Papst beendet Besuch in Uruguay und fliegt nach Argentinien
Nach zweieinhalb Tagen in Uruguay reist Papst Leo XIV. am heutigen Sonntag nach Argentinien weiter. Nach einem Gottesdienst auf dem Platz vor der Kathedrale in der Stadt Florida fliegt er am späten Nachmittag (Ortszeit) von Montevideo nach Buenos Aires.
Dort trifft der Papst im Präsidentenpalast das seit 2023 regierende Staatsoberhaupt Javier Milei, der Argentinien mit einem radikal marktwirtschaftlichen Reformkurs umgekrempelt hat. Mit Spannung wird am Abend die Ansprache des Papstes vor Vertretern aus Politik, Diplomatie und Zivilgesellschaft in Argentinien erwartet. Papst Leo XIV. gilt als Verfechter der katholischen Soziallehre, die sich kritisch mit der reinen Marktwirtschaft auseinandersetzt. Leos Amtsvorgänger, Papst Franziskus, stammte aus Argentinien. Nach seiner Wahl zum Kirchenoberhaupt im Jahr 2013 besuchte er seine Heimat bis zu seinem Tod 2025 allerdings nicht mehr.
In Uruguay besuchte Leo XIV. am Samstag unter anderem ein kirchliches Sozialprojekt am Rand der Hauptstadt Monteviedeo. Dabei beklagte er Gleichgültigkeit gegenüber Bedürftigen in dem relativ wohlhabenden Land. Besonders verwies er auf Gewalt gegen Kinder. Diese ist ebenso wie Kinderarmut in auffälligem Gegensatz zu den sonst günstigen Sozialdaten im Land überproportional verbreitet.
Der Papst bezog sich in dem Zusammenhang auf seinen Amtsvorgänger Franziskus, der "die Inklusion oder die Exklusion des am Wegesrand leidenden Menschen" als Maßstab für wirtschaftliches, politisches, soziales und religiöses Handeln benannt hatte. Die Kirche sei dazu gedrängt, "sich den Wunden der Menschheit zuzuwenden", sagte Leo XIV. vor dem Hintergrund, dass die Gesellschaft in Uruguay weithin kirchenfern bis antikirchlich eingestellt ist.
"Entmenschlichung" im gesellschaftlichen Diskurs
Wörtlich sagte der Papst: "Ein Kind dieses Landes, das so reich an Ressourcen ist, sollte nicht hungrig schlafen gehen und auch nicht wegen der Unsicherheit auf den Straßen auf eine ordentliche Ausbildung und eine würdige Zukunft verzichten müssen. Und schon gar nicht darf es sein, dass es Gewalt erleidet, die im Extremfall zum Tod führen kann." Kirche und Staat müssten aus ihrer Trägheit erwachen und für das Gemeinwohl zusammenarbeiten, forderte Leo XIV.
Später prangerte der Papst bei einem Besuch der Katholischen Hochschule Uruguay eine "Entmenschlichung" im gesellschaftlichen Diskurs an. Dies stelle eine Herausforderung für Schulen und Hochschulen dar, sagte er. Während computergestützten Systemen Intelligenz zugeschrieben werde, falle es weithin schwer, die unveräußerliche Würde des Menschen anzuerkennen. Leo XIV. sprach von einem "Paradox".
Man dürfe sich an das Ausstoßen, Ablehnen und Verachten anderer Menschen nicht gewöhnen, so der Papst in der von Jesuiten geführten Hochschule. In dem Zusammenhang nannte er es dringend nötig, Schüler und Studierende zu einem "weisen Umgang" mit Technologien und Künstlicher Intelligenz zu erziehen. Der Mensch müsse vor dem Algorithmus stehen. Weiter mahnte Leo XIV., "dualistische Sichtweisen" von Leib und Seele zu überwinden. "Die Reduzierung des Körpers auf ein Objekt, über das man willkürlich verfügen kann, ist stets eine Verleugnung der Würde des Menschen", sagte er.
Zudem bekräftigte er mit Blick auf das Bildungswesen, es gebe eine "persönliche und gemeinsame Verantwortung bei der Bewahrung der Schöpfung". Der Mensch sei zu einer gestalterischen Tätigkeit seiner Hände und zur Förderung des Friedens berufen; stattdessen brächten "die Finger des Menschen derzeit das schrecklichste aller menschlichen Werke hervor: den Krieg", sagte Leo XIV.