Das Fasten ist kein Selbstzweck!

Von Klima- bis Süßigkeitenfasten: In der österlichen Bußzeit verzichten viele Menschen auf Ungesundes oder vermeintlich Wichtiges. Doch wer die Fastenzeit darauf reduziert, hat sie nicht verstanden.

Meinung | Bonn - 14.02.2018

Wer vor Ostern Selbstbeherrschung in den Vordergrund stellt, hat den Sinn der Fastenzeit nicht verstanden und muss das österliche Triduum von Leiden, Sterben und der Auferstehung eigentlich auch nicht feiern. Die 40 Tage Fastenzeit ab Aschermittwoch sind kein bloßer Verzicht oder Neujahrsvorsätze 2.0, sondern sollen – wie der Advent – eine Zeit der Vorbereitung sein. Die Bibel gibt sogar konkrete Anweisungen: "Kehrt um und glaubt an das Evangelium" und "Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler! (…) damit die Leute nicht merken, dass du fastest". Die österliche Bußzeit darf keine egoistische Selbsterfahrung sein. Nicht Ich, sondern Gott muss im Zentrum stehen.

Es könnte eigentlich so einfach sein, dieses Fasten. Mit seinen starken liturgischen Texten markiert der Aschermittwoch nämlich nicht nur den Beginn der österlichen Bußzeit und die Zäsur in unserem persönlichen Leben, sondern zeigt uns vielmehr, auf was es ankommt. Das Aschekreuz symbolisiert sowohl Vergänglichkeit ("Bedenke Mensch, dass du Staub bist") als auch die Buße und die Bereitschaft von Christen, neu anzufangen.

Die oft gestellte Frage, ob Fasten überhaupt noch zeitgemäß ist, ist daher ebenso absurd wie die Aussage, dass Fasten im Trend liegt. Laut einer aktuellen Umfrage ist die Motivation für das Fasten bei den meisten Menschen schon längst nicht mehr Gott, sondern eher die eigene Gesundheit: Der Körper soll "entschlacken/entgiften", sagten die Befragten. Mit der Passionszeit hat das nichts zu tun. Religiöses Fasten ist keinen Trends unterworfen. Auch wenn sich die Fastenordnung durchaus der Zeit angepasst hat. Sie schreibt seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) keine reinen Abstinenztage (außer an Aschermittwoch und Karfreitag) mehr vor. Aber auch sie weist Katholiken auf den klaren und eindeutigen Hintergrund der Fastenzeit hin: "sich selbst (zu) verleugnen, indem sie die ihnen eigenen Pflichten getreuer erfüllen". Eine Abkehr von schlechten Angewohnheiten ist kein Selbstzweck, sondern muss immer eine Hinwendung zu etwas Höherem, zu Gott, bedeuten.

Kaffee, Schokolade, Alkohol oder Zigaretten - die Fastenzeit heißt Verzicht üben. Aber nicht nur.
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Das kann natürlich auch beim Verzicht auf's Auto, Süßigkeiten oder die täglichen fünf Tassen Kaffee passieren. Fasten und Buße dürfen sogar persönlich wehtun. Doch Fasten darf nicht die schon lange vor sich hergeschobene Diät ersetzen. Die Freude, an Ostern "endlich wieder zu dürfen" und durchzuhalten, darf aber nicht zum Ziel proklamiert werden. Vielmehr muss in den Fokus rücken, wie man selbst – durch den persönlichen Verzicht – in der österlichen Bußzeit zu Gott findet. Und Jesus gibt doch wortwörtlich vor, wie es gehen soll: im Stillen, ohne dass es jemand merkt.

Erfahrungsberichte, wie hart das Durchhalten sei, oder die Berichte über neue Fastentrends verkennen daher jegliche religiöse Tiefe. Sinnvoller, als 40 Tage den Fernseher ausgeschaltet zu lassen, wäre doch, sich abends Zeit für das persönliche Gebet zu nehmen. Statt vor dem Fernseher einzuschlafen, kann dieser bewusst zu einer bestimmten Uhrzeit ausgemacht und der Tag mit einem Gebet beendet werden. Für diejenigen, die sich im freien Gebet schwer tun, können die Psalmen einen Rahmen geben, seine persönliche Gottesbeziehung zu stärken.

Fasten lässt sich nicht auf Einschränkung und Verzicht reduzieren. Im Gegenteil. Fasten bedeutet Freiheit. Die Freiheit, Gewohnheiten zu überdenken, die uns möglicherweise daran hindern, Gott zu finden. Der heilige Benedikt kann in der Fastenzeit eine große Hilfe sein. Er ermutigt "in allen Dingen wahrhaft Gott zu suchen" (RB 58). Und umso erstrebenswerter, wenn die österliche Bußzeit auch nach Ostern noch Ergebnisse zeigt. Nicht nur auf der Waage wegen des Schokoladenverzichts, sondern in der Hinwendung zu Gott. Darauf, und nur darauf kommt es an.

Von Julia Martin

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