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Judaist: Verhältnis zwischen Kirche und Judentum bleibt angespannt

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Christentum, Judentum, Islam, Koran
Wien - Ein neuer Vatikan-Text befasst sich auch mit dem Verhältnis zum Judentum. Jesuit und Judaist Christian Rutishauser fordert die Kirche auf, sich theologisch mit der Frage eines israelischen Staats auseinanderzusetzen.

Der Schweizer Jesuit Christian Rutishauser sieht im neuen vatikanischen Dokument "Ein Weg der Hoffnung" zum interreligiösen Dialog eine Gegenstimme zu identitären katholischen Tendenzen. Diese sähen im Dialog "nur eine liberale und säkularisierende Theologie, die es zu überwinden gilt", schrieb der Professor für Theologie und Judaistik am Freitag in einem Beitrag in der Zeitschrift "Communio" (online). Darüber hinaus erinnere der Text die säkulare Gesellschaft daran, dass der interreligiöse Dialog kein Randphänomen, sondern eine Suche nach Wahrheit sei.

Das Verhältnis der katholischen Kirche zum Judentum sei weiter angespannt, so Rutishauser weiter. "Ein Weg der Hoffnung" greife die Beziehung zwar theologisch auf und verurteile jeden Antisemitismus, schweige aber zur Frage von Land und Staat in Israel. Jüdinnen und Juden fühlten sich deshalb von der Kirche nur als Religion und nicht als Volk und Kultur wahrgenommen. Rutishauser habe deshalb Verständnis dafür, dass hochrangige Juden den Text als unglaubwürdig kritisierten. Der Jesuit fordert die Kirche auf, sich theologisch mit dieser Frage auseinander zu setzen. Religion und Politik könne nicht weiter getrennt behandelt werden.

Kaum religionstheologische Überlegungen

Darüber hinaus analysiert Rutishauser, dass theologische Überlegungen in "Ein Weg der Hoffnung" weitgehend fehlten. Der Islam werde nur zweimal thematisiert, wobei die Wertschätzung für den muslimischen Glauben betont und zur Unterscheidung zwischen Islamisten und Muslimen aufgerufen werde.

Der vatikanische Text "Ein Weg der Hoffnung" wurde im September veröffentlicht und von den Dikasterien für interreligiösen Dialog, die Einheit der Christen sowie die Glaubenslehre unterzeichnet. Der Text würdigt das 60. Jubiläum der Erklärung "Nostra aetate" des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-65). Diese hatte im Jahr 1965 das Verhältnis der katholischen Kirche zu nichtchristlichen Religionen fundamental verändert, den absoluten Wahrheitsanspruch der katholischen Kirche zurückgenommen und "Wahres und Heiliges" in anderen Religionen anerkannt.

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