Im säkularisierten Uruguay wird der Papst herzlich empfangen
Es war ein kontrastreicher Auftakt der elftägigen Papstreise durch drei Länder Südamerikas: In Uruguays Hauptstadt Montevideo wurde er am Freitag am Flughafen mit kleinstmöglichem Protokoll empfangen. Umso herzlicher dann die Begrüßung durch Zehntausende Menschen, die ihm von den Straßenrändern und auf dem zentralen Unabhängigkeitsplatz von Montevideo zujubelten.
Auch Staatspräsident Yamandú Orsi, ein zum kirchenfernen linken Politiker gewandelter früherer Messdiener, der den Papst ziemlich informell im hellblauen Anzug empfing, taute beim zweiten Begrüßungsakt inmitten der Volksmenge sichtlich auf.
Lob vom Papst
In ihren offenbar gut abgestimmten Reden betonten beide den karitativen und sozialen Beitrag der Kirche zum Gemeinwesen. Und der Papst lobte ausdrücklich die für Lateinamerika vorbildlichen friedlichen demokratischen Wechsel im Präsidentenamt seit dem Ende der blutigen zwölfjährigen Militärdiktatur 1985. Drei ehemalige Präsidenten waren anwesend und schüttelten dem Papst die Hand.
Auch jüngere Erfolge Uruguays wie die fast vollständige Umstellung der Energieversorgung auf erneuerbare Quellen lobte Leo XIV. Und seine Kritik an den liberalen Abtreibungs- und Euthanasiegesetzen des Landes verpackte er in vergleichsweise sanfte, aber doch unüberhörbare Rhetorik, die ihm viel Beifall einbrachte.
Wie schon zuvor auf dem Flug von Rom nach Montevideo erwähnte Leo XIV. seine vor vier Wochen durch eine zeitige Operation ausgeräumte Krebserkrankung - und verband diese persönliche Erfahrung mit der Forderung nach einem Zugang zu guter medizinischer Versorgung für alle Menschen. Auch hier ergab sich ein Berührungspunkt zwischen dem der Katholischen Soziallehre verpflichteten Papst und seinem linken Gastgeber.
Warme Welle herzlichen Willkommens
Die warme Welle herzlichen Willkommens trug den Papst am Abend weiter in die überfüllte Hauptstadtkathedrale. Sie begleitete ihn schließlich bis ans Fenster seines Zimmers in der päpstlichen Nuntiatur, wo ihn begeisterte Jugendliche trotz Kälte und Windes erwarteten und ihn mit Gebeten und Gesängen noch fast bis in den Schlaf begleiteten.
Vergleichbares hat man zuletzt bei Reisen von Johannes Paul II. (1978-2005) erlebt. Und auch sonst scheint der Papst aus Chicago dem polnischen Vorgänger manches abzuschauen, in dessen Pontifikat er in Rom studierte und dort auch Generaloberer seines Ordens wurde.
Ich gehe dorthin, um die Frohe Botschaft zu verkünden.
Papste Leo XIV.
Wie Johannes Paul II. definiert auch Leo XIV. seine Aufgabe als Papst auf Reisen als die eines Missionars: "Ich gehe dorthin, um die Frohe Botschaft zu verkünden." Und auch er weiß, dass er für eine erfolgreiche Mission "über die Dörfer gehen" muss. So schließt er neben den glanzvollen Besuchen in der Hauptstadt eines Landes auch immer Abstecher in weniger prominente Orte ein. In Uruguay war dies am Samstag Paysandú.
Mit 75.000 Einwohnern ist sie die viertgrößte Stadt des Landes, Sitz einer Agrarhochschule und geografisch und historisch in einer besonderen Position nahe am einst militärisch umkämpften "Vierländereck" gelegen: dort, wo Uruguay an die deutlich größeren Nachbarländer Paraguay, Argentinien und Brasilien grenzt. Viele Pilger aus diesen einst verfeindeten und seit 1995 mit Uruguay im Wirtschaftsraum Mercosur verbundenen Nachbarstaaten konnte der Papst in Paysandú begrüßen, wo er am Samstagvormittag seine erste Messe als Papst auf dem amerikanischen Kontinent feierte - und dabei mit einfachen Worten für seine ländlichen Zuhörer predigte.
Auf einen Mate-Tee mit dem Papst
Die Uruguayer und ihre Nachbarn erinnerte er in seiner Predigt an einen populären Geistlichen des 19. Jahrhunderts, Jacinto Vera, der als "Gaucho-Bischof" über Uruguays Grenzen hinweg verehrt wird. Und er lobte den Mate-Tee, der in allen vier Ländern populär ist. Durch die Art, wie er unter den Menschen geteilt und getrunken wird, sei er ein Symbol für Gemeinschaft.
Auf dem Freigelände, wo sich bei nassem, windigem Wetter weniger Menschen als erwartet versammelt hatten - viele von ihnen mit einer Thermos-Kanne und einem Mate-Becher ausgestattet - wurden auch diese Worte bejubelt. Für seine am Sonntagnachmittag geplante Weiterreise ins Mate-Land Argentinien hat er damit schon eine wichtige Brücke geschlagen.