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Papstschreiben "Misericordia et misera" sorgt weiter für Diskussionen

Kurienerzbischof: Papst verharmlost Abtreibung nicht

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Vatikanstadt - "Es gibt keine Veränderung an der Auffassung von der Schwere der Sünde": Kurienerzbischof Vincenzo Paglia Darstellungen entgegengetreten, Franziskus werte Abtreibungen nicht mehr als schwere Sünde.

Kurienerzbischof Vincenzo Paglia ist Darstellungen entgegengetreten, Papst Franziskus werte Abtreibungen nicht mehr als schwere Sünde. "Es gibt keine Veränderung an der Auffassung von der Schwere der Sünde, keine Milderung", sagte Paglia dem Sender Radio Vatikan. Die im Kirchenrecht verankerte automatische Exkommunikation bleibe unverändert gültig, erklärte der Präsident der päpstlichen Akademie für das Leben. Sie erfolge auch weiterhin "latae sententiae". Das heißt, sie tritt mit Begehen der Tat ein und bedarf keiner förmlichen Erklärung.

In seinem am Montag veröffentlichten Schreiben "Misericordia et misera" hatte Franziskus allen Priestern die Vollmacht erteilt, Frauen in der Beichte von der Sünde einer Abtreibung loszusprechen.  In den meisten Ländern war bislang eine sakramentale Lossprechung und die Aufhebung der Exkommunikation nur durch bestimmte Beichtväter möglich.

Unterstützung angesichts des Dramas Abtreibung

Paglia betonte, dass der Papst Abtreibungen nicht verharmlose. "Genau das Gegenteil ist richtig. Denn gerade Vergebung zu gewähren, bedeutet einen Dialog, ein Bewusstsein, eine Entscheidung, nicht mehr das zu wiederholen, was man getan hat", so der italienische Erzbischof. Franziskus wolle mit seinem Schreiben vielmehr deutlich machen, dass dem Reuigen von Gott auch diese äußerst schwere Sünde vergeben werde. Damit trage der Papst auch der "Schwäche oder den Dramen vieler Frauen" Rechnung, die auf sich allein gestellt seien und für die es schwer sei, aus ihrer Situation zu entkommen. Franziskus wolle, dass sich diese Frauen unterstützt fühlen angesichts des Dramas, das jede Abtreibung auch für die Frauen verursache.

Franziskus habe die Vollmacht, von der Sünde der Abtreibung loszusprechen, auf alle Priester ausgeweitet, damit jene, die diese "schreckliche Tat" begangen haben, nun mehr Gelegenheit hätten, die Schwere ihres Tuns einzusehen und ihr Leben zu ändern. Wer in Gefahr sei, rückfällig zu werden, habe nun leichteren Zugang zu einer "wirksamen Medizin" dagegen. Der Papst habe damit "den besten Weg" anbieten wollen, um zu verhindern, dass sich Abtreibungen wiederholen. Paglia betonte, gerade weil es sich um eine äußerst schwerwiegende Tat handele, sei auch eine außerordentliche Gewährung von Barmherzigkeit nötig.

Barmherzigkeit als Kraft Gottes

Das Kernanliegen des Dokuments sei es, der Barmherzigkeit die Kraft zur Veränderung zurückzugeben. Barmherzigkeit sollte nicht nur ein abstraktes Wort sein, sondern die Kraft Gottes, die die Geschichte der Menschen ändere. (KNA)

Linktipp: "Damit der Versöhnung nichts im Wege stehe"

Papst Franziskus hat am Montag das Schreiben "Misericordia et misera" zum Abschluss des Heiligen Jahres veröffentlicht. Katholisch.de dokumentiert Auszüge des Schreibens in der offiziellen Übersetzung.

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