Gottes Therapie bei mangelndem Vertrauen

Im heutigen Sonntagsevangelium von den Dienern und ihren Talenten geht es nur vordergründig um Geld. Dahinter steckt eine Botschaft gegen Angst und für Vertrauen.

Ausgelegt! | Bonn - 18.11.2017

Impuls von Christoph Kreitmeir

Jesus spricht in Gleichnissen, immer wieder! Und so dürfen wir das "Gleichnis vom anvertrauten Geld" nicht nur auf der finanziellen Ebene verstehen lernen, auch wenn uns das sehr nachvollziehbar vorkommt: Drei Verwalter bekommen Geld, mit dem sie wirtschaften sollen. Zwei machen das ihren Fähigkeiten entsprechend gut und erhalten bei der "Abrechnung" mit dem Geldgeber nicht nur Lob, sondern noch mehr Geld, um gut weiter zu wirtschaften. Der Dritte aber tut nichts mit dem Anvertrauten! Der genannte Grund ist seine Angst vor dem Herrn. Dieser tadelt ihn als faul und schlecht, lässt ihm das Geliehene wegnehmen und bestraft ihn mit Ausstoßung bis in die äußerste Finsternis.

Hinter dem Wort "anvertraut" verbirgt sich eine Realität, die nicht nur Geschäftsbeziehungen belastbar und ausbaufähig macht: Vertrauen. Ohne Vertrauen zerbricht über kurz oder lang jede Beziehung zwischen Menschen und – das ist der tiefere Sinn dieses Gleichnisses – auch zwischen Menschen und Gott. Alle Bereiche zwischenmenschlichen Zusammenlebens bauen letztlich auf Vertrauen auf. Man muss sich darauf verlassen können, dass Ärzte, Schwestern, Sanitäter, Feuerwehr und Polizei sich für das Leben und den höheren Wert eines Allgemeinwesens einsetzen. Wenn nicht, dann "gute Nacht"! Deshalb ist es ja so erschütternd, wenn Banken Milliarden unserer Gelder "verbrennen", Ärzte mit Organen Handel betreiben oder Priester Kinder missbrauchen, um nur einige schlimme Beispiele aus einer Vielzahl zu nennen. Da zerbricht etwas Wesentliches zwischen den Menschen - der "soziale Kit" zerbröselt. Seit einiger Zeit geht ein Ungeist in fast allen gesellschaftlich relevanten Bereichen durch unser Land und unsere Welt, der alles auf tönerne und sehr zerbrechliche Füße stellen will. Dabei wächst das Misstrauen und die Angst wie ein immer größer werdendes Krebsgeschwür und macht alles mürbe.

Das "Gleichnis vom anvertrauten Geld" darf nicht schön gelesen oder geredet werden. Jesus bringt es auf den Punkt: Wenn du mit dem dir Anvertrauten schlecht, faul oder angstbesetzt umgehst, dann wirst du zur Rechenschaft gezogen werden. Wie bei einer Operation wird das "Faule" weggeschnitten, damit das Gesunde nachwachsen kann. Es ist wichtig und richtig, gegen den Zeitgeist des Schlendrians, der Weltuntergangsstimmung und des "jeder nur für sich" anzugehen. Diese Allgemeinstimmung lässt nämlich Negatives wachsen und hemmt die positiven Gegenkräfte. Gott setzt einen Kontrapunkt: Vertrauen statt Angst, Mut statt Resignation, Liebe statt Egoismus, Einsatz statt Faulheit. Warum? Weil es das Gute in einem selber, zwischen den Menschen und letztlich auch zwischen Gott und uns "Verwaltern seiner Gaben" wachsen lässt.

Von Christoph Kreitmeir

Evangelium nach Matthäus (Mt 25, 14-30)

In jener Zeit erzählte Jesus seinen Jüngern das folgende Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Mann, der auf Reisen ging: Er rief seine Diener und vertraute ihnen sein Vermögen an. Dem einen gab er fünf Talente Silbergeld, einem anderen zwei, wieder einem anderen eines, jedem nach seinen Fähigkeiten. Dann reiste er ab. Sofort begann der Diener, der fünf Talente erhalten hatte, mit ihnen zu wirtschaften, und er gewann noch fünf dazu. Ebenso gewann der, der zwei erhalten hatte, noch zwei dazu. Der aber, der das eine Talent erhalten hatte, ging und grub ein Loch in die Erde und versteckte das Geld des Herrn.

Nach langer Zeit kehrte der Herr zurück, um von den Dienern Rechenschaft zu verlangen. Da kam der, der die fünf Talente erhalten hatte, brachte fünf weitere und sagte: Herr, fünf Talente hast du mir gegeben; sieh her, ich habe noch fünf dazugewonnen. Sein Herr sagte zu ihm: Sehr gut, du bist ein tüchtiger und treuer Diener. Du bist im Kleinen ein treuer Verwalter gewesen, ich will dir eine große Aufgabe übertragen. Komm, nimm teil an der Freude deines Herrn!

Dann kam der Diener, der zwei Talente erhalten hatte, und sagte: Herr, du hast mir zwei Talente gegeben; sieh her, ich habe noch zwei dazugewonnen. Sein Herr sagte zu ihm: Sehr gut, du bist ein tüchtiger und treuer Diener. Du bist im Kleinen ein treuer Verwalter gewesen, ich will dir eine große Aufgabe übertragen. Komm, nimm teil an der Freude deines Herrn!

Zuletzt kam auch der Diener, der das eine Talent erhalten hatte, und sagte: Herr, ich wusste, dass du ein strenger Mann bist; du erntest, wo du nicht gesät hast, und sammelst, wo du nicht ausgestreut hast; weil ich Angst hatte, habe ich dein Geld in der Erde versteckt. Hier hast du es wieder. Sein Herr antwortete ihm: Du bist ein schlechter und fauler Diener! Du hast doch gewusst, dass ich ernte, wo ich nicht gesät habe und sammle, wo ich nicht ausgestreut habe.

Hättest du mein Geld wenigstens auf die Bank gebracht, dann hätte ich es bei meiner Rückkehr mit Zinsen zurückerhalten. Darum nehmt ihm das Talent weg und gebt es dem, der die zehn Talente hat! Denn wer hat, dem wird gegeben, und er wird im Überfluss haben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat. Werft den nichtsnutzigen Diener hinaus in die äußerste Finsternis! Dort wird er heulen und mit den Zähnen knirschen.

Der Autor

Der Priester Christoph Kreitmeir arbeitet in der Klinikseelsorge am Klinikum Ingolstadt und in der Erwachsenbildung.

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