Bischofstreffen: Familien stärker an kirchlicher Mission beteiligen
Mit Beratungen über die Frage, wie christliche Familien selbst zu Trägern der kirchlichen Mission werden können, ist am Dienstag im Vatikan die Arbeitsphase des einwöchigen internationalen Bischofstreffens zur Ehe- und Familienseelsorge abgeschlossen worden. Zum Zehn-Jahr-Jubiläum des Texts "Amoris laetitia" (Freude der Liebe) von Papst Franziskus (2013-2025) berieten seit 7. Oktober die Vorsitzenden der weltweit 115 Bischofskonferenzen und die Oberhäupter der katholischen Ostkirchen gemeinsam mit Paaren und Familien aus mehreren Ländern sowie Expertinnen und Experten.
Kardinal Protase Rugambwa aus Tansania unterstrich bei dem Treffen am Dienstag laut Vatican News, dass sich seit "Amoris laetitia" in vielen Diözesen und Pfarren neue Formen der Beteiligung von Ehepaaren und Familien entwickelt hätten. Familien engagierten sich zunehmend in verschiedenen pastoralen Bereichen und würden so zu aktiven Mitgestaltern der kirchlichen Mission.
Als Beispiel verwies der Kardinal auf Ostafrika, wo kleine christliche Gemeinschaften seit den 1970er-Jahren das Verständnis der Kirche als Familie konkret lebten. Sie stärkten das Zusammengehörigkeitsgefühl und ermöglichten es den Gläubigen, gemeinsam zu planen und Verantwortung zu übernehmen. Davon könne die Kirche bei der Ausbildung von Priestern und pastoralen Mitarbeitern lernen.
Familien machen Glauben sichtbar
Die Nationaldelegierte für Familienpastoral der Französischen Bischofskonferenz, Véronique Lonchamp, betonte in ihrem Impuls, dass Familien den Glauben im Alltag sichtbar machten. Ihr Beitrag zur kirchlichen Mission bestehe in ihrer Lebensweise: im Zuhören, Verzeihen, in Geduld, gegenseitiger Fürsorge und im Umgang mit Konflikten. Familien wirkten zudem weit über das eigene Zuhause hinaus: etwa durch ihr Engagement in Schulen, am Arbeitsplatz, für ältere und einsame Menschen oder für den Schutz der Schöpfung.
Lonchamp verwies auch darauf, dass die Glaubensweitergabe in beide Richtungen verlaufen könne: Kinder, Jugendliche oder Erwachsene, die den Glauben neu entdeckten, könnten ihrerseits andere Familienmitglieder inspirieren. Für die Kirche bedeute das, die Erfahrungen der Familien nicht nur für die Seelsorge zu nutzen, sondern sie selbst als eine Quelle pastoraler Erkenntnis anzuerkennen.
Bei dem Bischofstreffen unter dem Leitwort "Zehn Jahre nach Amoris laetita – Das Evangelium in den Familien heute verkünden" hatten die Versammelten in den vergangenen Tagen im bereits erprobten synodalen Stil in der vatikanischen Audienzhalle zu täglich wechselnden Themenfeldern aus dem Bereich der Ehe- und Familienseelsorge beraten. Pro Thema gab es einen kurzen einführenden Vortrag eines Bischofs, eines Experten oder einer Expertin sowie einen Erfahrungsbericht von "Betroffenen", also Eheleuten oder Familien. Am Ende der Beratungen soll ein zusammenfassender Bericht erstellt werden, der an Papst Leo XIV. übergeben wird.
Abschlussgottesdienst ohne Papst
Für Mittwoch ist ein Schlussgottesdienst auf dem Petersplatz geplant. Diesen sollte ursprünglich Papst Leo selbst halten. Wegen seiner kurzfristig angesetzten Lungenoperation am Dienstag wird er allerdings durch den kürzlich ernannten neuen Kardinaldekan, Luis Tagle von den Philippinen, als Hauptzelebrant vertreten.