Das Kreuz, das dem IS trotzte

Der IS hat im Irak systematisch christliche Symbole geschändet und zerstört – allen voran das Kreuz. Doch ein Kruzifix blieb auf wundersame Weise verschont und wird jetzt zum Zeichen des Neubeginns.

Christenverfolgung | Baqofah - 18.04.2017

Die Statue der Muttergottes liegt zerschmettert am Boden, der Altar ist von Einschusslöchern durchsiebt, sämtliche Kruzifixe sind zerstört oder in irgendeiner Form beschädigt: Das Bild, das sich Father Benedict Kiely in der irakischen Kirche St. Thaddäus von Edessa bot, steht stellvertretend für nahezu alle vom "Islamischen Staat" (IS) geschändeten Gotteshäuser. In der britischen Zeitung "Catholic Herald" schreibt Father Kiely über seine Erlebnisse im Irak; darüber, wie die Terrormiliz systematisch christliche Symbole – allen voran das Kreuz – geschändet oder zerstört hat. Doch ein Kruzifix trotzte dem IS – und soll jetzt Symbol der Hoffnung für die irakischen Christen werden.

"Islamisten können das Zeichen des Kreuzes nicht ertragen", schreibt Kiely, der kürzlich die christlichen Dörfer in der nordirakischen Ninive-Ebene besucht hat. Dort, wo bis vor kurzem der IS wütete, zeugten Graffitis vom Hass auf alles Christliche: "Das Kreuz wird zerstört werden" habe etwa in großen Buchstaben am Haus eines Priesters gestanden. An der Eingangstür habe man "als kleines Geschenk" zudem eine Sprengfalle platziert, so Kiely. "Eine schwarze Wolke des Hasses auf das Kreuz und alles, was es symbolisiert", sei über die Dörfer der Region hinweggezogen.

Doch dann habe er die Mut machende Geschichte des "wundersamen Kreuzes" von Baqofah gehört, schreibt Kiely: In dem kleinen Ort im Nordirak hatte der IS das Devotionalien-Geschäft neben der Kirche St. Georg in die Luft gesprengt. Alles schien vollständig zerstört worden zu sein, aber mitten im Schutt habe man ein vollkommen unbeschädigtes Kruzifix samt Corpus bergen können. "Nur, wenn man gesehen hat, wie sehr das zentrale Symbol des Christentums entweiht wird, kann man verstehen, wie wundersam diese Entdeckung war – und was sie für die irakischen Christen bedeutet", so Kiely.

Wiedergeburt und Erneuerung

Als ein Symbol der Hoffnung werde das Baqofah-Kreuz derzeit in einer Ausstellung in der Londoner Westminster-Kathedrale gezeigt. Im Anschluss soll es von Kardinal Vincent Nichols gesegnet und in seinen Heimatort zurückgeschickt werden – als ein Zeichen "für die Wiedergeburt und Erneuerung der Kirche im Irak", schreibt Kiely. "Selbst, wenn es gehasst und geschändet, attackiert und zerstört wird – das Kreuz wird auferstehen, wie Christus."

Unter den Einwohnern der nordirakischen Ninive-Ebene bilden Christen die große Mehrheit. Im Sommer 2014 überrannte der IS die Region und verwüstete die Dörfer und Städte. Eine Vielzahl der christlichen Einwohner wurde damals von der Terrormiliz vertrieben. Inzwischen konnte der IS aus einem Großteil des Gebiets zurückgedrängt werden. Christliche Familien haben damit begonnen, die Region wieder neu zu besiedeln. (tmg)

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