"Papa Leone!" – Wie Rom um den Papst im Krankenhaus bangt
"Jetzt kommt er!" Mehr als einmal an diesem strahlenden Oktober-Vormittag ist der halbgeflüsterte Ruf vor der Gemelli-Klinik zu hören. Jedes Mal wandern Hunderte Augenpaare zur Hauptzufahrt des Krankenhauses im Nordwesten Roms. Schon seit elf Uhr drängeln sich Menschen vor den Absperrungen, die die Polizisten an dem überdachten Eingang aufgebaut haben. Dazwischen versuchen Menschen an Krücken oder mit Bandagen, rechtzeitig zu ihrem Arzttermin zu kommen. Da hat es der prominente Patient, der am Dienstag in der renommierten katholischen Klinik erwartet wird, einfacher.
Um 13.07 Uhr ist es so weit. Eine kleine Fahrzeugkolonne gleitet auf die von Sicherheitskräften abgeschirmte Zufahrt, aus dem dunklen SUV mit Vatikan-Kennzeichen steigt Papst Leo XIV. aus, heiter und lächelnd, und wie immer flankiert von seinem persönlichen Sekretär Don Edgard. Sofort geht ein Aufschrei durch die Menge, "Papa Leone!" wird gerufen, während das Oberhaupt der 1,4 Milliarden Katholiken von einer Klinik-Abordnung begrüßt wird.
Der Mann im weißen Papst-Gewand schüttelt einem Mann im weißen Arztkittel die Hand, es ist Andrea Cambieri, ärztlicher Direktor der Klinik. Ohne stehenzubleiben, strebt der 71-jährige Pontifex raschen Schrittes in die Klinik, wo er noch am Nachmittag operiert werden soll.
Zwischen Aktionismus und Schockstarre
Seit Leo XIV. am Sonntag beim Mittagsgebet auf dem Petersplatz mitgeteilt hatte, dass in seiner Lunge ein "Knoten" festgestellt worden sei, dessen Entfernung ihm die Ärzte nahegelegt hatten, herrscht in seiner Umgebung eine Stimmung zwischen Aktionismus und Schockstarre.
Ein vatikanischer Sicherheitsmann sagt "Forza! Coraggio!" (Vorwärts! Nur Mut!) – es werde schon alles gut gehen. Es klingt wie eine Selbstbeschwörung. Nicht wenige Medienleute, von denen sich auch am Gemelli Dutzende eingefunden haben, kämpfen mit einem "Déjà-vu-Gefühl". Denn es ist erst gut anderthalb Jahre her, seit sie Dauer-Zaungäste am Gemelli waren. Damals wurde dort Leos Vorgänger Franziskus ab 14. Februar 2025 fünf Wochen lang behandelt, bevor der 88-Jährige nach kurzer Zeit einer scheinbaren Besserung am 21. April 2025 im Vatikan starb.
Ein Routine-Eingriff
Diesmal, so bekräftigen alle, ist die Lage vollkommen anders. Leo XIV., seit 8. Mai 2025 erster US-Amerikaner auf dem Papstthron, ist vergleichsweise jung, sichtlich fit, sportlich und in guter Verfassung, wie ärztliche und vatikanische Beobachter zu beteuern nicht müde werden.
Am Gemelli ist man auch dieser Auffassung. Es sei doch gut, dass der Papst unter genauester ärztlicher Kontrolle stehe, sagt Tonino aus Kalabrien, dessen Frau hier operiert wurde. "Es ist das allerbeste Krankenhaus, deshalb kommen wir von so weit her", sagt der Mann im viel zu warmen dunkelblauen Pulli. Physiotherapeutin Martina (26) und Lucia (22), eine der vielen Medizinstudierenden an dem Lehrkrankenhaus, genießen in ihrer Mittagspause gemeinsam eine Vape. Es sei schon etwas Besonderes, dass jetzt der Papst komme, aber er werde ja nur eine Woche bleiben, und die Rede sei von einem Routine-Eingriff, so die jungen Frauen.
Große Festmesse ohne Leo XIV.
Dennoch machte es manche stutzig, dass sich der Papst den feierlichen Abschluss einer wichtigen Vatikan-Konferenz entgehen ließ. Seit vergangenem Mittwoch beraten fast 200 Bischöfe und weitere Experten über einen zeitgemäßen Umgang der Kirche mit Ehe und Familie.
Anlass ist das Schreiben "Amoris laetitia", das Papst Franziskus vor genau zehn Jahren veröffentlichte. Am Mittwoch (14. Oktober) steht um 10 Uhr eine große Abschlussmesse an. Am Montagnachmittag bereiteten Vatikan-Arbeiter den Platz mit Stühlen und Tribünen schon für den Gottesdienst vor. Dienstagfrüh probten Priester den Ablauf der Liturgie, während der päpstliche Zeremonienmeister, Erzbischof Diego Ravelli, mit anderen Organisatoren letzte Absprachen zu halten schien.
Wenige Meter entfernt im Apostolischen Palast traf Leo XIV. zu diesem Zeitpunkt vielleicht letzte Vorbereitungen für die Zeit im Klinikbett. Im Erdgeschoss des Gemelli wurden am frühen Dienstagnachmittag blaue Plastikstühle vor der Krankenhaus-Kapelle aufgebaut. Hier wollte der Generalvikar des Papstes, Kardinal Baldo Reina, um 18 Uhr mit römischen Gläubigen einen Rosenkranz für seinen Chef beten.