Ermittlungen: Kardinal wird Untreue vorgeworfen

Durch dubiose Immobiliengeschäfte machte die indische Diözese Ernakulam-Angamaly über 10 Millionen US-Dollar Verlust. Jetzt soll gegen ihren Bischof wegen Untreue ermittelt werden.

Indien | Cochin - 08.03.2018

Gegen den indischen Kardinal George Alencherry soll wegen Untreue ermittelt werden. Das beschloss das Oberste Gericht des südindischen Bundesstaates Kerala, wie die Zeitung "National Catholic Reporter" am Mittwoch berichtete. Demnach werden der Kardinal, zwei leitende Priester und ein Immobilienmakler beschuldigt, mehrere Grundstücke unrechtmäßig unter Wert verkauft und dabei Alencherrys Erzdiözese einen Schaden von über 10 Millionen US-Dollar zugefügt zu haben. Alencherry ist Großerzbischof und Oberhaupt der mit Rom unierten Syro-malabarischen katholischen Kirche. Sein Bistum Ernakulam-Angamaly liegt im Südwesten Indiens, wo die meisten Christen des Subkontinents leben.

Die Polizei müsse nun feststellen, ob der Straftatbestand der Untreue vorliege, sagte der Rechtsberater der Diözese, Litto Palathinkal. Wenn die Beschuldigten tatsächlich "ihnen anvertrautes Eigentum unredlich oder widerrechtlich veräußert" hätten, seien Geld- oder Gefängnisstrafen von bis zu drei Jahren denkbar, so der Anwalt. Dass der Erzbischof und die weiteren Beschuldigten vorläufig in Untersuchungshaft kommen, erwartet Palathinkal hingegen nicht.

Großkredit aufgenommen

Bereits im Februar war Alencherry die wirtschaftliche Kontrolle über sein Bistum entzogen und an einen Weihbischof übertragen worden. Auch die beiden beschuldigten Priester wurden von ihren Aufgaben entbunden. Den damaligen Medienberichten zufolge hatte Alencherry einen Großkredit aufgenommen und in der Folge die Kirchengrundstücke veräußert, um den Kredit abzahlen zu können. Die Geschäfte waren demnach offenbar nicht mit den zuständigen Bistumsinstanzen abgesprochen worden. Eine interne kirchliche Untersuchungskommission hatte empfohlen, die Verantwortlichen für die Misswirtschaft sowohl nach Kirchen- als auch nach Zivilrecht zur Rechenschaft zu ziehen.

Der Kardinal habe bei den Grundstücksverkäufen "gegen keine Landesgesetze verstoßen und alle kirchlichen Regeln eingehalten", hieß es in einer offiziellen Stellungnahme aus dem Büro Alencherrys. Auch seien die Geschäfte nicht vor den Bistumsinstanzen geheim gehalten worden. Der Erzbischof hätte die Grundstücke unter Wert verkaufen müssen, um Schulden der Diözese abzahlen zu können, hieß es weiter. (tmg)

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