Die Bischöfe folgen dem Papst

Die in Rom versammelten Bischöfe sind offenbar in ihrer überwiegenden Mehrheit entschlossen, sich am Papst zu orientieren. Dies geht aus den Berichten der 13 "Sprachzirkel" hervor, in denen rund 270 Oberhirten in dieser Woche in Rom debattiert haben.

Familiensynode | Rom - 10.10.2015

Die in Rom versammelten Bischöfe der Weltkirche sind offenbar in ihrer überwiegenden Mehrheit entschlossen, sich in Sprachstil und Inhalten an Papst Franziskus zu orientieren. Dies geht aus den Berichten der 13 "Sprachzirkel" hervor, in denen rund 270 Oberhirten in dieser Woche in Rom debattiert haben. Es ging dabei um erste Änderungsvorschläge zu einem umfangreichen Papier zum Thema Ehe und Familie, das der Papst als Arbeitsgrundlage vorgegeben hatte.

In ihren Statements fordern die meisten Sprachgruppen weniger pessimistische Analysen der Gesellschaft und eine allgemein verständliche Sprache. Zugleich fordern sie Unterstützung für die unzähligen Familien, die in einem oft "heldenhaften" Einsatz ihr Leben miteinander bestreiten und füreinander einstehen. Mitunter war auch die Anregung zu lesen, die Realität der Institution Familie weder zu idealisieren noch sie schlechtzureden. Anders als vielfach erwartet, spielten die Themen Homosexualität und wiederverheiratete Geschiedene in den Berichten kaum eine Rolle.

Weitgehender Konsens bestand darin, dass die Kirche ihre gesamte Sprache und ihre Glaubensvermittlung beim Thema Ehe und Familie ändern müsse. Sie müsse weniger von Pessimismus geprägt, für einfache Menschen verständlich und näher an der Wirklichkeit sein, hieß es in mehreren Berichten, die der vatikanische Pressesaal am Freitag veröffentlichte. Im Bericht der vom westafrikanischen Kurienkardinal Robert Sarah geleiteten Gruppe wird außerdem bemängelt, dass es bislang keine zusammenhängende lehramtliche Darstellung der Familientheologie und des Familienrechts der katholischen Kirche gebe.

Seelsorgerisches Versagen

Im Bericht einer englischsprachigen Gruppe, den Erzbischof Charles Chaput (Philadelphia) zusammengestellt hatte, wurde gefordert, die Synode solle ein Schuldbekenntnis der Kirche formulieren. Gegenstand solle das Versagen der Bischöfe sein, die das Leben von Familien geschwächt hätten statt es zu stärken. In dem vom irischen Bischof Diarmuid Martin zusammengestellten Bericht hieß es, die Bischöfe sollten ihr Versagen als Seelsorger bei der Unterstützung von Familien auf ihrem Glaubensweg offen aussprechen.

Ähnlich äußerte sich die vom honduranischen Kardinal Oscar Rodriguez Maradiaga moderierte Gruppe. Sie forderte zudem eine genauere Analyse der Ursachen der Krise, in der sich die christliche Familie heute befinde, denn sonst versuche man Probleme zu lösen, ohne deren Ursachen zu kennen.

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"Es war gut, dass die Synode nicht mit einem Konfliktthema begonnen hat, so konnten die Teilnehmer sich und das neue Verfahren erst einmal kennenlernen", sagt Pater Bernd Hagenkord, der als Beobachter die Synode ganz nah mitverfolgt.  

Eine Mehrheit der Sprachgruppen forderte, dass die Synode sich klar von der "Gender-Theorie" absetzen solle, weil diese die wechselseitige Ergänzung von Frau und Mann als Grundlage der Familie ideologisch untergrabe. Mehrere Sprachgruppen regten an, besser von der erweiterten Familie zu sprechen, zu der auch Großeltern, Tanten, Onkel etc. zählen.

Unklar blieb nach der Veröffentlichung der Berichte aus den Sprachgruppen, wie viele Änderungsanträge beim Synodensekretariat eingereicht wurden. Die Sarah-Gruppe berichtete von "mehr als 20", die sie beschlossen habe, die Maradiaga-Gruppe trug nicht weniger als 54 Änderungsanträge zusammen.  

Schon jetzt ist erkennbar, dass es kaum möglich sein wird, alle Änderungen in den Text einzuarbeiten. Im Chaput-Bericht heißt es daher: "Papst Franziskus und das Kirchenvolk verdienen einen besseren Text, einen Text, in dem die Ideen sich nicht in Verwirrung verlieren. Unsere Gruppe schlägt daher vor, dass der Abschlusstext der Synode von einem einzigen Herausgeber überarbeitet werden soll (…) Das bisherige Material ist offensichtlich das Werk einer Gruppe, und deswegen fehlt es ihm an Schönheit, Klarheit und Kraft."

Auch die deutsche Sprachgruppe wünscht sich für den finalen Text der Synode eine "guten Stil, angenehme Lesbarkeit und klaren Duktus". Mit besonderem Nachdruck forderte diese vom Wiener Kardinal Christoph Schönborn moderierte Gruppe, die Kritik der Bischöfe am Egoismus des Einzelnen solle nicht mit einer Kritik am Individuum und seiner Freiheit verwechselt werden. Denn auch aus der Achtung der Individualität des Menschen ergäben sich "positive Zeichen der Zeit".

Von Ludwig Ring-Eifel (KNA)

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