Gallagher: Leos Krebs-Diagnose war "Gamechanger" für Pontifikat
Der vatikanische Außenbeauftragte, Erzbischof Paul Richard Gallagher, sieht in der Krebsdiagnose von Papst Leo XIV. einen "Gamechanger", also einen grundlegenden Wendepunkt, für das noch junge Pontifikat und den Vatikan. Nach der Wahl Leos im vergangenen Jahr habe es den Versuch gegeben, ihn als "Superman, als Superpapst" zu betrachten, da er nach der langwierigen Krankheit von Papst Franziskus (2013–2025) "sofort voll durchstartete", sagte Gallagher gegenüber Journalisten des italienischen Auslandspresseverbandes (Dienstag). "Auch wenn die Operation gut verlaufen ist und alle sagen, es gebe Grund zu großem Optimismus, denke ich, dass dies gleichzeitig eine gewisse Wende darstellt."
Auf die Frage, warum Leo die für den 6. bis 17. November geplante Südamerika-Reise nicht verschoben habe, sagte Gallagher, Leo wolle einfach dorthin reisen. Leo sei zwei Jahrzehnte lang als Missionar in Peru tätig gewesen, habe die Staatsbürgerschaft und eine enge Verbindung zu den Menschen dort. "Alle medizinischen Gutachten sind aus klinischer Sicht sehr positiv, daher hat er das Gefühl, dass er fahren kann", erklärte der Erzbischof.
"Ich glaube, er wird an seinem Plan festhalten"
Gallagher sprach auch über die Zusammenarbeit mit Papst Leo. Das Kirchenoberhaupt sei nachdenklich und wäge die Dinge gründlich ab. Wenn er Leo wöchentlich über dringende außenpolitische Themen informiere, wisse dieser bereits fast alles, schilderte der Erzbischof. Gleichzeitig sei er verschlossen und halte sich bedeckt. So habe er nichts von Leos geplanter Operation gewusst, bis dieser sie am 11. Oktober beim Angelusgebet der Welt bekanntgegeben habe. Er wisse immer noch nicht wirklich, was der Papst langfristig vorhabe, so Gallagher. "Ich glaube, er wird an seinem Plan festhalten. Und er wird daran festhalten, seinen Plan erst dann offenzulegen, denn er ist nicht der Typ Mensch, der viel darüber preisgibt, was er in drei oder vier Jahren vorhat."
Was ihn bei der Zusammenarbeit am meisten beeindruckt habe, sei die Gelassenheit Leos, seine Konzentration auf die Verkündigung des Evangeliums und sein Umgang mit Problemen. "Ich denke nicht, dass die Kurie ihn verschlingen wird. Ich denke, sollte es Anzeichen dafür geben, wird er zeigen, dass auch er Appetit hat", sagte Gallagher lachend.