Kinderschutz: Müller weist Vorwürfe zurück

Die Irin Marie Collins hatte der Glaubenskongregation vorgeworfen, nicht genug für die Opfer von Missbrauch zu tun. Daraufhin kündigte sie ihren Dienst im Vatikan. Nun antwortet der Kardinal.

Missbrauch | Rom - 05.03.2017

Kurienkardinal Gerhard Ludwig Müller hat den Vorwurf zurückgewiesen, die Glaubenskongregation im Vatikan reagiere nicht angemessen auf Schreiben von Opfern sexuellen Missbrauchs. Es sei eine seelsorgerische Aufgabe solche Briefe zu beantworten und obliege daher den Ortsbischöfen und Generaloberen der Orden, die den Opfern näher stünden, sagte Müller in einem Interview der italienischen Tageszeitung "Corriere della Sera" (Sonntag). Die Glaubenskongregation habe hingegen die Aufgabe, einen kirchenrechtlichen Prozess zu führen, so der Präfekt der Glaubenskongregation. Müllers Behörde ist im Vatikan für die Ahndung sexuellen Missbrauchs durch Priester zuständig.

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Die Irin Marie Collins ist aus der päpstlichen Kinderschutzkommission ausgetreten. Damit gehört dem Gremium nun kein Opfer mehr an. Und das soll sich der Vatikan selbst eingebrockt zu haben.

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Müller reagierte damit auf Vorwürfe des Missbrauchopfers Marie Collins, die ihren Rücktritt aus der päpstlichen Kinderschutzkommission vor einigen Tagen mit mangelnder Kooperationsbereitschaft der römischen Kurie, vor allem der Glaubenskongregation, begründet hatte. Collins war im Alter von 13 Jahren von einem Priester sexuell missbraucht worden. Sie hatte die Glaubenskongregation nach eigener Darstellung gebeten, Schreiben von Missbrauchsopfern zu beantworten. Die Ablehnung ihres Ansinnens gab nach ihrer Darstellung den letzten Ausschlag für den Rücktritt.

Müller: Das ist nicht Aufgabe der Kongregation

Müller betonte in dem Interview, dass seine Behörde in ständigem Kontakt zur päpstlichen Kinderschutzkommission stehe, beide hätten jedoch unterschiedliche Aufgaben. Er verwies darauf, dass Papst Franziskus jüngst den Vorsitzenden der Kommission, Bostons Kardinal Sean Patrick O'Malley, zum Mitglied der Glaubenskongregation ernannt habe.

Laut Müller informiert die Glaubenskongregation stets den zuständigen Ortsbischof, wenn ein Brief von einem Missbrauchsopfer eingeht, um eine seelsorgerische Betreuung zu ermöglichen. Zudem werde dem Bischof mitgeteilt, dass die Kongregation alles in ihrer Macht Stehende tue, um Gerechtigkeit zu schaffen. Es sei jedoch ein Missverständnis, zu glauben, seine Behörde könne sich um alle Bistümer und Orden der Weltkirche kümmern, sagte Müller. Dies würde sowohl gegen das "legitime Prinzip der Autonomie der Bistümer" als auch gegen den Grundsatz der Subsidiarität verstoßen.

Kardinal fordert umfassenden Mentalitätswandel

Im Interview ging Müller auch auf Kritik von Pater Hans Zollner, dem Leiter des Kinderschutzzentrums an der Päpstlichen Universität Gregoriana, ein. Dieser hatte von "passivem Widerstand" gesprochen, der sich etwa im langjährigen Schweigen über das Thema Kindesmissbrauch in Kirche und Gesellschaft äußern würde. "Ich denke, allein mit der Androhung von Strafen – kirchlich wie zivil – können wir die Situation nicht lösen oder auch nur verbessern", sagte Müller. "Wir brauchen einen kompletten Wandel: Vom Egoismus im Bereich der Sexualität hin zu einem umfassenden Respekt vor der menschlichen Person." (kim/KNA)

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Der Missbrauchsskandal erschütterte die katholische Kirche in ihren Grundfesten. Seit 2010 die ersten Fälle bekannt wurden, bemüht sich die Kirche um Aufarbeitung der Geschehnisse. Katholisch.de dokumentiert die wichtigsten Etappen.

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