"Das Kapitel wird nie zu Ende sein"

Die Missbrauchs-Aufarbeitung in der Kirche ist laut Bischof Ackermann noch nicht abgeschlossen. Es gebe immer noch Menschen, die sexuelle Übergriffe meldeten, so der Missbrauchsbeauftragte der Bischofskonferenz.

Missbrauch | Trier - 08.12.2015

Die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche ist nach Ansicht des Trierer Bischofs Stephan Ackermann noch nicht abgeschlossen. "Ich glaube nicht, dass das Kapitel jemals zu Ende sein wird", sagte Ackermann, der seit 2010 Missbrauchsbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz ist, am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Es gebe heute immer noch Menschen, die sexuelle Übergriffe aus der Vergangenheit meldeten. "Das ist natürlich von der Fallzahl her nicht vergleichbar mit der ersten Zeit, aber es ist nicht so, dass man sagen könnte, es ist abgeschlossen."

2010 war die katholische Kirche vom Skandal um jahrzehntelangen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen erschüttert worden. Die meisten Fälle lagen lange zurück, stammten aus den 1950er und 1960er Jahren. "Manche Menschen melden sich mit einer großen zeitlichen Verzögerung, weil sie dann erst die Kraft spüren, es zu sagen", sagt Ackermann.

Bisher hat die Deutsche Bischofskonferenz nach eigenen Angaben bei rund 1.600 Opfern die Zahlung einer finanziellen Entschädigung empfohlen, die über die jeweiligen Bistümer oder Orden erfolgt. Anfang November war im Bistum Hildesheim der Fall eines Mannes bekanntgeworden, der angab, als Junge vom früheren Bischof Heinrich Maria Janssen vor rund 60 Jahren missbraucht worden zu sein.

"Nicht nur rückwärts schauen"

Aus der jüngsten Vergangenheit gebe es dagegen "wenige Fälle", die gemeldet würden, sagte Ackermann. "Ich glaube, dass aktuell die Gefahr, dass es vorkommt, wesentlich geringer ist, weil die Menschen wachsamer und sensibler geworden sind." Die katholische Kirche habe ein Bündel an Präventionsmaßnahmen auf den Weg gebracht, um künftigen Missbrauch zu verhindern. "Aber dass das nie mehr vorkäme, diese Illusion mache ich mir nicht", sagte der Bischof.

Ackermann kündigte an, er wolle seine Arbeit als Beauftragter zur Aufarbeitung des Missbrauchsskandals künftig "anders akzentuieren". "Es ist richtig, nicht nur rückwärts zu schauen. Es geht um einen sicheren Raum für Kinder und Jugendliche - und wir setzen uns auch gesellschaftlich dafür ein." (stz/dpa)

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Der Missbrauchsskandal erschütterte die katholische Kirche in ihren Grundfesten. Seit 2010 die ersten Fälle bekannt wurden, bemüht sich die Kirche um Aufarbeitung der Geschehnisse. Katholisch.de dokumentiert die wichtigsten Etappen.

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