Bischofssynode

"Das dritte Jahrtausend braucht eine synodale Kirche"

Papst bekräftigt Willen zur stärkeren Einbindung der Bischöfe

Vatikanstadt - 17.10.2015

Papst Franziskus hat seinen Willen nach einer stärkeren Einbindung der Bischöfe in die Entscheidungen für die Weltkirche betont. Die Kirche des dritten Jahrtausends müsse eine synodale sein und geprägt vom gegenseitigen Zuhören, sagte er am Samstag bei einem Festakt anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Bischofssynode im Vatikan.

Der Wunsch des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965), die nationalen Bischofskonferenzen stärker an Entscheidungen zu beteiligen, sei jedoch noch nicht voll verwirklicht. Hier brauche es Verbesserungen, so der Argentinier. "Der Papst steht nicht einsam über der Kirche, sondern in ihr, als Getaufter unter Getauften und im Episkopat als Bischof unter Bischöfen", sagte Franziskus.

Das Petrusamt sei Ausdruck der gottgewollten Einheit der Gläubigen, bleibe jedoch ein dienendes Amt. Kein Getaufter dürfe sich über die anderen erheben, so Franziskus. "Im Gegenteil, in der Kirche ist es notwendig, dass man sich 'erniedrigt', um den Brüdern auf dem Weg zu dienen." Der synodale Prozess gipfele zwar in der Entscheidungsgewalt des Papstes. Dieser handele aber nicht aus privater Meinung, sondern als oberster Glaubenszeuge für die ganze Kirche.

Bischöfe sollen Probleme an der Basis angehen

Die Bischöfe rief Franziskus auf, stets von den Verhältnissen an der Basis und den Alltagsproblemen der Menschen auszugehen. Sie müssten der Ausgangspunkt einer synodalen Kirche sein. Die Bischofssynode sei so der sichtbarste Ausdruck einer gesamtkirchlichen Dynamik. Der Festakt in der vatikanischen Audienzhalle fand am Ende der zweiten Beratungswoche der Bischofssynode über Ehe und Familie statt.

Bischofssynode: Was ist das?

Drei Wochen im Oktober findet sie im Vatikan statt: Die Familiensynode, die schon seit Monaten die kirchlichen Nachrichten bestimmt. Doch was genau ist eine Synode? Wie läuft sie ab? Und um welche Themen geht es? Im Dossier gibt es einen schnellen Überblick.

Zum Dossier

Die Festrede hielt auf Wunsch des Papstes der Wiener Kardinal Christoph Schönborn. Er rief die Bischofssynode über die Familie zu einer offenen, aber respektvollen Debatte auf. In den vergangenen Monaten sei die theologische Diskussion "auch mit einiger Verbissenheit, ja Verbitterung und nicht immer im Geist des Aufeinander-Hörens und des Sich-Bemühens" geführt worden, sagte Schönborn. Das weltweite Interesse an der laufenden Versammlung zeige jedoch, "wie lebendig die Institution der Bischofssynode auch nach fünfzig Jahren ist". Sie bleibe der Ort, an dem die vom Konzil gewollten Reformen verwirklicht werden müssten.

Marx: Historische Papst-Rede zum Synoden-Jubiläum

Kardinal Reinhard Marx bezeichnete die Papst-Rede im Anschluss als "historisch". "Immer wieder hat Franziskus von einer 'synodalen Kirche' gesprochen. Damit hat er unmissverständlich unterstrichen: Wir haben den Auftrag, das Zweite Vatikanische Konzil weiter zu verwirklichen", erklärte der Vorsitzende des Deutschen Bischofskonferenz am Samstag in Rom. Synodalität bedeute, so Marx, teilzunehmen, aufeinander zu hören sowie den Weg in Treue zur Tradition und Kollegialität gemeinsam zu gehen. Dazu gehöre "eine gesunde Dezentralisierung", bei der den nationalen Bischofskonferenzen eine besondere Rolle zukomme.

Mit der Einrichtung der Bischofssynode hatte Papst Paul VI. (1963-78) eine Idee der Konzilsväter aufgegriffen und diese noch während der Kirchenversammlung umgesetzt. Offiziell geschah dies am 15. September 1965, unmittelbar nach Eröffnung der vierten und letzten Sitzungsperiode des Konzils, mit dem Motu Proprio "Apostolica sollicitudo". Bislang hat es 27 Synoden gegeben, 14 ordentliche, 3 außerordentliche und 10 Sonderversammlungen. (luk/KNA)

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