Diözesanbaumeister: Umgenutzte Kirchen "irritieren"

Ob Wohnhaus oder Gartencenter: Für den Kölner Diözesanbaumeister Martin Struck bergen umgenutzte Kirchen gleiche mehrere Probleme. Dabei spielen nicht nur falsche Assoziationen eine Rolle.

Erzbistum Köln | Köln - 12.01.2018

Der Kölner Diözesanbaumeister Martin Struck sieht als größtes Problem bei der Umnutzung von Kirchen, dass sie falsche Assoziationen als Orte des Gebets und der Gemeindeversammlung wecken. Das Phänomen sei vor allem aus den Niederlanden bekannt, sagte er am Donnerstag dem Kölner domradio. "Die Kirche ist ein Gartencenter, eine eingerichtete Wohnung und so weiter. Das irritiert", so der Experte. "Wenn sie sich später eine Stadt anschauen, sehen sie zwar überall Kirchen, aber sie wissen nicht mehr, ob das tatsächlich ein Ort der Transzendenz, des Gebets ist."

Aus baulicher Sicht sei das größte Problem bei der Umnutzung der Denkmalschutz. "Kirchen sind oft die historischen Gebäude in einem Ort, die von Generationen bekannt sind", so der Bauexperte. Daher müssten mögliche Änderungen mit der Denkmalpflege abgestimmt sein, um den Bau in seiner Originalsubstanz zu erhalten.

"Eine Menge technischer Probleme"

Zudem gebe es "eine Menge technischer Probleme", da Kirchen von der Rechtsgrundlage her keine Versammlungsstätten und von daher privilegiert seien, sagte der Diözesanbaumeister. Bei einer Umnutzung müssten dann die gesetzlichen Bestimmungen für Versammlungsstätten erfüllt werden. "Dann muss man Parkplätze und Toiletten einrichten, was immer mit großem baulichem Aufwand verbunden ist und mit der Denkmalpflege kollidiert."

Als gelungenes Beispiel verwies er auf eine evangelische Kirche in Dortmund, die zu einem Zentrum mit sozialen und diakonischen Diensten und einem kleinen Gottesdienstraum umgewidmet wurde. "Diese Zeichenhaftigkeit halte ich bei dem ganzen Thema für immens wichtig: Dass man versuchen sollte, irgendwie noch die Möglichkeit zu belassen, dass man einen Raum für das Gebet hat - auch wenn es sich nur um eine kleine Kapelle handelt", hob Struck hervor. Damit könnte auch der Schmerz der Gemeindemitglieder über den Verlust ihres früheren Gotteshauses gelindert werden.

Struck äußerte sich anlässlich der am Donnerstag in der Kölner Kulturkirche eröffneten Wanderausstellung über zweckentfremdete Kirchen. Die Schau "Kirchengebäude der Zukunft" präsentiert Ergebnisse eines Wettbewerbs der Wüstenrot-Stiftung zu umgenutzten Sakralbauten. (KNA)

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