Fronleichnam in Rom mit Papst und Bischof Overbeck
Bei dem traditionellen Mittagsgebet am Sonntag auf dem Petersplatz hat Papst Franziskus die Bedeutung des Fronleichnamsfestes hervorgehoben. Jedes Mal, wenn Katholiken Eucharistie feierten, erlebten sie den neuen Bund mit Gott, "der sie - wie klein und arm sie auch sind - zu Mitarbeitern der Geschichte nach Gottes Plan" mache. Die reale Gegenwart Christi in Brot und Wein, "verbrennt in uns jegliche egoistische Haltung, reinigt uns von der Tendenz, nur dann zu geben, wenn wir auch empfangen", sagte der Papst vor rund 15.000 Menschen.
In diesem Sinn sei die lebendige Gegenwart Jesu "wie eine offene Tür zwischen dem Tempel und der Straße, zwischen Glauben und Geschichte, zwischen der Stadt Gottes und der Stadt der Menschen". Und so wie Katholiken zu Fronleichnam den Leib Christi in einer Prozession durch die Straßen trügen, geselle Christus sich zu ihnen, um sie in ihrem Leben zu begleiten.
Papst feiert am Sonntagabend in Ostia
Am Sonntagabend wird der Papst in der römischen Hafenstadt Ostia einen Fronleichnamsgottesdienst und eine Prozession feiern. Er greift damit eine Tradition von Papst Paul VI. auf, der sich zu Fronleichnam ebenfalls in Vororte Roms begeben hatte. Seit Johannes Paul II. (1978-2005) zog die Prozession mit dem Papst von der Lateranbasilika zur Kirche Santa Maria Maggiore.
Mit zahlreichen Prozessionen feiert die Kirche Fronleichnam. Viele alte Bräuche und Bezeichnungen sind mit diesem Festtag verbunden. Katholisch.de erklärt die acht wichtigsten Begriffe.
Das eigentliche Datum des Hochfestes des Leibes und Blutes Christi ist der zweite Donnerstag nach Pfingsten. Vielerorts - so auch in Italien - wird das Fest aber an dem darauf folgenden Sonntag begangen, weil der Donnerstag kein staatlicher Feiertag ist und Prozessionen nur schwerlich durchzuführen wären.
Bischof Overbeck feiert in Vatikanischen Gärten
Eine neuere Tradition ist der Fronleichnams-Gottesdienst deutschsprachiger Katholiken im Vatikan. Seit 2013 gibt es, organisiert von der Erzbruderschaft des Campo Santo, die Feier samt Prozession durch die Vatikanischen Gärten. Zusammen mit fast 1.000 Teilnehmern hat am Samstagabend der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck den diesjährigen Gottesdienst gefeiert. In seiner Predigt rief er zum Einsatz für eine Welt des Friedens, ohne Mauern und Schranken auf. Die Eucharistie als Gemeinschaft mit Christus sei auch eine "Schule des Gewissens, der tätigen Nächstenliebe, der Mission". Dazu seien die Christen aufgerufen, "so gut wir das können".
Die Gegenwart Christi unter den Menschen sei das Fundament christlichen Lebens und der Kirche, sagte Overbeck. Nur so könne sie den Kern des Glaubens, die Liebe, glaubwürdig verkünden. Dazu gelte es einerseits, "Wege der Einheit unter den Christen zu finden - theologisch verantwortet und unter dem Primat der Seelsorge". Andererseits müssten die Christen sich für Einheit unter den Menschen einsetzen, "Mauern niederreißen für die Liebe", ohne dass dabei die jeweilige Heimat und eigene Identität zu kurz kämen.
An der Feier nahmen unter anderem drei Chöre aus Österreich und drei Musikgruppen aus Deutschland teil. Seit 2013 gibt es die Feier in dieser Form. Gefeiert wird er an der Lourdes-Grotte auf dem Vatikanischen Hügel. Die abschließende Fronleichnamsprozession führt von dort hinunter zum Kolleg des Campo Santo Teutonico. (luk/KNA)