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Syrien

Exodus aus Syrien

Christen fliehen vor Dschihadisten

Amman - 26.09.2013

Drei Jahrhunderte lebte die Familie von Abu Jahja im Norden Syriens. Sie überstand zwei Weltkriege und unzählige regionale Konflikte in ihrer Heimat Ain al-Dschuseh im Umland von Homs. Doch dann kamen die Dschihadisten - und den christlichen Syrern blieb nur noch die Flucht.

"Islamistische Kämpfer kamen zu unserem Haus und sagten, wir hätten zwei Möglichkeiten: zum Islam zu konvertieren oder zu gehen", sagt Abu Jahja, der inzwischen im jordanischen Flüchtlingslager Saatari lebt. "Für uns gibt es in Syrien keinen Platz mehr", erklärt er. Er hat Angst. Seinen Familiennamen will er nicht nennen.

Zweieinhalb Jahre nach Beginn des Aufstands gegen Präsident Baschar al-Assad in Syrien verlassen mit der wachsenden Flüchtlingswelle auch immer mehr Christen das arabische Land. Kirchenführer warnen bereits, dass der zunehmende Einfluss von islamischen Extremisten das Ende der ältesten christlichen Gemeinschaft der Welt bedeuten könnte. Christen machten vor Beginn des Konflikts im Frühjahr 2011 etwa zehn Prozent der rund 20 Millionen Einwohner Syriens aus. Schätzungen zufolge sind unter den gut zwei Millionen Syrern, die bislang ins Ausland flohen, rund 100.000 Angehörige der verschiedenen christlichen Konfessionen.

Aus dem Bürgerkrieg raushalten

Zwar gibt es einige Geistliche, die stramme Assad-Anhänger sind und etliche christliche Regimegegner. Die meisten Christen hatten jedoch zunächst versucht, sich aus dem Bürgerkrieg herauszuhalten. Von einigen Oppositionellen werden sie deswegen als "Kollaborateure" angesehen. Je länger der Bürgerkrieg andauerte und je brutaler er wurde, umso häufiger gab es auch Übergriffe auf Christen: Bischöfe wurden entführt, einige Geistliche sogar getötet.

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Seit über zwei Jahren tobt der Bürgerkrieg in Syrien. Die ursprüngliche Motivation, die Demokratisierung des Landes zu erreichen, hat sich jedoch verschoben – der Kampf aus religiösen und ethnischen Gründen trat in den Vordergrund. Unter der Situation leiden vor allem die Christen, sagt Erzbischof Flavien Joseph Melki.  Bistum Eichstätt

Zuletzt geriet die syrische Christenenklave Maalula in die Schlagzeilen: Denn der Ort unweit von Damaskus - wo alte Menschen noch Aramäisch, die Sprache Christi, sprechen - wurde zeitweise von islamistischen Rebellen eingenommen. Später verkündete das Regime wiederum medienwirksam, die Islamisten vertrieben zu haben - allerdings waren da auch schon die meisten Christen geflohen.

Vertrauen der Christen geht immer wieder verloren

Abu Mohammed al-Hamad, ein Kommandeur der oppositionellen Freien Syrischen Armee in Aleppo, will das Vertrauen der christlichen Gemeinde in seinem Zuständigkeitsbereich gewinnen. "Wir versichern unseren christlichen Brüdern immer wieder, dass wir für ein freies Syrien kämpfen und nicht für einen islamischen Gottesstaat", sagt er. "Doch jedes Mal, wenn Dschihadisten für einen Angriff oder eine Entführung verantwortlich gemacht werden, ist das Vertrauen der Christen in die Revolution und in uns wieder verloren."

„Für uns Christen gibt es nur noch einen Weg: den nach Westen.“

George aus Damaskus

Christliche Syrer im Exil überlegen derweil, wo sie künftig leben sollen. Viele blicken nach Europa. Denn sie haben die Hoffnung verloren, in ihr Heimatland zurückkehren zu können. Der 52-jährige Juwelier George aus Damaskus sagt: "Extremismus hat den Irak zerstört, den Libanon, Ägypten und jetzt Syrien." Er steht in einer Warteschlange vor der schwedischen Botschaft in Amman, wo er einen Antrag auf Asyl stellen will. "Für uns Christen gibt es nur noch einen Weg: den nach Westen."

Von Taylor Luck

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