Seit wann wusste Papst Leo XIV. vom Krebsverdacht?
Am Dienstagnachmittag wurde Papst Leo XIV. in der römischen Gemelli-Klinik der rechte untere Lungenlappen entfernt, in dem sich ein bösartiger Tumor befand. Dass der Eingriff bevorstand, hatte er zwei Tage zuvor beim sonntäglichen Mittagsgebet persönlich angekündigt. Er überraschte damit fast alle – außer einem sehr kleinen Kreis von Eingeweihten.
Seither wird unter Vatikanbeobachtern darüber spekuliert, wer wann was über die Krebserkrankung des Papstes und deren Gefährlichkeit wusste. Der Vatikan selbst hat, ebenso wie der Papst, bislang nicht bekannt gegeben, wann und wo die ersten Diagnosen stattfanden.
Mittlerweile ergibt sich aus Medienrecherchen, insbesondere aus einem Bericht der Tageszeitung "La Repubblica" vom Donnerstag, sowie aus Informationen der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) aus dem Vatikanumfeld folgende mutmaßliche Chronologie der Ereignisse:
14. September: Papst Leo XIV. begeht seinen 71. Geburtstag ohne große Feier. Bei einem Termin in der Apostolischen Bibliothek am Vormittag bläst er die Kerzen auf einer Geburtstagstorte aus. Am Nachmittag lässt er sich unauffällig in die Diagnose-Abteilung der Gemelli-Klinik auf der römischen Tiberinsel fahren. Bei einer MRT-Untersuchung des Bauchraums – der Anlass dafür ist nicht bekannt – wird zufällig eine Auffälligkeit im unteren rechten Lungenlappen entdeckt, wie "La Repubblica" berichtete. Die Ärzte raten zu einer baldigen weiteren Untersuchung der Lunge.
21. September: Der Vatikan kündigt eine umfangreiche Südamerika-Reise des Papstes an. Vom 6. bis 17. November will er Uruguay, Argentinien und Peru besuchen und bei etwa 50 Auftritten mehr als 30 Ansprachen halten.
25.–28. September: Papst Leo XIV. besucht Paris, Lourdes und Metz. Er hält in Frankreich 15 Reden und zeigt keine Zeichen von Ermüdung. In seiner Begleitung reist wie immer der Chef des vatikanischen Gesundheitsdienstes, der italienische Arzt Luigi Carbone.
29. September: Am Tag nach seiner Rückkehr aus Frankreich hält sich Leo XIV. nicht, wie sonst an Dienstagen üblich, in Castel Gandolfo auf, obwohl keine offiziellen Termine im Vatikan anstehen. Stattdessen lässt er seine Lunge untersuchen: zuerst per Computertomographie (CT), dann folgt eine Positronen-Emissions-Tomographie, bei der Stoffwechselaktivitäten in den Zellen Aufschluss auf mögliche Tumore geben können. Die Diagnose ist eindeutig: Es handelt sich höchstwahrscheinlich um einen Tumor, der baldmöglichst entfernt werden muss.
9. Oktober: Die zehn in Rom ansässigen Kardinalbischöfe wählen einen neuen Kardinaldekan, den 69 Jahre alten Kurienkardinal Luis Tagle von den Philippinen. Sein Vorgänger, Kardinal Giovanni Battista Re (92), war bis dahin nur noch aufgrund einer Sonderverlängerung durch Papst Franziskus im Amt. Der Kardinaldekan ist im Fall eines Papsttodes eine zentrale Figur im Vatikan.
10. Oktober: Der Papst unterzieht sich einer weiteren Diagnose. Diesmal wird per Biopsie endgültig geklärt, dass der Tumor in der Lunge bösartig ist. Der Papst informiert Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin. Dieser und der Chef des medizinischen Dienstes stimmen mit Leo XIV. den Text der päpstlichen Ankündigung für den Sonntag ab.
11. Oktober: Der Papst kommuniziert dem neuen Kardinaldekan, den er wegen eines Gottesdienstes nicht erreichen konnte, per Messenger-Dienst, was er beim sonntäglichen Angelus-Gebet auf dem Petersplatz bekanntgeben wird. Unmittelbar nach dem Mittagsgebet verkündet Leo XIV. dann, dass in seiner Lunge ein Knoten gefunden worden sei, der auf Anraten der Ärzte entfernt werden solle.
13. Oktober: Nach dem erfolgten Eingriff teilt der Vatikan mit, dass der untere rechte Lungenlappen entfernt worden sei. Der Knoten in der Lunge wird diesmal als Adenokarzinom und mithin als bösartiger Tumor bezeichnet.