Ein Priester trägt die Monstranz am 17. Juni 2017 während der Fronleichnamsprozession durch die Vatikanischen Gärten.
Gottesdienst und Prozession rund um den "Leib Christi"

Fronleichnam: Der Himmel unterwegs

Es ist ein sehr katholisches Fest: An Fronleichnam feiert die Kirche die Einsetzung der Eucharistie. Hier erfahren Sie, warum das nichts mit Leichen, aber dafür mit einer sehr lebendigen Prozession zu tun hat.

Bonn - 01.02.2015

"Was feiert ihr an Fronleichnam?" Die Frage bekommen Katholiken oft zu hören und meistens denken die Fragenden an etwas mit Tod und Leiche. Das liegt an dem Wort "Fronleichnam", das aus dem Mittelhochdeutschen stammt und sich aus "vron" (Herr) und "licham" (lebendiger Leib) zusammensetzt. Mit der Leiche Jesu hat das Fest also nichts zu tun, sondern die Kirche erinnert sich an diesem Tag an die Einsetzung des sogenannten Altarsakramentes. In der Eucharistie feiern die Katholiken die leibliche Gegenwart Jesu in Form von Brot und Wein.

Eigentlich wäre wegen des "Letzten Abendmahls" der Gründonnerstag der geeignetste Zeitpunkt für Fronleichnam gewesen. Doch wegen der stillen Karwoche, zu der fröhliche Straßenumzüge nicht passen, wählte man den zweiten Donnerstag nach Pfingsten als Datum. Da wird die bleibende Gegenwart Christi im Sakrament in festlicher Freude gefeiert. Das geschieht mit zwei Schwerpunkten: Die Feier der Eucharistie in dem Gottesdienst am Morgen des Fronleichnamtags und die anschließende Prozession, bei der es um die bleibende Gegenwart Christi in dem Sakrament geht.

Bei der Prozession trägt ein Geistlicher den Leib Christi in Form der gewandelten Hostie durch Straßen und Felder. Die Hostie befindet sich in einer Monstranz, einem mit Gold und teilweise auch Edelsteinen verzierten liturgischen Gefäß, das häufig überdacht ist von einem Stoffbaldachin, der von einigen Gemeindemitgliedern getragen wird. Der Baldachin wird oft auch "Tragehimmel" genannt.

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Video: © ZDF

Ein guter Grund zu feiern: Willi Weitzel ist Fronleichnam auf der Spur.

Die Gemeinde folgt dem Priester, trägt Fahnen und Blumengestecke, singt kirchliche Lieder und hält an verschiedenen Stationen, die oft mit bunten Blumenteppichen verziert sind. Mit der Fronleichnamsprozession knüpfen die Christen an die lange katholische Tradition der Flurumgänge an, bei denen Gläubige schon im Mittelalter ihre Felder, Wälder und später auch Städte segneten.

Kein Fronleichnam ohne die Städte Lüttich und Bolsena

Die Entstehung des Fronleichnamsfestes ist recht genau datiert: Der Überlieferung nach hatte eine junge Augustinernonne namens Juliana von Lüttich im Jahr 1209 eine Vision. Der Mond hatte einen Fleck, und dieser Fleck, so soll es Christus ihr erklärt haben, sei das im Kirchenkalender noch fehlende Fest zur Verehrung des Altarsakraments. Schon 1246 wurde das Fest Fronleichnam in Lüttich zum ersten Mal gefeiert. Ein Jahr nach dem eucharistischen Blutwunder von Bolsena (Mittelitalien) erklärte Papst Urban IV. Fronleichnam am 11. August 1264 zum offiziellen kirchlichen Hochfest des Leibes und Blutes Christi. Zuvor war Urban Erzdiakon in Lüttich.

In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts kam es auch in Deutschland zu den ersten Fronleichnamsprozessionen. Im Mittelalter hat sich der Brauch vielerorts weit verbreitet. In der Reformation war das Fest jedoch auch Anlass für bitteren konfessionellen Streit. Martin Luther nannte Fronleichnam das "allerschädlichste Jahresfest". Da das Fest keine biblische Erwähnung findet, war es in den Augen Luthers und seiner Anhänger eine Form von Gotteslästerung.

Bild: © KNA

Eine der Fronleichnamsvisionen der heiligen Juliana von Lüttich: Seit 1209 sah die Augustinernonne den Mond mit einem Fleck. Dieser Fleck, so soll es Christus ihr erklärt haben, sei das im Kirchenkalender noch fehlende Fest zur Verehrung des Altarsakraments.

Streit und Versöhnung mit Protestanten

Der Streit zwischen Katholiken und Protestanten soll sogar so weit gegangen sein, dass protestantische Bauern ihren stinkenden Kuhmist extra zum Fronleichnamsfest auf die Felder gestreut haben. Doch mit den Jahrhunderten ist der konfessionelle Streit um Fronleichnam einem toleranteren Umgang gewichen. Selbst auf evangelischen Kirchentagen gab es in den vergangenen Jahren mehrfach gemeinsame Fronleichnamsprozessionen.

Das Fronleichnamsfest trägt an manchen Orten auch einen anderen Namen: Mal heißt es Herrgottstag, mal Herrenleichnamstag, Sakramentstag, Blutstag oder in anderen Sprachen Corpus Christi oder Corpus Domini (Leib Christi, Leib des Herren). Rund um das Fest sind lokal einige ganz besondere Traditionen entstanden: Neben Prozessionen zu Pferd, sogenannten Antlassritten, feiern manche Pfarreien Fronleichnam mit einer See- oder Schiffsprozession. Das geschieht etwa in Köln-Mülheim. Das "Sakramentsschiff", auf dem die Monstranz aufgebahrt ist, wird dort von vielen großen und kleinen Schiffen bis an die Kölner Stadtgrenze begleitet.

Als gesetzlicher Feiertag gilt Fronleichnam in den Bundesländern Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland sowie ausgewählten Gemeinden in Sachsen und Thüringen. In den Ländern und den deutschen Diözesen, in denen Fronleichnam kein gebotener Feiertag ist, werden Gottesdienst und Prozession am darauffolgenden Sonntag gefeiert. (jre/luk)

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