Applaus bleibt aus

Kaum hat sich die Koalition aus CDU/CSU und FDP darauf geeinigt, das Betreuungsgeld nun doch einzuführen, regt sich Widerstand. Spiegel-Online spricht von "negativen Steuerungseffekten", und die SPD hatte schon vorab angekündigt, vor dem Bundesverfassungsgericht gegen das Betreuungsgeld zu klagen. Mit der neuen Leistung, so die Position der SPD, greife der Staat auf unzulässige Weise in die Kindererziehung ein. Doch wie stehen die katholischen Verbände zum Betreuungsgeld?

Familie | Bonn - 06.11.2012

Kaum hat sich die Koalition aus CDU/CSU und FDP darauf geeinigt, das Betreuungsgeld nun doch einzuführen, regt sich Widerstand. Spiegel-Online spricht von "negativen Steuerungseffekten", und die SPD hatte schon vorab angekündigt, vor dem Bundesverfassungsgericht gegen das Betreuungsgeld zu klagen. Mit der neuen Leistung, so die Position der SPD, greife der Staat auf unzulässige Weise in die Kindererziehung ein. Doch wie stehen die katholischen Verbände zum Betreuungsgeld?

Der Familienbund der Katholiken sieht das Betreuungsgeld "halbwegs positiv": "Wir freuen uns, dass die Erziehungsleistung anerkannt wird, würden uns aber wünschen, dass alle Familien in den Genuss des Betreuungsgeldes kommen, und nicht nur Eltern, die zu Hause erziehen", erläutert Claudia Hagen, Sprecherin des Familienbunds. Weil das Kabinett zudem abgelehnt hatte, die Erziehungsjahre von Eltern bei der Rente anzuerkennen, die ihr Kind vor 1992 bekommen haben, bewertet sie die Beschlüsse der Bundesregierung insgesamt als "enttäuschend".

Keine Auswirkung auf das Berufsleben der Frauen

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Einen Steuerungseffekt hatte der Familienbund von dem Betreuungsgeld in Höhe von rund 150 Euro ohnehin nicht erwartet: "Dafür ist der Betrag viel zu gering, als dass eine Frau ernsthaft in Erwägung ziehen könnte, deswegen nicht wieder in den Beruf zurückzukehren", so Hagen.

Der Deutsche Caritasverband möchte das Betreuungsgeld ebenfalls allen Familien zugänglich machen. In seiner jetzigen Form benachteilige das Konzept Familien, die auf Plätze in einer Kindertagesstätte angewiesen sind, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. "Die Entscheidung, die die Koalition in dieser Frage getroffen hat, trägt nicht dazu bei, die Wahlfreiheit von Familien bei der Gestaltung ihres Alltags zu unterstützen", so Caritas-Präsident Peter Neher. Auf keinen Fall dürfte das Betreuungsgeld auf Hartz IV, auf Sozialhilfe oder den Kinderzuschlag angerechnet werden.

Kritik von Praktikern

Barbara Behrens-Schorn ist Leiterin der katholischen St.-Joseph-Kindertagesstätte in Leverkusen. Auch sie mag sich mit dem Betreuungsgeld nicht so recht anfreunden: "Die politische Situation scheint mir so, dass die Familien einen Kindergartenplatz wollen – vielleicht nicht ab dem ersten Jahr, aber ab dem dritten Lebensjahr ist der Bedarf groß. Von 70 Kindern bleiben derzeit 50 über Mittag im Kindergarten. Der Bedarf ist also da, das wird auch das Betreuungsgeld nicht ändern. Denn - seien wir mal ehrlich - das ist doch ein Tropfen auf den heißen Stein". Ihrer Meinung nach geht das Betreuungsgeld nicht nur am Bedarf vorbei, auch aus pädagogischer Sicht hegt sie Bedenken: "Wenn man arm ist, zahlt ohnehin die Stadt oder das Land die Kindergartenbeiträge. Wenn man dann Anreize setzt, und den Leuten Geld bezahlt, damit sie ihr Kind zu Hause lassen, geht das meiner Meinung nach in die völlig falsche Richtung. Ich sage es ganz deutlich: Für einige Familien wäre das fatal." Den Eltern fehle der Austausch mit anderen Eltern sowie den Betreuern: "Das Betreuungsgeld wiegt nicht auf, was ein Kindergarten leistet."

Von Michael Richmann

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