"Kein Widerstand gegen den Papst"

Der vatikanische Innenminister hat Spekulationen über angebliche Intrigen und interne Widerstände gegen Papst Franziskus zurückgewiesen. "Diese Zeiten sind vorbei", sagte Erzbischof Angelo Becciu dem Sender "TV 2000".

Vatikan | Vatikanstadt - 07.11.2015

Der vatikanische Innenminister hat Spekulationen über angebliche Intrigen und interne Widerstände gegen Papst Franziskus zurückgewiesen. "Diese Zeiten sind vorbei", sagte Erzbischof Angelo Becciu dem katholischen Fernsehsender "TV 2000".

Franziskus habe keineswegs die Kurie gegen sich. Bei der Besprechung von Reformen gäben "viele ihre Einschätzung dazu ab". Dahinter stehe jedoch kein "Widerstand", sondern "der Wille, die Dinge richtig zu machen", so Becciu.

"Es berührt mich oft, zu sehen, wie ältere Menschen, die bisher nach einem bestimmten Stil gelebt haben, sich umorientieren und sich der Entscheidung des Papstes beugen. Wenn der Papst entscheidet, nehmen sie das sofort an", wurde Becciu in der am Samstag von "Radio Vatikan" veröffentlichten Zusammenfassung zitiert. Das Interview wurde von "TV 2000" bereits am Donnerstag ausgestrahlt.

Dokumente über Misswirtschaft, Korruption und Intrigen im Vatikan

In dieser Woche waren zwei Enthüllungsbücher erschienen, die vertrauliche Dokumente über Misswirtschaft, Korruption und Intrigen im Vatikan in den zurückliegenden Jahren enthielten. Am vorigen Wochenende waren ein ranghoher vatikanischer Geistlicher und eine italienische PR-Fachfrau unter dem Vorwurf des Geheimnisverrats von der vatikanischen Gendarmerie festgenommen worden; die Frau wurde am Montag wieder auf freien Fuß gesetzt, gilt jedoch trotz Unschuldsbeteuerung weiterhin als Verdächtige.

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Vertrauliche Vatikan-Dokumente in der Öffentlichkeit. Diesmal soll es nicht der päpstliche Kammerdiener gewesen sein, sondern ein ranghoher Geistlicher und eine italienische PR-Spezialistin. Beide wurden am Wochenende festgenommen.

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Die Festnahmen kommentierte Becciu mit den Worten: "Wir haben hart reagiert, auch als Lektion für diejenigen, denen es mal in den Sinn kommen könnte, eine ähnliche Dummheit zu begehen!". Es sei schwer zu verstehen, so der Erzbischof weiter, dass die Vedächtigten behaupteten, sie wollten mit ihrem Geheimnisverrat dem Papst helfen. Eine solche Hilfe könne Franziskus nicht gebrauchen. Er benötige Mitarbeiter, die loyal seien und Geheimnisse für sich behalten könnten.

"Schwerwiegender Fall von Illoyalität"

Becciu verwies darauf, dass die beiden Verdächtigen, der spanische Priester Lucio Angel Vallejo Balda und Francesca Chaouqui, eine Erklärung unterzeichnet hätten, dass sie die Dokumente und den Inhalt der Besprechungen der Kommission für die Neuordnung der wirtschaftlichen Angelegenheiten vertraulich behandeln würden. Es liege daher auch in rechtlicher Hinsicht ein "schwerwiegender Fall von Illoyalität" vor. Anwälte prüften derzeit weitere rechtliche Schritte außerhalb des Vatikan.

Zugleich betonte Becciu, dass Missstände und Fehlverhalten im Vatikan korrigiert werden müssten. Daran arbeite Papst Franziskus bereits seit seinem Amtsantritt. Der Inhalt der zwei neuen Enthüllungsbücher belege dieses Wunsch des Papstes nach mehr Transparenz. (KNA)

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