Vatikan

"Dienst statt Machtposition"

Vorsitzender des Kardinalsrates Rodriguez zur Kurienreform

Bonn/Berlin - 20.01.2014

Der honduranische Kardinal Oscar Rodriguez Maradiaga (71) leitet den Kardinalsrat von Papst Franziskus zur Planung einer Kurienreform. Im Interview spricht der Ordensmann der Salesianer Don Boscos über Macht, Dienst und die Befugnisse der nationalen Bischofskonferenzen.

Frage: Herr Erzbischof, die katholische Kirche umfasst inzwischen weit über eine Milliarde Menschen. Muss auch die Zahl der Kardinäle entsprechend wachsen?

Rodriguez: Bislang orientieren sich die Päpste an der Zahl von 120. Wichtig ist, dass die verschiedenen Teile der Kirche angemessen repräsentiert sind. Das ist bislang noch nicht ganz der Fall.

Frage: Sehen Sie bei der Kollegialität Nachholbedarf?

Rodriguez: Nein, aber sie muss nun ausgeweitet werden. Die Synoden waren stets ein Instrument der Kollegialität. Und Papst Franziskus will die Synode nun zu einer ständigen Einrichtung machen.

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Der Vorsitzende des Kardinalsrats Oscar Rodriguez Maradiaga über aktuelle Vorschläge zur Kurienreform.  

Frage: Wenn die Bischofskonferenzen mehr Macht erhalten, würde dies zu einer größeren Dezentralisierung führen, so dass sie sich etwa im Recht unterscheiden?

Rodriguez: Nicht in Richtung eines unterschiedlichen Rechts. Aber ich denke, sie sollten mehr Entscheidungsbefugnisse erhalten. Viele Fragen müssen nicht notwendigerweise von der römischen Kurie entschieden werden.

Frage: Sie leiten das Gremium der Kardinäle, die den Papst bei der Kurienreform beraten sollen. Wo sehen Sie die dringlichsten Aufgaben?

Rodriguez: Der Papst sprach sich gegen einen "Karrierismus" an der Kurie aus. Viele beginnen einen Weg in der Kurie, über den sie gleichsam automatisch Bischof, Erzbischof oder sogar Kardinal werden. Das entspricht nicht länger der Mentalität der Weltkirche. Bischöfe aus allen Erdteilen haben ihren Unmut darüber deutlich gemacht. Die Tätigkeit an der römischen Kurie ist ein Dienst, es ist keine Karriere und keine Machtposition.

Frage: Wie verläuft die Arbeit im achtköpfigen Beratergremium des Papstes konkret?

Rodriguez: Die Treffen finden in einer Atmosphäre des Gebets, der Freundschaft und des Vertrauens statt. Wir kennen einander. Die Treffen finden in Santa Marta statt, ohne große äußere Formalien, in einem einfachen Besprechungsraum. Der Papst nimmt die meiste Zeit teil, gibt aber keine Direktiven von oben, sondern ist gleichsam Teil von uns. Das ist beeindruckend. Wir sprechen Probleme offen an, in einem Klima des Vertrauens. Wir sind da, um zu dienen und Empfehlungen zu geben. Dazu haben wir auch die Anliegen der Weltkirche gesammelt.

Frage: Wann wird es erste Ergebnisse geben?

Rodriguez: Es geht nicht um überstürztes Handeln. Nein. Der Papst nützt als Jesuit die Methode der geistigen Unterscheidung: Das bedeutet, es braucht die Zeit des Zuhörens, des Dialogs, des Gebets und dann der Entscheidung. Aber wir kommen gut voran.

Frage: Um welche Themen geht es?

Rodriguez: Wir haben mit der Frage der Synode begonnen. Dann ging es um das Staatssekretariat und die Dikasterien. Das Thema des nächsten Treffens sind die Päpstlichen Räte. Der Kardinalsrat soll aber nicht nur die Kurienreform behandeln, sondern ein ständiges Beratergremium des Papstes sein.

Frage: Nach welchen Kriterien bewerten Sie die Effizienz der Kurie?

Rodriguez: Eine der wichtigsten Kategorien ist der Dienst. Die Kurie soll kein Instrument der Machtausübung sein, sie steht im Dienste des Heiligen Vaters und der Weltkirche. Auch unser Rat ist kein Tribunal, um über Diözesen oder die Kurie zu richten, sondern ein Dienst.

Frage: Das hört sich weniger nach einer Strukturreform an, sondern eher nach einer Änderung im Selbstverständnis.

Rodriguez: Sicherlich geht es zuerst um eine Änderung der Haltung, die dann auch Konsequenzen für die Strukturen hat. Wir sehen aber auch, dass in der Organisation nichts grundsätzlich falsch ist. Vielleicht muss man die Zahl des Personals verringern und die Arbeit flexiber machen.

Frage: Sie kennen als Lateinamerikaner die deutsche Kirche sehr gut. Sie gehört zu den reichsten weltweit. Was bedeutet für sie die Botschaft des Papstes von der Hinwendung zu den Armen?

Rodriguez: Sicherlich ist sie relativ reich. Sie hat wunderschöne Kirchen. Aber vielleicht hilft keine Ortskirche der Weltkirche so sehr wie die deutsche. Auch das ist eine Option für die Armen. Deutschland denkt sehr stark in einer weltkirchlichen Dimension. Sie haben Misereor , Adveniat und Renovabis ins Leben gerufen. Ich kenne keine andere Kirche, die das tut. Und ich kenne hier eine Vielzahl an frommen Priestern und Bischöfen, die in Einfachheit leben.

Von Christoph Scholz und Ludwig Ring-Eifel (KNA)

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