Heiligen Stuhls eingesetzte Bischöfe in China anerkennen. Neben Zhuang handelt es sich um Joseph Guo Xijin, der dem Bistum Mindong vorsteht. Darüber hinaus will der Vatikan den Angaben zufolge in fünf weiteren chinesischen Bistümern die kirchenrechtlich illegitim ernannten Bischöfe der Patriotischen Vereinigung anerkennen - dort gibt es allerdings keine konkurrierenden Untergrundbischöfe. Im Gegenzug soll China laut Asianews rund 20 vom Vatikan nominierte Bischofskandidaten für die Patriotische Vereinigung billigen. Ferner werde erwartet, dass die Regierung etwa 40 Untergrundbischöfe anerkennt. (luk/KNA)