Exorzismus

Den Teufel ernst nehmen

Vatikan erkennt Exorzisten-Vereinigung an

Bonn - 03.07.2014

Jetzt ist es amtlich: Der Vatikan hat die Internationale Vereinigung der Exorzisten (Aie) offiziell anerkannt. Die Kleruskongregation habe deren Statuten bereits am 13. Juni gebilligt, berichtet der "Osservatore Romano" am Donnerstag. Der Vereinigung gehören demnach rund 250 Exorzisten aus 30 Ländern an. Der Aie-Vorsitzende, der italienische Ordensmann Francesco Bamonte, begrüßte die vatikanische Entscheidung.

Er wünsche sich, dass nun mehr Priester der "oft ausgeblendeten oder unterschätzten dramatischen Situation" Beachtung schenkten, sagte er mit Blick auf Fälle von Besessenheit vom Teufel. Auch der Exorzismus sei eine Form der Nächstenliebe für leidende Mitmenschen, zitiert ihn der "Osservatore".

Die Exorzisten-Vereinigung hat nun den kirchrechtlichen Status eines "privaten Vereins von Gläubigen" und ist eine eigene Rechtspersönlichkeit; das heißt, er kann als Verein Rechte und Pflichten übernehmen. Er hat damit keinen amtlichen Charakter und tritt nicht "im Namen der Kirche" auf. Gegründet wurde die Vereinigung 1994 auf Initiative des früheren Exorzisten des Bistums Rom, Gabriele Amorth (89). Vorausgegangen war 1991 die Gründung einer italienischen Vereinigung von Exorzisten. Amorth war bis 2000 erster Vorsitzender der Vereinigung.

Das Thema ist immer wieder in der Diskussion

Das Thema "Exorzismus" wird auch in der katholischen Kirche immer wieder diskutiert. Im vergangenen Mai sprachen in Rom rund 200 Exorzisten, Psychologen, Psychotherapeuten und interessierte Laien an der katholischen Universität "Regina Apostolorum" darüber, was eine Teufelsaustreibung ist und wann dieses Ritual angewandt werden darf. Man müsse den Teufel ernst nehmen, sagte Paolo Morocutti, Dozent an der päpstlichen Universität Gregoriana in Rom, während seines Vortrags. Auch wenn die Mehrheit aller Anfragen wohl eine Sache für Psychologen sei, gebe es auch jene Fälle, wo nur ein Exorzismus helfen könne.

Gabriele Amorth zählt zu den bekanntesten Exorzisten.
Exorzisten-Legende aus Rom: Gabriele Amorth.  picture alliance / abaca

Ein Exorzismus darf laut Kirchenrecht nur der aussprechen, der "vom Ortsordinarius eine besondere und ausdrückliche Erlaubnis erhalten hat" (CIC 1172 §1). Diese Erlaubnis erhält in der Regel nur der Priester, "der sich durch Frömmigkeit, Wissen, Klugheit und untadeligen Lebenswandel auszeichnet", heißt es im Kirchenrecht weiter (CIC 1172 §2).

Vor der Anwendung des Exorzismus sind eingehende medizinische und psychiatrische Behandlungsmöglichkeiten zu nutzen. Der Exorzist muss sich außerdem an ein vorgegebes Schema halten, das sich im sogenannten "Rituale Romanum", dem Seelsorgebuch der Kirche finden lässt. Dazu gehören neben Gebeten auch Symbolhandlungen wie das Besprengen mit Weihwasser.

Auch ist nach kirchlicher Lehre nicht jeder besessen, der sich ungewöhnlich verhält oder wild herumschreit. Vielmehr müssen vier Kriterien erfüllt sein: Die Person muss in einer ihr unbekannten Sprache sprechen oder jemanden verstehen, der in einer fremden Sprache redet, "entfernt oder verborgen liegende Dinge offenlegen", Kräfte zeigen, die über das natürliche Maß hinausgehen und heftige Aggressionen gegen die Sakramente an den Tag legen oder auch gegen Kreuze.

Auch die Evangelisten berichten von Teufelsaustreibung

Ein Exorzismus-Gebet ist übrigens bis heute fester Bestandteil des Taufritus, da "die Taufe Zeichen der Befreiung von der Sünde und deren Anstifter, dem Teufel, ist", wie der Katechismus der Katholischen Kirche (KKK 1237) erklärt. Dazu salbt der Zelebrant den Täufling oder legt ihm die Hand auf. Anschließend widersagt der Täufling ausdrücklich dem Satan. Im Fall einer Kindertaufe antworten die Eltern und Paten als Stellvertreter.

Das Wort Exorzismus stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel "Hinausbeschwören". eine im Namen Gottes vorgenommene Vertreibung böser Mächte aus Menschen, Tieren oder Gegenständen. In der katholischen Kirche wird zwischen dem großen Exorzismus, dem Gebet zur Befreiung eines von der Macht des Bösen Überwältigten, und dem kleinen Exorzismus zur Vorbereitung auf die Feier der Eingliederung in die Kirche unterschieden. Schon die Evangelisten berichten immer wieder davon, dass Jesus selbst unreine Geister ausgetrieben hat. (bod/KNA)

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