Katholikentag: Scheitert Erfurts Bewerbung am Geld?

Das ZdK würde sich über einen Katholikentag in Erfurt im Jahr 2024 ebenso freuen wie Bischof Ulrich Neymeyr. Und auch der Stadtrat wollte eine entsprechende Vorlage beschließen. Doch es kam anders. Vorerst.

Katholikentag | Erfurt - 15.05.2018

Wo der nächste Deutsche Katholikentag 2022 stattfindet? Keine Ahnung. Bislang ist noch nichts bekannt. Wo hingegen der übernächste Katholikentag 2024 stattfinden soll, dazu verdichten sich die Hinweise. Ende vergangener Woche waren auf dem Katholikentag in Münster Gerüchte über eine Bewerbung Erfurts als Austragungsort bekannt geworden. Prompt verlautete Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) am Samstag: "Ich persönlich würde den Katholikentag 2024 in Erfurt als wunderbares Zeichen für religiöse Vielfalt sehr begrüßen." Da hatte das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) als Veranstalter schon längst bei dem bekennenden Protestanten angeklopft.

"Das ZdK würde sich über einen Katholikentag 2024 in Erfurt freuen", sagte der Sprecher des höchsten katholischen Laiengremiums, Theodor Bolzenius, der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Dienstag. Man habe über Erfurt als Austragungsort zunächst Gespräche mit dem Bistum Erfurt geführt, dann mit dem Land Thüringen und schließlich mit der Stadt Erfurt.

Erfurt wäre erstmals Austragungsort

Das geht auch aus der Vorlage hervor, die der Stadtrat eigentlich an diesem Mittwoch beschließen wollte. Darin heißt es, das ZdK habe Anfang 2018 Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) "den konkreten Vorschlag einer Bewerbung Erfurts" überbracht. Die Idee sei bereits Anfang 2017 schon einmal diskutiert worden. In der 170-jährigen Geschichte der Katholikentage wäre Erfurt erstmals Austragungsort.

Doch nun hat der Erfurter Stadtrat erst einmal seine Entscheidung über die vom Oberbürgermeister eingereichte Beschlussvorlage vertagt - auf die nächste Ratssitzung am 27. Juni. Die Vorberatungen seien noch nicht abgeschlossen, begründete eine Sprecherin der Stadt auf Anfrage am Dienstag den Aufschub.

Der Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr vor dem Erfurter Dom.
Bischof Ulrich Neymeyr würde sich über einen Katholikentag in Erfurt freuen - aber nur, wenn alle Bürger der Stadt die Entscheidung mittragen.
 dpa/Michael Reichel

Dahinter stehen offenbar noch Fragen der Finanzierung. Die Vorlage sieht einen Zuschuss für den Katholikentag in Höhe von bis zu 1,2 Millionen Euro vor. Allerdings ist daran eine Bedingung geknüpft: "Höher als der Zuschuss des Bistums Erfurt sollte der kommunale Zuschuss generell nicht ausfallen." Es dürfte aber fraglich sein, ob das eher kleine Bistum Erfurt mit seinen lediglich 150.000 Katholiken einen solch hohen Betrag aufbringen kann.

Beim Sonntag zu Ende gegangenen Katholikentag hatte die Stadt Münster das Christentreffen mit Sachleistungen im Wert von 682.000 Euro unterstützt, zusätzlich gab es von der stadtnahen Sparkassen-Stiftung einen Zuschuss von 300.000 Euro. Das vergleichsweise reiche Bistum Münster hatte 1,5 Millionen Euro zum Gesamtetat von knapp 9,4 Millionen Euro beigesteuert. Beim vorangegangenen Katholikentag 2016 in Leipzig hatte das mit 142.000 Katholiken ebenfalls kleine Bistum Dresden-Meißen 600.000 Euro gegeben, der kommunale Zuschuss belief sich auf eine Million Euro.

In Leipzig und Münster Streit um städtische Zuschüsse

Sowohl in Leipzig wie in Münster hatte es zuvor Streit über Höhe und Form der städtischen Unterstützung gegeben. Das ZdK hatte die Stadt Münster ursprünglich um 1,5 Millionen Euro gebeten. Dass de facto Leipzig mit seinen knapp vier Prozent Katholiken mehr für ein christliches Großevent beisteuerte als das "katholische Münster", war mancherorts mit ungläubigem Staunen quittiert worden.

Da die Geschäftsführung des Katholikentags mit diesen Fragen nun reichlich Erfahrung gesammelt haben dürfte, ist davon auszugehen, dass man auch für Erfurt eine Lösung findet. Bischof Ulrich Neymeyr erklärte auf Anfrage, ihm sei "sehr daran gelegen", dass ein möglicher Katholikentag von "den Menschen in der Stadt Erfurt gewollt und unterstützt ist". Er betonte: "Ich möchte verhindern, dass das gute Verhältnis der Stadtbevölkerung zu den sieben Prozent katholischen Bürgerinnen und Bürgern getrübt wird."

Stechen dürfte wohl das Argument, dass Katholikentage durch die Besucher üblicherweise mehrere Millionen Euro in die Stadtkassen spülen. Im Münster zählte das fünftägige Großevent insgesamt über 70.000 Teilnehmer. Da Thüringen - vom Eichsfeld abgesehen - nicht gerade "katholisches Stammland" ist, dürfte es in Erfurt kleiner ausfallen. Dennoch wäre es wohl nach dem Papstbesuch 2011 das größte katholische Event im Freistaat.

Von Karin Wollschläger (KNA)

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