Roche: Papst wird Einschränkung der Alten Messe nicht zurücknehmen
Papst Leo XIV. wird nach Ansicht von Liturgiepräfekt Arthur Roche die Einschränkungen der "Alten Messe" durch seinen Vorgänger nicht zurücknehmen. "Er wird 'Traditionis custodes' nicht ändern. Er wird nicht zurück zu 'Summorum Pontificum' gehen", so Kardinal Roche in einem Interview mit dem Online-Medium "Ad Vaticanum". Mit dem Motu proprio "Traditionis custodes" hatte Papst Franziskus (2013–2025) im Jahr 2021 die Feier der Liturgie nach den Messbüchern von 1962 deutlich eingeschränkt, die sein Vorgänger, Papst Benedikt XVI. (2005–2013), mit dem Motu proprio "Summorum Pontificum" 2007 erleichtert hatte.
Der Papst habe seine Position zu verschiedenen Anlässen deutlich gemacht. Bei seinem Frankreichbesuch vor kurzem seien die Worte Leos XIV. sehr deutlich gewesen. In seiner Predigt in der Vesper in der Kathedrale Notre-Dame hatte der Papst die Gläubigen aufgefordert, "die Gemeinschaft mit dem Nachfolger Petri und mit der Kirche" über "eure persönlichen Befindlichkeiten" zu stellen, "um die Einheit des Volkes Gottes zu pflegen". Auch bei seinen Mittwochs-Katechesen zur Liturgiekonstitution "Sacrosanctum Concilium" habe sich Leo XIV. regelmäßig positiv auf die Liturgiereform bezogen. "Er hat sehr deutlich gemacht, dass der Weg der Kirche in genau diese Richtung führt, und dass persönliche Vorlieben dabei keine Rolle spielen sollten", so Roche.
Einschränkung von Bischöfen begrüßt
Nach Auffassung des Liturgiepräfekten entsprach die Einschränkung der Feier der "Alten Messe" durch Franziskus dem Willen der meisten Bischöfe. Im vergangenen Jahr legte die Veröffentlichung ausgewählter Rückmeldungen auf die vom Liturgiedikasterium durchgeführte Umfrage zum Umgang mit der vorkonziliaren Liturgie nahe, dass der Reformbedarf von den Bischöfen weitaus geringer eingeschätzt wurde als vom Vatikan dargestellt. Roche widerspricht diesem Eindruck. Er höre immer wieder von Bischöfen, dass sie die Einschränkungen von Franziskus begrüßten. Es sei nur so, dass traditionalistische Gruppen lauter seien als andere Teile der Kirche.
Papst Benedikt XVI. habe mit "Summorum Pontificum" unter anderem der Piusbruderschaft einen Weg zurück zur Kirche eröffnen wollen. "Das ist nicht passiert", so der Kardinal: "Stattdessen wurde es in einigen Teilen der Welt als Mittel genutzt, um die alte Liturgie anstelle der erneuerten Liturgie zu fördern, was völlig im Widerspruch zum Geist von 'Summorum Pontificum' stand." Papst Franziskus habe daher um der Einheit der Kirche willen entschieden, alle Gläubigen auf das Zweite Vatikanische Konzil zurückzuverweisen.
Kardinal Roche wurde 2021 von Papst Franziskus zum Präfekten des Liturgiedikasteriums bestellt. Er gilt als einer der treibenden Personen hinter dem Motu proprio "Traditionis custodes". Mit 76 Jahren hat er das übliche Alter von 75 bereits überschritten, in dem Bischöfe dem Papst ihren Rücktritt anbieten sollen. Da außerdem seine erste Amtszeit von fünf Jahren als Präfekt abgelaufen ist, ist eine Ablösung Roches an der Spitze des Liturgiedikasteriums nicht unwahrscheinlich. Er selbst äußerte sich im Interview zu seiner Zukunft als Präfekt nicht.