Trotz Krebsdiagnose: Kardinal Fernández rechnet mit langem Pontifikat
Kardinal Víctor Manuel Fernández hat sich persönlich vom Gesundheitszustand von Papst Leo XIV. überzeugt – und ist sehr optimistisch. In einem Interview mit dem spanischen Onlineportal "Vida Nueva" sagte der Präfekt des Glaubensdikasteriums am Donnerstag, dass er bei einer Audienz einen guten Eindruck von ihm hatte: "Dem Papst geht es hervorragend." Leo habe die gesundheitliche Herausforderung der Krebsdiagnose mit großem Eifer gemeistert. "Ich bin mir ganz sicher, dass wir weiterhin von einem langen Pontifikat ausgehen können", so Fernández weiter.
Größere Einschränkungen oder gar eine Neuausrichtung des Pontifikats sieht der Glaubenspräfekt nicht. Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin hatte nach Bekanntwerden vor Journalisten gesagt, Leo müsse sein Pontifikat möglicherweise "neu ausrichten", schränkte seine Bemerkungen später aber ein. Er habe lediglich von anstehenden Reisen gesprochen. Fernández bekräftigt diese Position: "Wenn man sagt, dass man die Arbeit gewissermaßen 'neu organisieren' oder 'anpassen' muss, bedeutet das lediglich, dass wir ihn in diesen Tagen nach der Operation nicht unter Druck setzen sollten, um an einem Tag alles nachzuholen, was sich durch seine Abwesenheit verzögert haben könnte." Das sei auch nicht anders als nach der Rückkehr von einer mehrtägigen Reise.
Papst steckt Operation besser weg als Fernández seine
Im Handeln des Papstes kann der Kardinal jedenfalls keinen Kurswechsel erkennen: Geplante Sitzungen fänden statt. "Dies deutet darauf hin, dass er nicht nur wieder zum normalen Rhythmus zurückgekehrt ist, sondern angesichts der Herausforderungen seine Initiative sogar noch verstärkt hat", bekräftigt Fernández.
Er selbst glaube daher nicht, dass es sich lohne, weiter über die Papst-Gesundheit und ihre Folgen zu sprechen. Unterdessen gab Fernández auch Auskunft über seine eigene Gesundheit: Erst vor Kurzem sei ihm eine gutartige Talgzyste operativ entfernt worden. Die Wundnaht bereite seinem Körper zusätzliche Anstrengung: "Aber ich muss sagen, dass seine Operation dem Papst weniger Mühe bereitet hat als meine mir."
Papst Leo XIV. musste sich Mitte Oktober einer Operation an der Lunge unterziehen, um einen Tumor zu entfernen. Eine Woche nach der Operation teilte der Vatikan mit, dass der Papst krebsfrei sei. Die behandelnden Ärzte sehen demnach auf Grundlage der endgültigen histologischen Befunde keine weiteren Therapien als erforderlich an. Auf Anraten der Mediziner sagte Leo zwar seine für Dienstag dieser Woche geplante Reise nach Assisi ab, die Südamerika-Reise vom 6. bis 17. November wird nach Angaben des Vatikans aber in vollem Umfang stattfinden.