Katholikenzahl weltweit gestiegen

Eine neue Studie des pastoralwissenschaftlichen Instituts CARA in Washington zeigt: Anders als in Deutschland wächst die Zahl der Katholiken weltweit deutlich an - allein in den vergangenen drei Jahrzehnten um 57 Prozent. Gegenläufig ist der Trend bei den Priestern.

Statistik | Washington - 01.06.2015

Die Zahl der Katholiken weltweit ist in den vergangenen drei Jahrzehnten um 57 Prozent gestiegen, die der Priester um 17 Prozent gesunken. Das geht aus einer am Montag veröffentlichten Analyse des pastoralwissenschaftlichen Instituts CARA in Washington hervor.

Demnach wuchs die katholische Kirche zwischen 1980 und 2012 um 445 Millionen Mitglieder auf insgesamt 1,22 Milliarden; die Zahl der Priester ging um rund 20.550 auf 393.000 zurück.

Überdurchschnittlich viele Pfarreien in Europa

Die Studie, die auf vatikanischen Daten fußt, verzeichnet ein regional ungleiches Wachstum der katholischen Kirche. So habe die katholische Bevölkerung in Europa nur um 6 Prozent zugenommen, in Afrika hingegen um 238 Prozent. Dieser Anstieg hänge eher mit der allgemeinen Bevölkerungsentwicklung auf dem afrikanischen Kontinent zusammen, weniger mit Einwanderung oder Mission.

Die Zahl der Priester ist weltweit gesunken.
 Lisa F. Young/Fotolia.com

Der Katholikenanteil an der Weltbevölkerung hielt sich den Angaben zufolge über die vergangenen 50 Jahre relativ stabil bei 17,5 Prozent. Die Zahl der Pfarreien sei gegenüber dem Wachstum an Gläubigen - 57 Prozent seit 1980 - nur um 7 Prozent gestiegen. Zudem seien Pfarreien ungleich verteilt: In Europa lebten lediglich 23 Prozent aller Katholiken; der Kontinent habe aber noch immer mehr Pfarreien als der Rest der Welt.

Besaß eine Pfarrgemeinde 1980 im Durchschnitt 3.759 Mitglieder, so sind es nach den jüngsten Zahlen 5.491, also 46 Prozent mehr. Um mit der Entwicklung an Gläubigen Schritt zu halten, müssten bis 2050 rund 75.000 neue Pfarreien hinzukommen.

Zahl der Geistlichen in Afrika steigt um 131 Prozent

Die Zahl der Priester folgte der Studie zufolge jeweils einem ähnlichen Trend wie die der Gläubigen. Demnach ging in Europa seit 1980 die Zahl der Geistlichen um 32 Prozent zurück; in Afrika stieg deren Zahl um 131 Prozent, in Asien um 121 Prozent.

Noch immer habe Europa einen überproportionalen Anteil an Priestern, nämlich 42 Prozent bei 23 Prozent der katholischen Bevölkerung. Demgegenüber sei die Nachfrage nach Sakramenten in Europa niedriger als in anderen Weltregionen: Während die Rate des wöchentlichen Messbesuchs in Europa bei 20 Prozent liege, seien es in Afrika 70 Prozent, so die Analyse.

Dem weltweiten Wachstum der Kirche steht eine gegenläufige Bewegung in Deutschland gegenüber. Der Anteil der Katholiken an der Gesamtbevölkerung sank nach aktuellen Statistiken von 32,3 Prozent im Jahr 2001 auf knapp 30 Prozent 2013. In diesem Jahr, als der Finanzskandal um das Limburger Bischofshaus bekannt wurde, traten rund 179.000 Menschen aus der katholischen Kirche aus, etwa 60.000 mehr als 2012. Wegen des Priestermangels müssen immer mehr Gemeinden zu Großpfarreien zusammengelegt werden. (gho/KNA)

Muss die Kirche zurück ins Dorf?

Der Theologe Herbert Haslinger hat die diözesanen Strukturprozesse scharf kritisiert und als "Irrweg" bezeichnet. Doch wie sehen diese Strukturprozesse in der Praxis wirklich aus? Katholisch.de hat zwei junge Seelsorger nach ihrer Meinung befragt.

Zum Artikel

RSS-Feeds  |  Impressum  |  Über uns  |  Datenschutz  |  © 2017