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Besuch beim "Päpste-Schuhmacher"

Wo Benedikt XVI. seine berühmten roten Schuhe in Auftrag gab

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Rom - Die Arellanos machten Schuhe für Benedikt XVI. – und nun für Leo XIV. Dessen Peru-Besuch ist "doppeltes Glück". Denn Leo ist quasi ein Landsmann.

Hell klirren die Messingstiefel aneinander: Der nächste Kunde steht im bunt bestückten Schuhparadies von "Calzolaio Arellano" im römischen Borgo San Pietro. Selbst die Türglocke der kleinen Schusterei in Vatikannähe kündet von der Liebe zur eigenen Handwerkskunst; eine Kunst, die auch die Päpste anzieht, und das seit über 20 Jahren.

"Wir hatten das große Glück, Schuhe für Papst Benedikt XVI. anfertigen zu dürfen – und jetzt sogar für Leo XIV.!" Daniel Arellano und sein Vater Antonio sind sichtlich stolz auf den Weg zum (inoffiziellen) Titel "Schuhmacher der Päpste".

Früh mitangepackt

Begonnen hat dieser Weg in Trujillo in Peru, wo Antonio vor 58 Jahren als Arbeiterkind geboren wurde. Statt Schule hieß es für ihn schon früh: Mitanpacken in der Schuhwerkstatt des lieblosen Stiefvaters. Doch schnell entdeckte der Junge seine Passion fürs Flicken, Besohlen, Nageln und Nähen.

Als Zehnjähriger verdiente er sein erstes Geld mit handgemachten Sandalen, bald kreierte er das erste eigene Modell. Mit 19 heiratete er seine Isabel, Söhnchen Daniel machte das Glück komplett. Doch die Wirtschaftskrise in Peru trieb die Familie ins Ausland.

"Ich ging nach Italien, weil sie hier die besten Schuhe der Welt herstellen", sagt der Mann mit den kräftigen Händen, der seine Geschichte in einem kleinen Büchlein aufgeschrieben hat. In Rom verkaufte er Schuhe auf dem berühmten Porta Portese-Markt, verdingte sich bei verschiedenen Schustereien, bis er 1998 in der Lage war, seinen eigenen kleinen Werkstattladen zu eröffnen – in Vatikannähe, was ihm jede Menge geistliche Laufkundschaft bescherte.

Ein Modell eines Schuhs, den Daniel Arellano für Papst Benedikt XVI. angefertigt hat.

Nicht nur unter Monsignori, Priestern und Ordensfrauen sprach sich herum, dass Arellano zu fairem Preis löchrigen Schuhsohlen und schiefen Absätzen zu neuem Leben verhalf. "Irgendwann brachte man uns die Schuhe von Papst Johannes Paul II. zur Reparatur", erzählt Daniel (38), dem schon früh klar war, dass er in die Fußstapfen seines Vaters treten wollte.

Und dann kam öfter ein freundlicher Herr mit Baskenmütze und Aktentasche in den Laden: Kardinal Joseph Ratzinger. "Er ließ sich regelmäßig bei uns schwarze Schuhe anfertigen, denn er schätzte solche Handwerksbetriebe sehr."

Erinnerung an Benedikt

Dann, am 19. April 2005, war im Fernsehen der bisherige Kurienkardinal auf der Mittelloggia des Petersdoms zu sehen: "Unser langjähriger Kunde ist Papst geworden – eine wunderbare Überraschung!" Bei der Erinnerung strahlen die Augen der beiden Arellanos. "Wir kannten ihn als charismatischen Menschen mit wahrhaft schönem Wesen. Daher waren wir sicher, dass er auch ein guter Papst sein würde."

Ein Papst, der auf Tradition setzte, auch bei der Fußbekleidung: "Benedikt XVI. gab bei uns die berühmten roten Schuhe in Auftrag", sagt Daniel fast feierlich. Heute ist im Schaufenster der Arellanos ein blutrotes Exemplar der berühmten Slipper zu sehen, deren Farbe der Überlieferung nach das Martyrium Christi symbolisiert; und an der Wand im Ladeninnern prangt fast wie eine Reliquie der Original-Leisten des päpstlichen Fußes.

Von ihrem Ruhm als "Schuhmacher der Päpste" zeugen auch die Fotos und Zeitungsartikel über der mit vielfarbigen Brieftaschen, Schlüsseletuis und Gürteln beladenen Theke. In den Regalen springen Budapester in Purpur und Aubergine, Loafer mit Quasten, seidene Riemchen-Ballerinas, sportliche Boots und klassische schwarze Mokassins ins Auge.

Daniel Arellano fertigt einen Schuh in Handarbeit.

Die Ära der roten Papstschuhe sollte nach Benedikts überraschendem Rücktritt 2013 enden. Denn der pragmatische Papst Franziskus bewegte sich in orthopädischen Tretern in Schwarz durch sein Pontifikat. Dennoch schätzte auch der Argentinier die Könner aus Peru: Seine geliebte schwarze Aktentasche schickte er ihnen oft zur Reparatur.

Zugleich hielten die Schuster Kontakt zum emeritierten deutschen Papst. Ein Besuch bei ihm an seinem Altersruhesitz im Vatikan verlief für alle sehr bewegend. Und sogar den Weg in die Ewigkeit trat Benedikt XVI. in "Arellanos" an: Ein Foto des ehemaligen Papstes im Sarg zeigt ihn mit seinen geliebten roten Schuhen.

"Endlich lerne ich die Arellanos kennen"

Konnte diese Geschichte noch getoppt werden? "Als am 8. Mai 2025 Leo XIV. gewählt wurde, hörten wir, dass er lange in Peru war und auch einen peruanischen Pass besitzt – ein Landsmann also!" Aber von sich aus ihre Dienste im Vatikan anzubieten, kam nicht infrage. Doch wenige Wochen nach der Wahl der erlösende Anruf: Auch der neue Papst wollte sich ein Paar echter "Arellanos" anpassen lassen.

"Er empfing uns in einem Saal, der nur für hochrangige Persönlichkeiten vorgesehen ist", schildert Daniel die "wundervolle Begegnung". Leo habe sie auf Spanisch begrüßt mit den Worten: "Endlich lerne ich die Arellanos kennen!"

Natürlich war die gemeinsame Heimat sofort Thema. "Er sagte, ein Teil seines Herzens sei in Peru geblieben. Denn wenn man einmal in Peru war, lässt es einen nicht mehr los, das geht auch dem Papst so."

Foto einer Audienz von Antonio und Daniel Arellano bei Papst Leo XIV. in ihrem Schuhgeschäft.

Nach dem üblichen Maßnehmen orderte der sportliche Chicagoer einen Schuh, der bequem, leicht, flexibel und zugleich formell sein sollte. So fertigten die Arellanos drei Paar schwarze Slipper: zweimal mit edlem Leder, einmal mit flexiblem Gummi besohlt.

Nach einigen Wochen waren die Schuhe fertig, der Moment der Wahrheit nahte. "Wir sind hingefahren, er hat die Schuhe anprobiert, um zu sehen, ob sie passen – alles bestens." Antonio ahmt lachend die Szene nach: "Ja, er ist tatsächlich auf der Stelle gelaufen, als wolle er direkt losrennen."

Dass der Papst Mitte Oktober durch seine Lungenkrebs-OP ausgebremst wurde, habe sie sehr getroffen. "Wir haben jeden Tag für ihn gebetet. Wir sind Katholiken, der Glaube begleitet uns unser Leben lang als Kraftquelle und Orientierungspunkt."

Besonderes Geburtstagsgeschenk

Doch zum Glück ist alles gut gegangen, Leo XIV. kann seine Reise nach Uruguay, Argentinien und als Höhe- und Schlusspunkt nach Peru antreten; an Antonios 58. Geburtstag (13. November) wird der Papst in Lima und Chiclayo sein – ein großes Geschenk. "Dass der Papst in unseren Schuhen in unsere Heimat kommt, das ist für uns als Peruaner ein doppeltes Glück."

Und sollten die rund 50 Termine in den zwölf Tagen in Südamerika an Leos Schuhen nicht spurlos vorübergehen – seine Schuhmacher stehen bereit. "Wer weiß, vielleicht möchte er eines Tages einen Schuh in einem etwas kräftigeren Bordeaux-Ton tragen", sinniert Daniel. "Dann müssten wir ihm im Apostolischen Palast verschiedene Lederarten und Farben zeigen." Auch Entwürfe für ein päpstliches Exklusiv-Modell haben die Arellanos in der Schublade. "Wenn er uns ruft, dann kommen wir."

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