Leo XIV. ist nicht der erste in seiner Familie mit Krebsdiagnose
Die Nachricht ging am Dienstagabend um die Welt: Papst Leo XIV. hat Krebs. Dem Kirchenoberhaupt wurde der untere Lungenlappen der rechten Lunge entfernt. Eine Gewebeprobe habe ergeben, dass es sich bei dem Knoten in seiner Lunge um ein Adenokarzinom handelt, also einen bösartigen Tumor, teilte der Vatikan mit. In seiner OP-Ankündigung von Sonntag sagte der Papst, dass er in einem frühen Stadium entdeckt worden und gut lokalisiert sei.
Leo XIV. ist erst der zweite Papst in der Geschichte, von dem eine gesicherte Krebsdiagnose vorliegt. Bei Johannes XXIII. (1958–1963), der das Zweite Vatikanische Konzil einberufen hatte, wurde 1952 Magenkrebs diagnostiziert. Bekannt wurde die Erkrankung allerdings erst nach dessen Tod am 3. Juni 1963. In den Monaten zuvor litt der Papst unter inneren Blutungen und einer Bauchfellentzündung.
Drei Krebsfälle in Familienumfeld
In der Familie von Papst Leo, mit bürgerlichem Namen Robert Francis Prevost, sind indes drei Krebserkrankungen bekannt. Seine Mutter Mildred (1911–1990) starb nach einer mehrjährigen Krebserkrankung und der damit verbundenen Chemotherapie. Leos Bruder John berichtete in einem Interview des "National Catholic Reporter" davon. Ein Arzt habe nach der Diagnose damit gerechnet, dass sie nur noch etwa sechs Monate leben werde. Letztlich waren es mehr als sechs Jahre gewesen, auch wegen der Behandlung mit einem "experimentellen Medikament".
Die Erkrankung der Mutter fiel in die Zeit, in der Leo XIV. bereits als Missionar in Peru arbeitete. Seine Besuche hätten dazu geführt, dass sich dessen Mutter immer wieder erholte, auch wenn es ihr gesundheitlich zuvor schlecht gegangen sei, meint sein Bruder John Prevost.
Vater von Leo XIV. starb an Darmkrebs
Auch der Vater des Papstes, Louis (1920–1997), bekam eine Krebsdiagnose. Er starb mit 77 Jahren an den Folgen von Darmkrebs sowie einer Herzerkrankung.
Am Tag der Lungen-Operation des Papstes wurde bekannt, dass sich auch sein ältester Bruder Louis (Foto oben) aktuell einer Krebsbehandlung unterzieht. Dem Portal CBS News sagte dessen Ehefrau Deborah, dass er an einem Multiplen Myelom erkrankt ist. Dabei handelt es sich um eine Krebserkrankung des Knochenmarks, wodurch dieses übermäßig viel Blutplasma produziert.
Die Erkrankung sei erstmals 2017 diagnostiziert worden. Durch eine Stammzellspende und die Teilnahme an einer klinischen Studie habe sie auf einem sehr niedrigen Niveau gehalten werden können. Er befand sich also in einer sogenannten Remission. Vor rund drei Monaten hat sich das nach Angaben von Deborah Prevost geändert, weshalb eine erneute Therapie nötig geworden sei.
Leo XIV. und sein Bruder Louis hätten kurz vor Beginn der Therapie noch telefoniert. Dabei habe der Papst auch von seiner bevorstehenden Operation berichtet, so Deborah Prevost.
Krebs ist keine genetische Erkrankung
Ob die Krebserkrankungen in der Familie des Papstes genetische Ursachen haben, ist ungewiss. "Was wir aber wissen, ist, dass Krebserkrankungen in Familien gehäuft auftreten", sagte der Leiter des Lungenkrebszentrums der DRK-Kliniken Berlin, Bernd Schmidt, der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Woran das liegt, sei aber unklar. Ein bestimmtes Gen, durch das sich Rückschlüsse auf ein Lungenkarzinom herstellen lassen, gebe es nicht.
Der Lungenkrebsexperte betonte zugleich, dass weder Krebs im Allgemeinen noch Lungenkrebs im Speziellen eine genetische Erkrankung ist. Vielmehr gebe es verschiedene Risikofaktoren, etwa das Rauchen – was indes auf Leo XIV. nicht zutrifft. Da ein wie bei Leo XIV. diagnostiziertes Adenokarzinom oft lange Zeit symptomfrei bleibe, habe der Papst Glück gehabt, dass man es in einem frühen Stadium entdeckt habe. Dadurch erhöhten sich die Heilungschancen deutlich, so Schmidt.
Er verwies darauf, dass seit dem Frühjahr in Deutschland zumindest für die Risikogruppe der 50- bis 75-jährigen Raucher eine Früherkennungsuntersuchung von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen wird, was die Behandlungschancen erhöhe. Der Experte gab zugleich jedoch zu bedenken, dass diese für Menschen ohne Risikofaktoren nicht offensteht: "Der Papst hätte davon nicht profitiert."