In der Offensive

Über die Kirchenfinanzen wurde in diesem Jahr besonders kontrovers diskutiert. Jetzt haben weitere Bistümer mit Blick auf ihren Haushalt die angestrebte größere Transparenz vorangetrieben.

Finanzen | Bonn - 02.12.2014

Wenn es neben den vielen Themen, die die Kirche in diesem Jahr beschäftigt haben, eines gibt, dass besonders der deutschen Kirche im Gedächtnis bleiben wird, dann ist es wohl das Thema "Kirchenfinanzen". Aus dem Skandal um den Neubau am Limburger Domberg haben viele Bistümer gelernt und ihre Haushaltsplanungen transparenter gemacht. Auch in diesen Tagen haben wieder mehrere Bistümer Einblick in ihre Finanzen gewährt.

Bistum Rottenburg-Stuttgart

Mit einem Kirchensteuer-Zuwachs von vier Prozent rechnet das Bistum Rottenburg-Stuttgart für dieses Jahr. Für 2015 und 2016 wird mit einer weiteren Zunahme von jeweils einem Prozent gerechnet. Daraus ergibt sich nach einem Beschluss des Diözesanrats für die beiden kommenden Jahre ein ausgeglichener Haushalt von je rund 360 Millionen Euro, wie die Bistumsleitung am Dienstag in Rottenburg erläuterte. Der Überschuss des Rechnungsjahres 2013 in Höhe von 4,2 Millionen Euro geht an den Flüchtlingsfonds des Bistums.

Das erwartete Bruttokirchensteueraufkommen Württembergs beträgt nach Einschätzung von Generalvikar Clemens Stroppel für das kommende Jahr 591,6 und für 2016 rund 597,5 Millionen Euro. Das zu verteilende Aufkommen liegt laut Planung bei 434,5 sowie bei 440,9 Millionen Euro. Die Differenz zwischen Brutto und Netto erklärt sich durch die Verwaltungskosten für die Erhebung der Kirchensteuer an das Land, für Ausgleichszahlungen an andere Bistümer und für die Finanzierung überdiözesaner Ausgaben. Der Rest, rund 73 Prozent, wird gehälftet: 50 Prozent gehen an die Gemeinden und 50 Prozent an das Bistum. Die Schwerpunkte im Bistum heißen Familienförderung und Hilfen für Flüchtlinge.

Der Diözesanratsvorsitzende Johannes Warmbrunn betonte, über die Verteilung der Mittel entschieden rund 100 Menschen. Entscheidungsverfahren und Verwaltung seien transparent. Das württembergische Modell ist bundesweit einmalig. Der Kirchensteuersatz liegt in Baden-Württemberg bei acht Prozent.

Bistum Passau

"Wir wollen durch Offenheit und Transparenz auch in finanziellen Dingen zur Glaubwürdigkeit unserer Kirche beitragen", sagt Bischof Stefan Oster laut einer Pressemitteilung, die das Bistum am Montag veröffentlicht hat. In einem ersten Schritt sind daher nun die Finanzmittel des Bischöflichen Stuhls für das Jahr 2013 offen gelegt worden. Das Vermögen belaufe sich demnach auf knapp 190 Millionen Euro, heißt es in der Mitteilung. Die Überschüsse beliefen sich auf rund fünf Millionen Euro im Jahr. Damit soll 2015 die Caritas-Einrichtung Konradium mit einem Bauvolumen von 6,3 Millionen Euro unterstützt werden, heißt es weiter. Neben einer Obdachlosenunterkunft befinden sich in der Einrichtung auch verschiedene Beratungsstellen für Suchtkranke.

Blick auf den Passauer Dom St. Stephan.
Blick auf den Passauer Dom St. Stephan.
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Die Finanzmittel der Diözese liegen laut Auskunft der Pressestelle bei 280 Millionen Euro. Damit verantworte diese unter anderem den gesamten laufenden Haushalt mit einem Volumen von 110 Millionen Euro, der regelmäßig veröffentlicht wird. Die Emeritenanstalt, die für die Versorgung der Geistlichen verantwortlich ist, verfügt über ein Vermögen von 98 Millionen Euro. Beim Domkapitel seien es rund 250.000 Euro.

Eine Bewertung der Grundstücke und Immobilien in den einzelnen Rechtsträgern konnte das Bistum noch nicht vorlegen. Da dies noch nie gemacht worden sei, stelle der Vorgang die Diözese vor eine große Herausforderung , heißt es. Als erster Schritt müsse eine Methode dafür gefunden werden. Zahlen sollen 2015 folgen.

Erzbistum Berlin

Das Erzbistum Berlin hat am Montag zum ersten Mal einen Geschäftsbericht für 2012 vorgelegt. Die jährlich erstellten Haushalte werden bereits seit mehreren Jahren veröffentlicht. Mit dem erstmals erstellten Geschäftsbericht sollen die Finanzen nun noch transparenter gestaltet werden, schreibt Bernd Jünemann, der das Dezernat für Finanzen und Bau der Erzdiözese leitet, im Vorwort.

Für das Haushaltsjahr 2012 hat das Erzbistum die kirchliche Haushaltsführung auf die transparentere sogenannte doppelte Buchführung umgestellt. Die finanzielle Entwicklung sei besser gewesen als erwartet, und die Kirchensteuereinnahmen seien höher ausgefallen, bilanzierte der Diözesanadministrator Tobias Przytarski. Das schaffe «einen gewissen Freiraum» für die geplanten Vorhaben.

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Ein Beitrag der Serie "Katholisch für Anfänger". Die Zeichentrickserie erklärt auf einfache und humorvolle Art zentrale Begriffe aus Kirche und Christentum. In dieser Folge geht es um die Kirchenfinanzierung.
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Laut Bericht verfügte das Erzbistum Ende 2012 über ein Vermögen von 481,5 Millionen Euro, wovon 281,6 Millionen Euro sogenannte Rückstellungen ausmachen. Dazu gehören allein 207 Millionen Euro für Pensionen. Das Eigenkapital Berlins belief sich auf knapp 170 Millionen Euro. Der Sachwert für Grundstücke und Gebäude ist mit gut 120 Millionen Euro veranschlagt.

An Einnahmen listet die Bilanz 206,5 Millionen Euro auf, davon 98,6 Millionen Euro Kirchensteuern und 4,3 Millionen Euro Staatsleistungen. Auf der Ausgabenseite machen die Personalkosten mit 88 Millionen Euro den größten Posten aus.

Bisher hatte das Erzbistum wie die meisten anderen Bistümer den Haushalt nach dem sogenannten kameralistischen Verfahren geführt. Bei diesem Abrechnungssystem werden die laufenden Einnahmen und Ausgaben gegengerechnet. Die doppelte Buchführung hingegen weist nicht nur eine Gewinn- und Verlustrechnung auf, sondern auch eine Bilanz, die Vermögen und Anlagen ebenso angibt wie die entsprechenden Verbindlichkeiten, zum Beispiel Rückstellungen für Pensionszahlungen.

Bistum Hildesheim

Bereits am Wochenende hatte der Kirchensteuerrat des Bistums Hildesheim den Wirtschaftsplan der Diözese für 2015 einstimmig genehmigt. Das Volumen des Haushalts liegt laut einer Presseerklärung des Bistums bei 197,5 Millionen Euro, das sind 12,6 Millionen Euro mehr als im laufenden Jahr. Der Jahresüberschuss wird mit etwa 9,7 Millionen Euro (2014: 6,7 Millionen Euro) geplant, heißt es weiter.

Nach viereinhalbjähriger Bauzeit wird der Hildesheimer Dom am 15. August 2014 wieder geöffnet.
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Das Bistum rechnet nach eigenen Angaben für das kommende Jahr mit einem Anstieg der Kirchensteuereinnahmen um drei Prozent. Mittel- bis langfristig sei allerdings zu erwarten, dass der demografische Wandel zu einem deutlichen Rückgang der Kirchensteuereinnahmen führen wird. Die derzeitige Ertragslage soll dafür genutzt werden, weiterhin Rücklagen aufzubauen, um mögliche Folgen geringerer Einnahmen in der Zukunft abzumildern. Außerdem werden Sonderrücklagen gebildet; sie betreffen die Versorgungsverpflichtungen für Priester, Beamte und Lehrkräfte. In die allgemeine Rücklage fließen im kommenden Jahr 12,9 Millionen Euro (2014: 15,4 Millionen Euro).

Der Diözesankirchensteuerrat hat die Aufgabe, den Haushalt des Bistums zu beschließen. Vorsitzender ist der Generalvikar. Weitere Mitglieder sind Sachverständige, die vom Bischof berufen werden, und gewählte Mitglieder aus den Reihen der Priester und Laien der Diözese. Gegenwärtig hat das Gremium 26 Mitglieder. Er tagt in der Regel zweimal jährlich. Seine Amtszeit beträgt fünf Jahre.

(mit Material von KNA)

Von Sophia Michalzik

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