Das müssen Sie über Sankt Martin wissen

Am 11. November ist Sankt Martin. Katholisch.de erklärt, warum Kinder dann Laternen basteln, was Martinsumzüge mit Düsseldorf zu tun haben und wann der Heilige seinen Mantel teilte.

Brauchtum | Bonn - 04.11.2017

Wer war Sankt Martin?

Martin war im 4. Jahrhundert Bischof der französischen Stadt Tours. Geboren wurde er 316 oder 317 in Sabaria, dem heutigen Szombathely in Ungarn als Sohn eines römischen Tribuns. Mit 15 Jahren trat er in die römische Armee ein und diente in der Leibwache der römischen Kaiser Constantius II und Julian. Mit 18 Jahren ließ Martin sich taufen und verließ die Armee. Im Jahr 361 gründete er das erste Kloster im heutigen Frankreich. Zehn Jahre später wurde er Bischof von Tours. In diesem Amt wirkte er weit über die Grenzen seines Bistums hinaus als Missionar in Frankreich. Schon zu Lebzeiten wurde Martin verehrt, weil er wie ein Mönch lebte. Der Heilige starb am 8. November 397 im französischen Candes.

Was hat es mit der Teilung des Mantels auf sich?

Die berühmte Szene von Martin, der seinen Mantel mit einem Bettler teilt, stammt aus der ersten umfassenden Lebensbeschreibung des Heiligen vom Anfang des 5. Jahrhunderts. Zugetragen haben soll sie sich im Winter bei eisiger Kälte am Stadttor der französischen Stadt Amiens. Der Autor Sulpicius Severus berichtet, Martin habe dort als Soldat einen spärlich bekleideten Armen angetroffen und mit dem Schwert seinen Mantel geteilt, um die eine Hälfte dem Bettler zu geben. In der folgenden Nacht erschien ihm laut diesem Bericht Christus mit jenem Mantelstück, das er dem Armen geschenkt hatte. Christus sagte zu den Engeln, die ihn umgaben: "Martin, obwohl erst ein Taufbewerber, hat mich mit diesem Mantel bekleidet". Demnach hätte sich die Szene 334 oder 335 zugetragen.

Sankt Martin teilt seinen Mantel mit einem Bettler.
Der junge Soldat Martin teilt seinen Mantel mit einem Bettler. Für diese Tat ist Martin von Tours (um 316-397) bis heute bekannt und gehört zu den beliebtesten Heiligen.
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Seit wann gibt es Martinsumzüge?

Frühe Formen organisierter katholischer Martinsumzüge sind ab 1867 im Rheinland nachweisbar. Die ersten Martinszüge im heutigen Sinne gab es offenbar in Düsseldorf. Hier wurde 1890 erstmals ein von Bürgern organisierter Martinszug mit Kindergesang und Musikkapellen abgehalten. Der Sankt Martin, der auf dem Pferd an der Spitze des Umzugs reitet, kam jedoch erst später dazu. Zunächst handelte es sich um einen als Bischof kostümierten Darsteller des Heiligen. Erst seit 1905 ist der Sankt Martin als Soldat gekleidet, wie heute. Anfang des 20. Jahrhunderts breiten sich Martinsumzüge im gesamten Rheinland aus und von dort bis zum Zweiten Wltkrieg in den angrenzenden Regionen.

Vorläufer der modernen Martinszüge sind Bettelumzüge von Tür zu Tür am Martinstag, die sogenannten Heischegänge. Ursprünglich nutzten arme Leute diese Gelegenheit, um Lebensmittel zu erbitten. Im Laufe der Zeit zogen am Martinstag jedoch nur noch Kinder und Studenten umher. Als Gegenleistung für die Gaben, die sie an der Tür erhielten, sangen sie Lieder. Der Brauch, dass Kinder nach den Martinszügen von Haus zu Haus und Martinslieder für Süßigkeiten singen, erinnert noch heute an diese Tradition. Je nach Ort heißt das Schnörzen, Dotzen oder Gribschen.

Warum basteln Kinder zu Sankt Martin Laternen?

Dass zu Sankt Martin heute Laternenumzüge stattfinden, erklären Brauchtumsforscher unterschiedlich. Eine Erklärung ist das Tagesevangelium des Martintages. Seit dem 13. Jahrhundert sieht das Messbuch der katholischen Kirche für diesen Tag eine Bibelstelle aus dem Lukas-Evangelium vor, in der Licht eine zentrale Rolle spielt. Dort heißt es: "Niemand zündet ein Licht an und stellt es in ein Versteck oder unter einen Scheffel, sondern auf den Leuchter, damit alle, die eintreten, das Licht sehen." Hinzu kommt, dass es früher am Abend vor hohen Feiertagen eine Lichtprozession gab, wie sie heute noch in der Osternacht bekannt ist. So lässt sich auch das Martinsfeuer erklären.

Ursprünglich fanden am Martinstag Fackelumzüge statt. Im Laufe des 19. Jahrhunderts kamen jedoch zunehmend geschlossene Laternen auf. Zunächst wurden hierfür Rüben und Kürbisse verwendet, seit 1850 verstärkt chinesische Papierlampions, die Vorläufer der heutigen Laternen.

Laternen zu Sankt Martin
Ursprünglich wurden bei den Martinsumzügen Fackeln benutzt. Seit dem 19. Jahrhundert kommen jedoch verstärkt geschlossene Laternen zum Einsatz.
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Woher kommt die Martinsgans?

Vor Weihnachten gab es ursprünglich ebenso wie vor Ostern eine vierzigtägige Fastenzeit. Der Gedenktag des heiligen Martin am 11. November bildete den Auftakt zu dieser Fastenzeit. Weil in dieser Zeit Fleischkonsum weitgehend verboten war und es ohnehin damals schwierig war, das Mastvieh durch den Winter zu bringen, war der Martinstag Schlachttag. So kam es zur Martinsgans. Erst nach dem Brauch bildete sich offenbar die Gänse-Legende heraus. Demnach verrieten die Gänse den Heiligen Martin durch ihr Schnattern, als er sich im Stall versteckte um nicht zum Bischof ernannt zu werden.

Warum gibt es zum Martinszug ein eigenes Gebäck?

In der vierzigtägigen Fastenzeit vor Weihnachten begann, war nicht nur der Fleischkonsum, sondern der Konsum aller tierischen Nahrungsmittel verboten. Vorräte an Eiern, Milch und Schmalz mussten deshalb möglichst vor dem Martinstag aufgebraucht werden. Das führte dazu, dass zum Martinstag traditionell Gebäck gereicht wurde. Im Rheinland gibt s heute den "Stuten" zum Martinszug in Westfalen den "Kiepenkerl".

Warum ist Martin ein Heiliger für Kinder?

Martinsumzüge, Laternenbasteln und Martinslieder singen: Kein Gedenktag eines Heiligen – abgesehen vielleicht vom Nikolaus-Tag am 6. Dezember - ist heute so ausschließlich auf Kinder zugeschnitten wie Sankt Martin - und das, obwohl Kinder in dessen Leben keineswegs eine herausragende Rolle spielten. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs gibt es kaum noch Gottesdienst-Entwürfe oder geistliche Texte, die den heiligen Martin für Erwachsene aufbereiten. Ursprünglich war Sankt Martin jedoch ein Gedenktag, dessen Brauchtum sich wie das anderer Heiligen-Gedenktage in erster Line an Erwachsene richtete. Als Grund für diese Entwicklung sehen manche Brauchtumsforscher, dass Martinsumzüge sich besonders gut dazu eigneten, um das katholische Milieu zu stärken und Heranwachsende daran zu binden.

Von Thomas Jansen

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