Angesichts der Gewalt die richtigen Worte finden
Papstreisen gehen auch anders. Wenn Franziskus heute nach Ägypten fährt, stehen dort nicht einfach Höflichkeitsbesuche und das Wohlfühlbad in der Menge an. Bei kaum einer Reise ist die Atmosphäre im Vorfeld bereits so aufgeladen gewesen – und nicht zuletzt war auch fraglich, ob es ratsam ist, sie überhaupt anzutreten.
Trauriger Höhepunkt der Entwicklungen in Ägypten waren die Anschläge auf koptische Kirchen am Palmsonntag mit mehr als 40 Toten. Dass sich der Terrorismus direkt gegen eine bestimmte Gruppe Gläubiger während der Ausübung ihrer Religion richtet, ist dabei besonders perfide gewesen. Nicht zuletzt durch diese Ereignisse wurde das Augenmerk abermals auf die an Leib und Leben bedrohten Christen im Nahen Osten gerichtet. Was immer der Papst heute und morgen sagt, wird auch mit Blick auf verfolgte Christen insgesamt gehört werden.
Der Vorwurf, in Europa gehe man angesichts solcher Gräueltaten zu oft schnell wieder zur Tagesordnung über, ist dabei durchaus berechtigt. Auf der anderen Seite wird man der Bedrohung durch den islamistischen Terrorismus nicht Herr werden, wenn man ihn auf einen Konflikt zwischen dem Christentum und dem Islam reduziert. Vielfach sind auch Muslime die Opfer.
Und wo immer man beklagt, dass Christen aufgrund ihrer Religion diskriminiert, misshandelt oder gar getötet werden, darf sich der Blick nicht verengen. Es ist gerade in der gegenwärtigen Situation wichtiger denn je, weltweit auf die Religionsfreiheit als zentrale Forderung der universellen Menschenrechte zu insistieren. Gelegentlich entsteht jedoch im Nahen Osten wie in Europa und auch in Deutschland der Eindruck, dass die Gruppeninteressen der eigenen Religion sich in den Vordergrund drängen. Wo aber politisches Kalkül eine größere Rolle spielt, werden die Opfer ein weiteres Mal instrumentalisiert.
So schwer das gerade in Ägypten mit den unfassbaren Vorgängen Anfang April und den Auseinandersetzungen über die richtigen Reaktionen darauf sein wird: Mit Blick auf Papst Franziskus und sein bisheriges Engagement für das christlich-islamische Verhältnis darf man immerhin zuversichtlich sein, dass er angesichts der Gewalt die richtigen Worte findet.
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