Dieses Messgewand erinnert Benedikt an die Heimat
An diesem Geschenk zu seinem 90. Geburtstag hat Benedikt XVI. sichtlich Freude. Ein handgeschneidertes Messgewand überbrachte die Britin Clare Short dem emeritierten Papst. Das Besondere daran: Die Kasel trägt das Muster des Mäntelchens der Muttergottes von Altötting.
"Auf den emeritierten Papst zuzugehen war einer der surrealsten Momente meines Lebens", berichtet Short auf ihrem Blog von dem Treffen. Am Dienstag, gut eine Woche nach Benedikts Geburtstag, traf sie den emeritierten Papst im Vatikan. "In seinen Augen war nichts als Freude und Liebe."
Georg Gänswein erblickt das entscheidende Detail
Grund für die Begegnung war das Geschenk, das Short zuvor in Handarbeit angefertigt hatte: Ein Messgewand im barocken Stil mit Stola und Manipel, sowie ein dazu passendes Kelchvelum samt Bursa. "Als ich die Kasel aus dem Kleidersack holte und ihm einen frohen Geburtstag wünschte, leuchteten Benedikts Augen", so Short. Das entscheidende Detail habe jedoch Benedikts Privatsekretär, Erzbischof Georg Gänswein, entdeckt: "Altötting!"
Der erklärte Liebslingswallfahrtsort Benedikts – das bayerische Altötting – habe Short beim Dessin der Stickereien inspiriert. Im Messgewand finde sich daher das Gnadenbild der Muttergottes wieder: "Auf ihrem Kleid kann man eine Sonnenblume, Edelweißblüten und Weinreben erkennen. Ich habe es geschafft, diese in mein eigenes Design zu integrieren", erklärt Short. Neben Süßwasserperlen und Granatsteinen ziert das Messgewand auch das Papstwappen Benedikts XVI. Im Futter des Gewandes finde sich zudem eine ganz besondere Stickerei: die Namen aller Spender, die das Werk möglich gemacht hatten. Als sie dies dem emeritierten Papst erklärte, habe dieser "mit sanfter" Stimme und offensichtlich gerührt reagiert: "Danke, danke."
Crowdfunding für Priester und Pfarreien
Im Januar hatte Short auf ihrem Blog ein sogenanntes Crowdfunding für die Finanzierung der Paramente gestartet. Alle Spender, die mindestens 50 britische Pfund beigetragen hatten, sind nun namentlich auf der Innenseite der Kasel vermerkt. Nach dem erfolgreichen Projekt Papst-Gewand will Short diese Finanzierungsmethode nun dauerhaft weiterführen. Ihre Idee: Seminaristen, Priester und Pfarreien, die sich gerne eines der neuen Messgewänder anschaffen wollen, aber nicht über die nötigen Mittel verfügen, können auf der Seite Shorts um Spenden werben.
Ins Paramenten-Gewerbe kam die Britin übrigens eher zufällig. Erst vor eineinhalb Jahren eröffnete Short ihre kleine Schneiderei, berichtet sie auf ihrem Blog. Damals habe sich die heute 37-Jährige um ihren Mann kümmern müssen, der sich von einer schweren Krankheit erholte. "Und mit meinen drei kleinen Kindern wusste ich, dass die einzig machbare Lösung war, von zu Hause zu arbeiten", erklärt Short. Ein befreundeter Priester habe sie schließlich auf die Idee gebracht, es mal mit der Herstellung von Gewändern zu probieren. "Ich stellte fest, dass es eine große Marktlücke für qualitativ hochwertige aber bezahlbare Messgewänder gibt."
Schönheit als Element der Liturgie
Ihr Anspruch sei dabei ganz klar, möglichst schöne Gewänder zu machen. Ihre Überzeugung, dass Schönheit ein zentrales Element der Liturgie sein müsse, verbinde sie mit dem emeritierten Papst, "Vater Benedikt", wie sie ihn nennt. "Schönheit ist etwas, das uns aus uns selbst heraus und zu einer Begegnung mit dem Transzendenten bringt", schreibt Short, die laut eigener Aussage seit Kurzem der Karmelitanischen Gemeinschaft angehört.
Eine besondere Begegnung sei für Short auch das Zusammentreffen mit Gänswein gewesen. Sie habe den Eindruck gehabt, als wisse er jeden Wunsch des emeritierten Papstes schon im Voraus. "Er scheint ein wahrhaft demütiger Diener Gottes zu sein, der Vater Benedikt offensichtlich verehrt." Auf Shorts Sohn Alex, der sie zum Treffen in den Vatikan begleitete, habe jedoch Benedikt selbst den größten Eindruck gemacht: Er wisse einfach, wie man es den Menschen leicht mache. "Benedikt sprach zu Alex mit entwaffnender Arglosigkeit und binnen kürzester Zeit redeten die beiden über Katzen."
Seit gut eineinhalb Jahren fertigt die Britin Clare Short liturgische Gewänder und Geschenkartikel an. Ihr Unternehmen "Di Clara" habe als vorrangiges Ziel, durch entsprechend gestaltete Gewänder "Schönheit und Verehrung" in die katholische Liturgie zu bringen.