Auf dem Weg zur echten Weltkirche
Zum dritten Mal in seiner Amtszeit "kreiert", also ernennt Papst Franziskus neue Kardinäle – und zum dritten Mal ist seine Auswahl für das Gremium der Papstwähler ein Paukenschlag. Einmal mehr gilt in Rom: Franziskus' Personalpolitik ist Richtungspolitik. Lang sind die Gesichter in einigen etablierten Zentren der Weltkirche. Denn Franziskus übergeht erneut römische Kurienämter sowie die traditionellen Kardinalsitze wie Turin, Venedig oder Berlin. Seine Präferenzen weisen weg vom alten Europa. Er will Kardinäle von den Rändern; er internationalisiert beherzt und er riskiert etwas mit seiner Personenauswahl. Das ist ein entschiedener Bruch mit der äußerst konservativen Auswahlpraxis seiner Amtsvorgänger Benedikt XVI. und Johannes Paul II.
Papst Benedikt hatte in seiner Amtszeit insgesamt 79 Unter-Achtzigjährige und somit zur Papstwahl berechtigte Kardinäle kreiert – davon waren 39 aus Europa, also die Hälfte seiner Neukardinäle. Franziskus dagegen zeigt sich als ein couragierter Öffner: Mit seinem dritten Konsistorium hat er in dreieinhalb Pontifikatsjahren insgesamt 44 Kardinäle mit Stimmrecht berufen. Nur 14 von ihnen sind aus Europa - das ist nur knapp ein Drittel.
Die Peripherie, die ohnmächtigen und gebeutelten Regionen der Weltgesellschaft erhalten mehr Macht und Einfluss in der katholischen Kirche. Sie ist unter Franziskus auf dem Weg, echte Weltkirche zu werden. Wenn Franziskus noch einige Jahre neue Kardinäle auswählt, wird die europäisch-westliche Mehrheit im Papstwahlgremium kippen. Einige der aktuellen Neukardinäle, die am 19. November feierlich ihr Amt antreten, verkörpern beispielhaft, wohin die Kirche unter Franziskus geht: Dieudonné Nzapaklainga, der erste Kardinal aus der kriegsgebeutelten Zentralafrikanischen Republik, Patrick D’Rozario, Erzbischof der kleinen katholischen Kirche im armen Bangladesch oder John Ribnat, Erzbischof in Papua Neuguinea.
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