Papst Leo XIV. versichert Juden: Kirche duldet keinen Antisemitismus
Papst Leo XIV. hat die Verbundenheit zwischen Juden und Katholiken bekräftigt. Mit dieser Freundschaft sei auch der gemeinsame Auftrag verbunden, "die Menschenwürde zu verteidigen, den Armen zu dienen, die Religionsfreiheit zu schützen sowie Gerechtigkeit und Frieden zu fördern", sagte er am Donnerstag im Vatikan vor Mitgliedern des American Jewish Committee.
Wesentlich sei dabei die Ablehnung jeglicher Form von religiösem oder ethnischem Hass und Diskriminierung, unterstrich der Papst. "Die Kirche duldet keinen Antisemitismus und bekämpft ihn – auf der Grundlage des Evangeliums selbst", sagte er unter Verweis auf die Erklärung "Nostra aetate" des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962–1965), mit der die katholische Kirche ihr Verhältnis zum Judentum erneuert hatte.
Vorurteile gefährden moralische Haltung
"Meinungsverschiedenheiten – wie tiefgreifend sie auch sein mögen – dürfen niemals zu Vorurteilen oder Feindseligkeiten führen, denn diese untergraben die moralischen Grundlagen der Gesellschaft", sagte Leo XIV. In einer von Gewalt und Misstrauen gezeichneten Welt sei dieses Bekenntnis zur Geschwisterlichkeit besonders dringlich.
Wenn Juden und Katholiken ihre Verbundenheit durch wirksame Gesten stärker zeigten, könne dies zum Aufbau einer friedlicheren Welt beitragen – "ein Wunsch, den alle Menschen guten Willens in ihren Herzen tragen", zitierte der Papst eine Ansprache, die er kurz nach seiner Amtseinführung am 19. Mai 2025 bei einer Audienz für Vertreter anderer Kirchen, kirchlicher Gemeinschaften und anderer Religionen gehalten hatte.
"Schalom!"
Er dankte der Delegation des American Jewish Committee für den langjährigen Einsatz ihrer Organisation für den Dialog und die Zusammenarbeit mit der katholischen Kirche. Die Beziehungen zwischen den Gemeinschaften beruhten auf Aufrichtigkeit und gegenseitigem Respekt. "Mit diesen Gedanken danke ich Ihnen nochmals für Ihren Besuch und versichere Ihnen mein Gebet. Schalom!", schloss der Papst in seiner auf Englisch gehaltenen Ansprache.
In einer zunehmend vielfältigen und zugleich konfliktreichen Welt ruft der Vatikan zu mehr Verständigung zwischen den Religionen auf. In dem Mitte September veröffentlichten Dokument "Ein Weg der Hoffnung" wendet sich die katholische Kirche gegen Christenverfolgung, Antisemitismus und Islamophobie.