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Die Türen des Herrn

Unter den rund 300 Gotteshäusern in Rom gibt es vier besondere, die jedes "Heilige Jahr" in den Fokus rücken: die Papstbasiliken Petersdom, Lateran, Sankt Paul vor den Mauern und Santa Maria Maggiore. Katholisch.de stellt sie vor.

Heiliges Jahr | Bonn - 19.03.2015

Wenn am 8. Dezember das "Heilige Jahr" beginnt, werden in Rom vier besondere Gotteshäuser in den Fokus rücken: die Papstbasiliken Petersdom, Lateran, Sankt Paul vor den Mauern und Santa Maria Maggiore. Sie alle sind von religiöser und kunsthistorischer Bedeutung. Und sie haben "Heilige Pforten", die während des Jubeljahrs eine besondere Rolle spielen. Katholisch.de stellt die Kirchen vor.

Die Öffnung der Heiligen Pforten

Zeitgleich mit dem Papst im Petersdom öffnen Kardinallegaten die Heiligen Türen der drei anderen großen römischen Basiliken. Die dazugehörige feierliche Zeremonie führte der Borgia-Papst Alexander VI. 1499 ein. Ihre Symbolik ist eindrucksvoll, denn die Tür wird nicht mit einem Schlüssel geöffnet, sondern unter Gebeten von einem Hammer "besiegt". "Denn die Tore der Gerechtigkeit und Barmherzigkeit weichen nur der Kraft des Gebetes und der Buße", heißt es dazu im Vatikanlexikon von Niccolo del Re. "Dies ist die Tür des Herrn": Mit diesen und zwei anderen kurzen Sätzen, mit drei Hammerschlägen und zwei Helfern der Dombauhütte öffnet der Papst eine symbolische Mauer und die sonst verschlossene Pforte der Vatikanbasilika. Dann können Pilger unter besonderen Bedingungen den Ablass erhalten.

Die Papst-Basiliken zum Heiligen Jahr

Petersdom

Die "Basilica di San Pietro in Vaticano" braucht wohl kaum jemandem vorgestellt werden: Sie ist eine der größten Kirchen der Welt, das Zentrum der Vatikanstadt, Grabeskirche des Apostels Petrus und ein Meisterwerk der Kunst. Von außen ist der Bau aus dem hellen römischen Travertin-Kalkgestein mit Berninis Kolonnaden und der riesigen Kuppel von Bramante und Michelangelo in Szene gesetzt. Innen beeindrucken den Besucher die riesigen Dimensionen der Weihwasserbecken und der Heiligenstatuen, die weltberühmte Pietà, der blankgestreichelte Petrus-Fuß, der Altaraufbau mit den bronzenen Säulen sowie kostbare Reliquien und Papstgräber.

Mit knapp 800 Säulen und 400 Statuen, 44 Altären und 135 Mosaiken und den Möglichkeiten, zum Domschatz hinabzusteigen (nicht empfehlenswert) und auf die Kuppel hinauf (bei guter Gesundheit sehr empfehlenswert), kann sich der Besucher schnell überfordert fühlen. Wer jenseits von riesigen Touristenmassen etwas vom Charakter eines Gotteshauses spüren möchte, sollte seinen Besuch nicht am Mittwoch im Anschluss an die Generalaudienz des Papstes planen. Besser ist es, seinen Tag noch vor dem Frühstück mit dem Petersdom zu beginnen. Gleich wenn die Basilika um 7 Uhr geöffnet wird starten in den Seitenkapellen private Gottesdienste, denen man sich aber anschließen kann.

Die Heilige Pforte ist die letzte der fünf Türen, die von der Vorhalle in den Petersdom führen (ganz rechts). Sie besteht aus zwei mit Bronze bekleideten Türflügeln und wird auch "Pforte des großen Verzeihens" genannt. Auf insgesamt 16 Reliefs werden Motive der Heilsgeschichte dargestellt, etwa die Vertreibung aus dem Paradies, Mariä Verkündigung, die Taufe und die Kreuzigung Christi.

Lateranbasilika

Die "Erzbasilika des Allerheiligsten Erlösers, des heiligen Johannes des Täufers und des heiligen Johannes des Evangelisten im Lateran" ist als Bischofskirche des Papstes die eigentliche Kathedrale von Rom. Spätestens die Inschrift "Mutter und Haupt aller Kirchen der Stadt und des Erdkreises" am Hauptportal sollte Pilger überzeugen, sich in das Stadtviertel San Giovanni aufzumachen und die fünfschiffige barockisierte Kirche zu besuchen, deren Kern noch auf Konstantin im 4. Jahrhundert zurückreicht. Das Gotteshaus und der Lateran als Papstsitz bis zum Exil in Avignon (1309-1377) erlebten Plünderungen, Erdbeben, Verfall und Wiederaufbau – und das bis in die Gegenwart: Neben der "Leichensynode" 896, in der Stefan VI. seinen Vorgänger Formosus ausgraben ließ, sei hier auch das Mafia-Autobomben-Attentat im Juli 1993 genannt. Wenige Wochen nachdem Johannes Paul II. das organisierte Verbrechen kritisiert hatte, wurde bei der Explosion der Eingang zum Querschiff schwer beschädigt.

                    Karte: Die Standorte der vier Päpstlichen Basiliken von Rom.

Auf der Hauptfassade stehen in der Mitte Travertinstatuen von Johannes dem Täufer, Christus als Erlöser und dem Evangelisten Johannes. Die Heilige Pforte befindet sich ganz rechts und zeigt Christus am Kreuz und darunter Maria mit dem Jesuskind. Im Kircheninneren ist die Decke vergoldet und der Fußboden besteht aus Mosaiksteinchen. Auch die päpstliche Kathedra ist mit Mosaik verziert. In Nischen des Mittelschiffs stehen riesige Statuen der zwölf Apostel aus der Schule Berninis.

Die Highlights im Lateran befinden sich jedoch außerhalb der Basilika: So gilt der Kreuzgangs als einer der schönsten in Rom. Die Arkadenbögen werden von dünnen, verzierten Zwillingssäulen gestützt, die ein Meisterwerk der römischen Kosmatenkunst sind. Rechts neben der Basilika erhebt sich die "Scala Santa", die Heilige Treppe mit 28 Stufen, die der Tradition nach Jesus betreten haben soll, um zu Pontius Pilatus geführt zu werden. Auf dem Lateransplatz steht der größte und älteste Obelisk der Stadt, der im 15. Jahrhundert vor Christus erschaffen wurde. Und die achteckige Taufkapelle im Nordosten des Platzes aus dem Jahr 315 ist die älteste der Christenheit und damit der Prototyp aller Baptisterien.

Das Mosaik von Papst Benedikt XVI. (2005-2013) steht rechts neben der großen Paulusstatue (mit dem Schwert) in der Basilika Sankt Paul vor den Mauern.
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Sankt Paul vor den Mauern

Vom Zentrum weit den Tiber hinunter, an der Via Ostiense, liegt "San Paolo fuori le Mura" an der seit jeher von Christen hochverehrten Stelle, an der der Apostelfürst Paulus nach seiner Enthauptung im Jahr 67 begraben wurde. Was man älteren Reiseführern nicht entnehmen kann: 2006 wurde unter der konstantinischen Schrifttafel "Pavlo Apostolo Mart" ein römischer Sarg entdeckt und untersucht; 2009 sprach Papst Benedikt XVI. von einer wahrscheinlichen Bestätigung, "dass es sich um die sterblichen Überreste des Apostels Paulus handelt". Vor dem Altar kann man seitdem zu dem Sarkophag hinabsteigen und am Apostelgrab beten. Die Hauptfassade der Kirche mit einer vorgelagerten viereckigen Säulenhalle zeigt zum Tiber. Von den drei Eingangstoren ist die rechte die "Porta Sancta".

Die Basilika wurde im 19. Jahrhundert nach einem schlimmen Brand wiederaufgebaut und enthält noch einige ursprüngliche Teile, wie etwa den großen Triumphbogen, der Mittelschiff von Querschiff abtrennt und dessen Mosaiken einen segnenden Christus, die Symbole der Evangelisten und die 24 Ältesten der Apokalypse zeigen. Über den Säulen des Hauptschiffs befindet sich ein Mosaikband mit Porträts aller bisherigen Päpste – die jüngsten wie Benedikt und Franziskus sind auf der rechten Seite verewigt. Zu den kostbarsten Meisterwerken der Kirche gehört ein 5,60 Meter hoher Osterleuchter in Form eines Lebensbaums vom Ende des 12. Jahrhunderts und das Holzkruzifix mit dem gemarterten Heiland von 1300. Der Prototyp für alle folgenden Schmerzensmänner befindet sich in der Sakramentskapelle links.

Santa Maria Maggiore

Dass die größte Marienkirche Roms auch "Santa Maria della Neve" (Sankt Marien Schnee) genannt wird, liegt an der schönen Entstehungslegende des Gotteshauses: Der reiche römische Adlige Johannes und Papst Liberius hatten in der Sommernacht auf den 5. August 352 beide denselben Traum. Darin gab Maria ihnen den Auftrag, an der Stelle eine Kirche zu bauen, an der es in der Nacht geschneit hat. Deshalb steht auf dem wundersamerweise von Schnee bedeckten Esquilin-Hügel heute die Basilika. Viele Besucher halten wegen der weit ausladenden Treppe und einem Obelisken auf der Piazza del‘ Esquilino die Rückseite für die Front. Doch tatsächlich befindet die sich auf der anderen Seite mit dem Glockenturm und einer Benediktionsloggia an der Hauptfassade.

Papst Franziskus besuchte am ersten Tag nach seiner Wahl (am 14. März 2013) die Basilika Santa Maria Maggiore in Rom.
Papst Franziskus besuchte am ersten Tag nach seiner Wahl die Basilika Santa Maria Maggiore in Rom.
 KNA

Im Inneren ist die geschnitzte Kassettendecke mit dem ersten Gold aus Amerika geschmückt. Die Mosaike zwischen den Fenstern aus dem 5. Jahrhundert sind der älteste erhaltene Bibel-Bilderzyklus (aber leider nur mit Fernglas zu erkennen). Wie in den anderen römischen Basilicae maiores ist der Papstaltar mit einem großen Baldachin überdacht. Zudem befindet sich davor eine Krippenreliquie mit Brettern, die von Jesu Krippe stammen sollen. Hauptaugenmerk verdient das Apsismosaik, ein schönes und ausdrucksstarkes Werk, das die Krönung Mariens durch Jesus zeigt. Das besondere ist, dass Jesus gleich groß ist wie Maria und auf gleicher Höhe wie seine Mutter steht.

Ein Besuch in der Marienbasilika lohnt allemal: Zum einen, weil in einer unrepräsentativen Umfrage unter Romheimkehrern fast alle eben diese als ihre Lieblings-Papstbasilika nennen. Zum zweiten kann man sich eine Pilgerfahrt im sonst so unbarmherzig heißen August mit dem Kirchweihfest am 5. des Monats verschönern: Da wird das Schneewunder mit weißen Blütenblättern und Kunstschnee gefeiert. Und zuletzt auch, weil man mit ein bisschen Glück einen prominenten Gast von Maria Maggiore begegnen kann: Papst Franziskus betet in der Regel morgens vor und nach jeder seiner Reisen in der Basilika.

Stichwort: Basilika

Der Begriff Basilika stammt aus dem Griechischen und bedeutet "Königshalle". In der römischen Architektur bezeichnete er ursprünglich eine lange, meist mehrschiffige Halle. Daraus entwickelte sich die Hauptform des christlichen Kirchenbaus mit einem höheren Hauptschiff in der Mitte, welches durch ein Querhaus zur Kreuzform erweitert wurde. Die vier römischen Papstbasiliken Lateran, Maria Maggiore, Petersdom und St. Paul vor den Mauern haben einen Papstthron und -altar und unterstehen direkt dem Kirchenoberhaupt. Bis 2006 hießen sie noch Patriarchalbasiliken. Als Papst Benedikt XVI. damals seinen Titel "Patriarch des Westens" ablegte, wurden sie und die beiden Patriarchalbasiliken in Assisi entsprechend umtituliert. Diese sechs Kirchen werden seit dem 18. Jh. auch als "Basilicae maiores" bezeichnet, im Unterschied zu den "Basilicae minores". Die "kleinere Basilika" ist ein päpstlicher Ehrentitel, den weltweit mehr als 1.600 bedeutende Kirchen tragen, in Deutschland sind es 75. (luk)

Von Agathe Lukassek

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