Kommen die "heißen Eisen" ins Abschlusspapier?

Seit Montag tagt die Vorsynode in Rom. Teilnehmer aus Deutschland berichten täglich auf katholisch.de von den Debatten. Über Tag 3 schreibt Alina Oehler von der Frauenrechtsorganisation "Voices of Faith".

Vorsynoden-Blog: Tag 3 | Rom - 21.03.2018

Wer die Internationalität der katholischen Kirche miterlebt, wird begeistert. So geht es auch mir hier bei der Vorsynode in Rom. Denn mit den meisten jungen Menschen, mit denen ich die letzten zwei Tage am Tisch saß, verbindet mich eigentlich sehr wenig – und doch konnten wir in den Gesprächen so viele Gemeinsamkeiten feststellen, wenn es um unsere persönliche Gottesbeziehung ging. Egal, ob aus den USA, der Türkei, aus Tansania, England, Polen, Thailand, Südafrika, Malai oder der Schweiz – wir alle hatten in der Kirche und durch die Kirche spirituelle Erfahrungen gemacht und eine Beziehung zu Jesus Christus aufgebaut, die unserem Leben Sinn und Hilfe gibt.

Der Schmerz, dass viele andere junge Menschen diese Erfahrungen nicht (mehr) machen und dass die Kirche durch ihre derzeitige institutionelle Gestalt dafür auch mitverantwortlich ist, war in unseren Diskussionen deshalb ein zentrales Thema. Ein Afrikaner brachte unser Grundgefühl dabei in etwa so auf den Punkt: "People want fire!" ("Menschen wollen Feuer!") Wir sprachen also viel über Mission, über die Erklärung von Glaubensinhalten und über die Liturgie, zu der viele junge Menschen über alle Ländergrenzen hinweg keinen Zugang mehr zu haben scheinen.

Keiner sprach die "heißen Eisen" an

Die Methode, mit der wir arbeiteten, war dabei, die 15 Fragen, die wir vorab geschickt bekommen hatten, nacheinander in drei Komplexen zu diskutieren. Zu Beginn war jeder eingeladen, in drei Minuten ein Statement abzugeben. Das ermöglichte es allen (auch den nicht Muttersprachlern), entspannt an der Diskussion teilzunehmen. Die zweite Runde war eine freie Diskussion. Die Wortmeldungen wurden dabei protokolliert und die Ergebnisse zusammengefasst.

Was mich trotz aller Gemeinsamkeiten überraschte war aber, dass außer mir keiner von sich aus die in Deutschland so stark diskutierten "heißen Eisen" wie die Rolle der Frau oder den Umgang mit Homosexualität ansprach. Bei der Frauenfrage erntete ich schließlich eifriges Nicken dafür, dass das intellektuelle Potential von Frauen in der Kirche wieder eine größere Rolle spielen muss. Was dagegen den Themenkomplex "LGTB" angeht, herrschte Schweigen. Ob sich darin Zustimmung verbarg, blieb für mich weitestgehend offen. Letztlich sind beide Themen im Papier unserer Sprachgruppe gelandet, ich bin sehr gespannt, ob sie im großen Dokument, das morgen vorgestellt wird, auch enthalten sein werden. Der Flurfunk lässt das jedenfalls vermuten, in anderen Gruppen wurde darüber wohl sogar engagiert gestritten.

In jedem Fall ist es ein sehr gutes und ermutigendes Gefühl (zumindest bis jetzt), wirklich gehört und ernst genommen zu werden. Bei der Begrüßung zu Beginn hatte ich daran kurz meinen Zweifel, als wir mit kleinen Rucksäcken, Baseballcaps und einem bunten Armband begrüßt wurden. Eine Infantilisierung, die in den Diskussionen bisher zum Glück keine Fortsetzung findet. Ich hoffe, dabei bleibt es, und ich bin sehr gespannt auf die morgige Debatte um das finale Dokument.

Von Alina Oehler

Zur Autorin

Alina Oehler ist Theologin, freie Journalistin und engagiert sich in der internationalen katholischen Frauenrechtsorganisation "Voices of Faith", die sie bei der Vorsynode vertritt.

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