kfd schreibt Papst wegen Missbrauch: "Wir lieben die Kirche so sehr"
Die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) hat anlässlich des Anti-Missbrauchsgipfels im Vatikan einen Brief an Papst Franziskus geschrieben. Das Treffen im Vatikan sei für "viele Frauen in unserem Verband ein mutmachendes Signal", heißt es in dem am Mittwoch veröffentlichten Schreiben. Gleichzeitig fordert der Frauenverband angesichts von "aktuellen Missbrauchsfällen schnellstmöglich konkrete Maßnahmen". Der Brief ist auf den 18. Februar datiert und wurde von der kfd-Vorsitzenden Mechthild Heil unterzeichnet.
Die Missbrauchsfälle seien "ein Symptom einer viel gewaltigeren Schieflage" in der "Kirche, die wir so sehr lieben und an der wir allen Widrigkeiten zum Trotz als Frauen festhalten wollen", heißt es im Brief weiter. Der Machtmissbrauch, "den geweihte Priester über Menschen ausgeübt haben", sei das große Problem der Kirche. Diese Vergehen seien "mit der Botschaft Jesu Christi und einem Verständnis vom gütigen Gott, mit einem christlichen Menschenbild und Miteinander nicht vereinbar". Die katholischen Frauen bitten Franziskus daher, jeglichen Missbrauch zu verhindern, egal "ob von Kindern oder Jugendlichen, Frauen oder Männern". Dafür wünschen sie dem Papst den "nötigen langen Atem sowie Gottes reichen Segen".
Die kfd ist Deutschlands größter Frauenverband und der größte katholische Verband der deutschen Kirche. Ihm gehören 450.000 Mitglieder in 4.000 Pfarr-Gruppen an. Von Donnerstag bis Sonntag beraten Papst Franziskus und die Vorsitzenden der Bischofskonferenzen weltweit über das Thema Missbrauch und Kinderschutz. (rom)
Brief der kfd an Papst Franziskus anlässlich des Anti-Missbrauchsgipfels
Sehr geehrter Heiliger Vater, lieber Papst Franziskus,
wir begrüßen sehr, dass Sie alle Vorsitzenden der nationalen Bischofskonferenzen aus gegebenem Anlass zu einem Sondergipfel in den Vatikan eingeladen haben. Ihre Einsicht der Notwendigkeit, jeglichen Fällen sexualisierter Gewalt schnellstmöglich konkrete Maßnahmen entgegenzusetzen, ist für viele Frauen in unserem Verband ein Mut machendes Signal.
Und dennoch sind die bekannt gewordenen Fälle von Missbrauch lediglich ein Symptom einer viel gewaltigeren Schieflage: Des Missbrauchs von Macht allgemein, den geweihte Priester über Menschen ausgeübt haben – und noch ausüben, wie Sie es in Ihrer fliegenden Pressekonferenz auf dem Rückweg von Abu Dhabi eingeräumt haben.
Wir bitten Sie daher, entschlossen jeglichem sexuellen und geistlichen Missbrauch – ob an Kindern oder Jugendlichen, Frauen oder Männern – deutlich entgegenzutreten und einen Riegel vorzuschieben. Es ist mit der Botschaft Jesu Christi und einem Verständnis vom gütigen Gott, mit einem christlichen Menschenbild und Miteinander nicht vereinbar, dass Menschen ihre Position zur Unterdrückung und Ausbeutung anderer missbrauchen.
In unserer Kirche, die wir so sehr lieben und an der wir allen Widrigkeiten zum Trotz als Frauen festhalten wollen, hat Machtmissbrauch keinen Platz. Für ein entschlossenes Vorgehen wünschen wir Ihnen den nötigen langen Atem sowie Gottes reichen Segen.
Mit freundlichen Grüßen
Mechthild Heil
Bundesvorsitzende